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F1-Boss Ecclestone wird 75

"Höre erst auf, wenn ich sterbe"

Foto: Daniel Reinhard

Mit seinen 158 Zentimetern zählt Bernie Ecclestone zwar zu den Kleinsten im Fahrerlager, aber alle blicken ehrfurchtsvoll zu ihm auf: Der Brite hat mit unglaublichem Geschäftssinn, taktischem Geschick, Weitblick und Autorität die Formel 1 zum weltweit drittgrößten Sportereignis nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft geformt.

28.10.2005

"Ich bin und bleibe ein echter Racer", beschrieb er einmal den Antrieb, warum er auch im Rentenalter nicht vom Motorsport lassen könne. "Ich höre erst auf, wenn ich sterbe." Am Freitag (28.10.) feiert Ecclestone seinen 75. Geburtstag.

Im Grand-Prix-Zirkus genießt Ecclestone Respekt wie kein anderer, auch wenn es seit Jahren immer wieder Revolten gegen seine Alleinherrschaft gibt. Die teilweise konträren Interessen der Teams haben bislang den Sturz des Diktators verhindert. "Wenn die Teams die Formel 1 besäßen, dann würden sie sie kaputtmachen. Die können sich doch auf überhaupt nichts einigen", lästerte er. Auch wenn die Automobilwerke inzwischen an einer Alternative arbeiten, sieht er in der angedrohten Konkurrenzserie keine echte Gefahr. Zu Ecclestones großen Befürwortern gehört Michael Schumacher. "Alles, was Bernie macht, hat Hand und Fuß. Er ist der Chef, derjenige, der die Formel 1 erfunden hat" schwärmte der Rekord-Weltmeister. "Wir wissen, dass wir uns auf ihn verlassen können."

Geruchssinn für Geschäfte im gigantischen Ausmaß

Vom Renn-Bazillus war der am 28. Oktober 1930 in Ipswich als Sohn eines Fischkutterkapitäns geborene Bernard Charles Ecclestone schon als Jugendlicher befallen. Mit 16 Jahren stieg er in den Motorradsport ein und assistierte damals sogar als Co-Pilot des Seitenwagen-Weltmeisters Eric Oliver. Große Erfolge blieben nach dem Umstieg von zwei auf vier Räder aus. Nach einem schweren Unfall in einem Formel 3-Boliden in Brands Hatch beendete Ecclestone seine bescheidene Karriere.

Der gelernte Chemieingenieur spürte, dass sein Talent eher im Finanziellen lag. Er bewies einen beeindruckenden Geruchssinn für im Laufe der Zeit gigantische Ausmaße annehmende Geschäfte rund ums Automobil. Schon als Gebrauchtwagenhändler brachte es Ecclestone in London zu einigem Wohlstand. Parallel zu seinem Beruf betätigte er sich als Besitzer des Connaught-Teams. Später übernahm er Brabham. Ecclestone, der 1966 Manager des vier Jahre später tödlich verunglückten Jochen Rindt wurde, verlagerte seinen Arbeitsschwerpunkt immer mehr in die Formel 1.

Kurzsichtig mit Weitblick

Der von ihm 1971 betriebene Zusammenschluss der Teambesitzer zur Formula One Constructors Association (FOCA) und der Exklusiverwerb der TV- und Vermarktungsrechte sieben Jahre später waren Grundlagen für Macht und Millionen des "Mister Formel 1". Der stark kurzsichtige Ecclestone hatte damit schon früh seinen Weitblick für die märchenhaften Möglichkeiten des mondänen Grand-Prix-Zirkus' bewiesen.

Auch wenn Ecclestone inzwischen 75 Prozent seiner Formel-1-Holding SLEC an ein Bankenkonsortium verkauft hat, ist er immer noch der Drahtzieher und Macher in der Königsklasse des Motorsports. Als Vizepräsident des von seinem Freund Max Mosley geführten Internationalen Automobil-Verbandes FIA hat sich der gewiefte Taktiker auch Einfluss auf der "anderen Seite" gesichert. Mit angeblich 2,4 Milliarden Pfund Privateigentum ist Ecclestone laut der Zeitung "Sunday Times" der sechstreichste Brite. Obwohl sich "Mister E", wie ihn seine Angestellten respektvoll nennen, damit ein Leben in Saus und Braus leisten könnte, bevorzugt er eigenen Angaben zufolge eher die Bescheidenheit: "Wir leben ein ganz normales Leben, ohne Glamour oder Partys." In einem Londoner Nobelviertel bewohnt Ecclestone mit seiner 30 Jahre jüngeren Frau Slavica, einem ehemaligen Top-Modell, sowie den beiden Töchtern Tamara und Petra eine Villa.

Kontrolliert das Arbeitstier nicht gerade auf einer Rennstrecke akribisch das Grand-Prix-Geschehen, organisiert es von seinem Londoner Büro aus die gut gehenden Geschäfte. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Geldvermehrung treibt Ecclestone neben der Liebe zum Motorsport an. "Ich würde auch als Blumenhändler versuchen, so gut wie möglich abzukassieren. Doch mein Herz hängt am Motorsport", versicherte er. Einmal gefragt, ob ihm eine Million Freunde oder eine Million Dollar lieber wären, sagte der für seinen bissigen Humor bekannte Brite: "Eine Million Freunde - und jeder schenkt mir zehn Dollar."

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