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F1-Champion Alonso

"Wenn ich verliere, könnte ich heulen“

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Der neue Formel 1-Champion Fernando Alonso über Ehrlichkeit, sein Desinteresse an Luxus und sein Problem mit Niederlagen.

27.10.2005

Sie sind F1-Weltmeister, Renault-Marken-Champion. Geht es noch besser?
Alonso: Ich dachte, dass nichts das Gefühl schlagen könnte, Fahrer-Weltmeister zu werden. Aber als ich das Team in Shanghai feiern sah, da war das fast genauso gut. Der letzte Grand Prix hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler. Die beiden Safety-Car-Phasen haben das Bild des Rennens verwässert. Ich hätte gerne gezeigt, dass wir an diesem Tag unter allen Bedingungen schneller als McLaren waren.

Hatten Sie jemals Zweifel, dass Sie den Titel noch verlieren könnten?
Alonso: In Imola, als Michael Schumacher so stark fuhr. Ich war mir sicher, dass Bridgestone da für Ferrari den Superreifen gefunden hatte.

Ab wann sind Sie mit dem Titel im Hinterkopf taktisch gefahren?
Alonso: In der zweiten Saisonhälfte war mein Fahrplan klar. Der Vorsprung war so groß, dass ich ihn nur durch Fehler hätte verlieren können. Also habe ich mich voll darauf konzentriert, defensiv zu fahren und Fehler zu vermeiden. Ab Silverstone bin ich 100 Prozent am Limit gefahren, aber nur mit 40 Prozent Risiko beim Start, im Zweikampf oder dann, wenn man eine Strafe kassieren kann. Da drückte ich den Tempomaten für die Boxengasse lieber ein paar Meter früher als zu spät.

Flavio Briatore sagt, Sie seien im Kopf bereits 80 Jahre alt. Wie kann man mit 24 Jahren schon so abgeklärt sein?
Alonso: Ich bin mein ganzes Leben lang Rennen gefahren. Erstmals mit drei Jahren. Als ich acht oder neun war, bin ich ganz allein, ohne Eltern, nach Italien gereist, um dort Kartrennen zu bestreiten. So wird man schneller erwachsen. Ich habe bis zu 50 Rennen im Jahr bestritten und 21 Jahre Erfahrung im Gepäck. Im normalen Leben bin ich 24, im Rennauto älter.

"Die Rennstrecke war mein Zuhause"

Mussten Sie dem Sport viel opfern?
Alonso: Ich bin nicht regelmäßig zur Schule gegangen, und die Prüfungen musste ich am Ende des Jahres machen. Im Sommer bin ich ja von Rennstrecke zu Rennstrecke getingelt. Das war mein Zuhause. Meine Familie habe ich nur selten gesehen.

Sie betonen, stets ehrliche Antworten zu geben. Ist die Formel 1 unehrlich?
Alonso: Ich denke ja. Es wird viel gelogen. Oder die Leute drücken sich um eine ehrliche Antwort. Ich ziehe es vor, das zu sagen, was ich denke, und nicht das, was andere von mir erwarten. Auch wenn es manchmal Ärger gibt, weil es falsch verstanden wird.

2001 bei Minardi war Ihr erstes Jahr, in dem Sie nichts gewonnen haben. Wieso empfanden Sie das als so schlimm?
Alonso: Ich will jeden Wettbewerb gewinnen. Nur darum geht es. Wenn ich mal nicht mehr Formel 1 fahre, muss ich etwas Neues finden, wo ich gut genug bin. Ein anderer Sport, vielleicht Kartenspielen. Ich kann nicht verlieren. Wenn ich beim Kartenspielen verliere, könnte ich heulen.

Sie sind für Ihre Kartentricks berühmt. Was fasziniert Sie so daran?
Alonso: Die Reaktionen der Leute.

Sie sind der erste Weltmeister aus Spanien, haben aber vier Wochen lang Ihre Heimat nicht besucht. Warum?
Alonso: Ich gehe auch während der Saison kaum nach Spanien. Höchstens, um meine Familie zu besuchen. Meistens kommt sie aber nach England. Ich kann mich in Spanien nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Gehe ich mit 20 Freunden in ein Restaurant, habe ich im Handumdrehen 200 Freunde. Mit etwas Abstand wird sich die Begeisterung abgekühlt haben.

Ende 2006 läuft Ihr Vertrag aus. Der von Räikkönen auch. Gibt es dann wieder ein Rennen um das beste Cockpit?
Alonso: Wir fahren derzeit für die besten Teams. Daher haben wir nicht den Druck, unbedingt wechseln zu müssen.

Was wird bei Ihrer Entscheidung die Hauptrolle spielen?
Alonso: Ich muss happy sein in diesem Team. Geld verdienen wir Formel 1-Fahrer genug. Wegen einem bisschen mehr gehe ich nicht zu einem Team, in dem ich mich nicht wohlfühlen würde.

Anders als Ihre Kollegen besitzen Sie keine teuren Spielzeuge. Aus Prinzip?
Alonso: Was soll ich mit einem Boot? Teure Autos, große Häuser - das bedeutet mir nichts. Ich komme aus einer Familie, die nie viel Geld hatte. Wenn ich etwas sehe, das mich interessiert, kaufe ich es. Aber nicht einfach so, nur um es zu haben.

Können Sie sich vorstellen, noch zehn Jahre lang zu fahren?
Alonso: Mit einem konkurrenzfähigen Auto, ja. Sehe ich keine Chance zu gewinnen, höre ich auf. Eine Saison, wie sie jetzt Michael Schumacher hatte, würde ich mir nicht oft antun.

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