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Diskussion über Sicherheit

Formel 1 mit Cockpit-Kanzel?

Iacoski F1-Concept FX-i1 Foto: iacoski.com 18 Bilder

Der Horror-Crash von Spa war die Sorte Unfall, die die Formel 1 am meisten fürchtet. Ein Auto hebt ab und fliegt knapp am Helm eines Piloten vorbei. Damit ist wieder die Diskussion entbrannt, wie man den Kopf eines Fahrers besser schützen kann.

03.09.2012 Tobias Grüner, dpa

Nach dem Startunfall von Spa-Francorchamps zerbricht sich die Formel 1 den Kopf über die größte Risikoquelle: Das offene Cockpit. "Uns und, ich denke, allen Ferrari-Fans ist das Herz stehen geblieben bei dem Crash", meinte Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali und forderte ebenso wie Fernando Alonso Konsequenzen.

Unfallverursacher Romain Grosjean war mit seinem Lotus nur Zentimeter am Kopf des spanischen WM-Spitzenreiters entfernt vorbeigeflogen. Damit entbrannte erneut die Diskussion erneut, wie man den Bereich rund um das offene Cockpit in Zukunft besser schützen kann.

FIA-Crashtest Jet-Haube 1:47 Min.

Unfälle entfachen Sicherheitsdiskussion

Bereits seit drei Jahren streiten die Experten über verschiedene Varianten. Auslöser für die Diskussion waren 2009 zwei schwere Unfälle innerhalb weniger Tage: In Ungarn wurde Alonsos Teamkollege Felipe Massa von einer Metallfeder trotz Helms schwer am Kopf verletzt. Formel-2-Pilot Henry Surtees verunglückte 2009 in Brands Hatch tödlich. Er war von einem Reifen, der sich am Wagen eines Konkurrenten gelöst hatte, ebenfalls am Kopf getroffen worden.

Der letzte tödliche Unfall in der Formel 1 liegt hingegen 18 Jahre zurück: Am 1. Mai 1994 war der dreimalige Weltmeister Ayrton Senna am schwarzen Wochenende der Formel 1 in Imola tödlich verunglückt. Am Tag zuvor war der Österreichers Roland Ratzenberger ebenfalls nach einem Unfall gestorben.

Damit das nie wieder passiert, wurden die Sicherheitsmaßnahmen enorm verbessert. Auch deshalb überstanden die Rennfahrer selbst spektakulärste Unfälle schadlos, wie etwa der Pole Robert Kubica 2007 in Montréal. Nur der bis auf den Helm schutzlose Kopf bleibt ein Risiko. Allerdings ist eben dieses offene Cockpit das Markenzeichen aller Formel-Klassen.

Jet-Kanzel oder Schutzkäfig?

Im Gespräch sind nun vor allem zwei Lösungen: Entweder eine geschlossene, transparente Schutzkanzel, wie sie bei Düsenjets zum Einsatz kommt. Oder eine Art Überrollkäfig, bei dem der Kopf durch eine feste Verstrebung von allen Seiten geschützt ist.

"Wir arbeiten mit dem Verband an dem richtigen Schutzsystem", sagte Domenicali. "Mit dem, was wir getestet haben, können aber auch Probleme auftreten." Eine Sorge in Sachen Jet-Kanzel ist, dass die Piloten bei einer Gefahrensituation wie zum Beispiel Feuer im Cockpit nicht schnell genug aus dem Wagen klettern können.

"Du kannst eine Haube drüber machen, aber Du weißt nicht, ob sie danach sicherer sind", meinte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, dessen Fahrer Lewis Hamilton ebenfalls unmittelbar in den Crash beim Großen Preis von Belgien verwickelt war.

McLaren-Technikchef: Lösung schon 2014?

McLaren-Technikchef Paddy Lowe mahnte zur Eile. Der Brite erklärte nach dem Rennen in Spa gegenüber der BBC, dass eine Lösung schon mit dem komplett überarbeiteten Reglement für 2014 eingeführt werden könne. Ein konkretes Projekt dazu sei bereits vor einem Jahr ins Leben gerufen worden.

"Wie oft haben wir uns so etwas wie heute angeschaut und gesagt, was für ein Glück ein Fahrer hatte. Eines Tages wird es nicht glücklich ausgehen und wir werden alle sagen, dass wir etwas hätten tun sollen", so Lowe. Der Brite spricht sich allerdings gegen den Schutz mit einer Jet-Kanzel aus. Sie behindere die Sicht, ist schwer und lässt sich bei einem Unfall nicht einfach entfernen.

Laut Lowe ist eine Lösung mit einem Überrolkäfig die bessere Variante. Allerdings ist auch diese Variante nicht perfekt, weil der Fahrer zwei Streben seitlich im Sichtfeld hat. "Natürlich will ein Fahrer am liebsten gar nichts vor sich haben. Aber es ist wie bei einem normalen Autofahrer mit den A-Säulen - man gewöhnt sich daran. Wir haben in unserem Simulator herausgefunden, dass sich das Gehirn darauf einstellt."

Nach Aussage von Lowe gehe es jetzt vor allem darum, ein verbessertes Design zu entwickeln. "Die Testteile sehen noch sehr hässlich aus. Aber es sind bislang nur sehr frühe Prototypen um die Krafteinwirkung zu testen."

In unserer Fotogalerie haben wir eine Designstudie eines geschlossenen Formel 1-Renners für Sie im Detail.

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