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Formel 1-Autos 2012 im Buemi-Check

"Der Red Bull ist der Beste"

Sebastien Buemi Barcelona F1-Test 2012 Foto: ams 20 Bilder

Sebastien Buemi ist zum Zuschauen verdammt. Der Ersatzfahrer von Red Bull und Toro Rosso fährt zur Zeit nur im Simulator. In Barcelona nahm sich der Schweizer Zeit, um mit auto motor und sport zum Auto-Check auf die Strecke zu gehen.

22.02.2012 Michael Schmidt

Auch Rennfahrer brauchen ein Pass, wenn sie auf der Rennstrecke Spion spielen wollen. Ohne FIA-Ausweis kommt keiner an der Kontrolle vorbei. Sebastien Buemi traf am Mittwochmorgen von Toyota-Testfahrten aus Paul Ricard in Barcelona ein. Nachdem der 23-jährige Schweizer noch schnell seinen neuen Overall und Helm abgeholt hatte, ging es mit auto motor und sport zum Streckenstudium.

Zum Spionieren haben wir uns die letzte Passage des Circuit de Catalunya ausgesucht. Vom Anbremsen der Kurve 10 am Ende der Gegengeraden bis zur Zielkurve. "In diesem Sektor kannst du bis zu einer halben Sekunde verlieren", erzählt Buemi. "Wenn du in einer der schnellen Kurven Zeit gutmachst, ist es vielleicht ein halbes Zehntel. In einer langsamen Kurve bleiben manchmal drei Zehntel liegen, wenn du einen Fehler machst."

Virgin mit alten Reifen und wenig Abtrieb

Wir stehen in der Anbremszone von Kurve 10. Der arme Charles Pic in seinem Uralt-Virgin muss seinen Reifensatz bis zur Leinwand abschrubben. Der Formel 1-Neuling braucht Kilometer. Das merkt man ihm an. "Er fährt die Haarnadel am Ende der Geraden viel zu eng", kritisiert Buemi. "Am Kurvenausgang ist noch eine Wagenbreite Platz."

Wenig später kommt Lewis Hamilton um die gleiche Kurve. "Hast du gesehen, wie schön er die ganze Fahrbahnbreite beim Beschleunigen nutzt?" Haben wir gesehen. Buemi nimmt Pic aber auch in Schutz: "Die Reifen sind am Ende, und das Auto hat hinten viel weniger Abtrieb als die anderen. Deshalb muss er den Virgin vor dem Beschleunigen erst geradestellen."

Wie merkt ein Profi, wie viel Anpressdruck ein Auto im Heck generiert? "Am Runterschalten. Pic fängt viel früher damit an. Bei Hamilton geht das tac-tac-tac. Da klebt das Heck. Der muss keine Angst haben, dass es ihm ausbricht, wenn er spät bremst und runterschaltet."

Hamilton und Hülkenberg knapp hinter Vettel

Der McLaren bekommt von Buemi ein gutes Zeugnis. "Der und der Force India gefallen mir nach dem Red Bull am besten. Hamilton und Hülkenberg können spät bremsen und früh aufs Gas. Das Auto zuckt nicht auf der Vorderachse, wenn sie beschleunigen."

Sebastian Vettel befindet sich am Mittwoch-Nachmittag gerade im ersten Drittel seiner Rennsimulation - am Ende des ersten Turns. "Man merkt, dass der Red Bull Sprit an Bord hat. Alles ist eine Spur träger. Aber trotzdem liegt das Auto sehr gut. Man sieht aber, dass die Reifen schon alt sind. In Kurve 12 rutscht Seb manchmal." Das ändert sich, als der Weltmeister seinen ersten Boxenstopp einlegt. Auf frischen Sohlen liegt der Red Bull wieder wie ein Brett.

Auch Hamilton ist nun schon seit ein paar Runden unterwegs. Der Mercedes-Motor klingt hörbar anders als die Konkurrenz von Renault, Ferrari und Cosworth. Etwas dumpfer, aber viel runder. Die Piloten müssen weniger mit dem Gaspedal spielen. "Der Mercedes ist schon ein guter Motor", lobt Buemi. "Die haben unheimlich Power im unteren Drehzahlbereich. Deshalb kann der Hamilton die Gänge auch viel besser nutzen."

Plötzlich kommt Vettel in Schlangenlinien vorbei. "Der simuliert eine Safety-Car-Phase", fällt Buemi auf. Auch in der nächsten Runde schleicht der Titelverteidiger langsam um den Kurs. Hamilton läuft von hinten auf, ist abgelenkt und verbremst sich. Vettel hat aber schon in den Rückspiegel geschaut und macht brav Platz, als der McLaren heranfliegt.

Vettel kämpft mit "Webber-Schikane"

Wir wechseln den Standort. Es geht in die Schikane vor der Zielkurve. Ein Fußmarsch von nur 200 Meter. Der Schlussteil der Strecke ist wie ein Motodrom. Das Kurvengewürm liegt ganz eng zusammen. Sebastian Vettel wuchtet seinen RB8 durch eine Bergab-Rechtskurve, die nach einer 150 Meter-Geraden in ein Links-Rechts-Geschlängel mündet.

"Man sieht, dass der Seb die Kurve nicht mag", urteilt Buemi. "Er versucht, in allen drei Kurven am Limit zu sein, muss aber zwischen der Links und der Rechts zu viel vom Gas. Webber ist in der Kurve der absolute Spezialist. Der lässt in die erste Kurve der Schikane reinrollen, schenkt etwas her, kann aber auf der kurzen Verbindungsgeraden etwas mehr Gas geben und kommt schneller wieder raus."

Buemi spricht aus Erfahrung. Webber ist ja noch gar nicht da. "Blöde Kurve", bestätigt Vettel, als am Tag davor das Gespräch auf diesen Streckenteil fällt. Auf den Einwand, dass die Passage teamintern "Webber-Schikane" genannt wird, verzieht der Champion grinsend das Gesicht.

Hülkenberg kommt dagegen gut durch die Schikane. "Auch er schenkt am Anfang Zeit her", rapportiert Buemi. "Aber schau, wie früh er wieder aufs Gas gehen kann." Der Force India bleibt ganz ruhig. Da lügen die Rundenzeiten nicht. "Denen ist ein sehr gutes Auto gelungen." Auch der McLaren bekommt hier Lob. "Der McLaren macht einen guten Eindruck. Das Auto hat Grip. Nicht ganz so viel wie der Red Bull, aber nahe dran." Das lässt hoffen. In Jerez war McLaren noch nicht bei der Musik.

Bottas zu tief im Williams-Cockpit?

Endlich kommt auch Fernando Alonso vorbei. Buemi runzelt die Stirn. "Oh je, das sieht aber nicht so gut aus. Alonso spielt mit dem Gas. Da fehlt Traktion." Als nächstes zaubert Petrov seinen Caterham durch das Nadelöhr. Der Russe steht am Kurveneingang fast quer. "Der Petrov fährt extrem hart. Der Caterham ist aber gar nicht so schlecht. Die haben Fortschritte gemacht."

Bei Williams-Testpilot Valtteri Bottas fällt Buemi auf: "Der sitzt zu tief im Cockpit. Da kann er ja gar nichts sehen. In Barcelona geht das vielleicht noch, aber in Monte Carlo hast du da ein Problem."

Sergio Perez im Sauber fährt wie auf Schienen durch das Kurvenlabyrinth. Buemi will dem Sauber C31 schon ein Lob aussprechen, da fällt ihm auf, dass er auf weichen Reifen unterwegs ist. "Das kann das Bild verfälschen. Genauso wie der Tankinhalt. Im Augenblick sieht der Sauber gut aus. Wir müssen abwarten wie es ist, wenn die Reifen nachlassen." Ein paar Runden später muss der Mexikaner schon kämpfen. Buemi fühlt sich bestätigt: "Siehst du, wie der Grip der Reifen nachlässt."

Force India und McLaren auf Schlagdistanz zu Red Bull

Als wir uns wieder auf die Rückreise ins Fahrerlager begeben, zieht Sebastien Buemi ein Fazit. "Der Red Bull liegt für mich vorn. Dann kommen Force India und McLaren. Die sind gar nicht so weit weg." Leider kam bei unserer Streckenvisite kein Mercedes vorbei. Somit entzieht er sich dem Urteil unseres Streckenspions. Nico Rosberg blieb am Nachmittag mit einem Ölleck am Getriebe in der Garage.

Auch für Buemi ist das Zuschauen hart. Er würde lieber fahren. "Das findet für mich zur Zeit nur im Simulator statt. Dafür aber ziemlich häufig." Der Schweizer fährt in der virtuellen Welt Vettels Red Bull RB8. "Ich hatte dieses Jahr schon sechs bis acht Sitzungen und bin Anfang März nochmal drin." Buemi weiß, dass jeder Kilometer im Simulator gold wert sein kann. Für den Augenblick, in dem er unplanmäßig einen der Stammpiloten ersetzen muss.

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