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Formel 1-Film Rush

Kino-Werbung für die Formel 1

Rush Film - Lauda Montage Kino Foto: Dani Reinhard 28 Bilder

Der mit Spannung erwartete Kinofilm "Rush" hat am Montag (2.9.2013) in London Weltpremiere gefeiert. Am 3. Oktober kommt er auch in Deutschland auf die Leinwand. auto motor und sport hat den Film schon gesehen - und sich mit Niki Lauda über das Werk von Ron Howard, Peter Morgan und Eric Fellner unterhalten.

03.09.2013 Michael Schmidt

Woran denken wir bei Renn-Filmen? An "Grand Prix" von John Frankenheimer und an "Le Mans" von Steve McQueen. Hirngespinste wie "Driven" mit Sylvester Stallone wollen wir dabei lieber vergessen. "Grand Prix" und "Le Mans" haben in Rennsport-Kreisen dagegen Kultcharakter, auch wenn die Handlung eher banal ist. Dafür haben die Rennszenen überzeugt. Vor allem die authentischen.

Das Highlight von "Grand Prix" ist die Startrunde des GP Belgien 1966. Sie wird von Phil Hill, dem Weltmeister von 1961, gefilmt, der außer Konkurrenz hinter dem Feld herfuhr. Das Rennen erlangte Berühmtheit, weil ein Wolkenbruch in der ersten Runde zwischen den Streckenabschnitten Burnenville und Masta das halbe Feld von der Strecke spülte. Dank Hill ist man mittendrin in dem höchst gefährlichen Chaos.

Rush - Film - Szenen & Making of - 2013
Rush: Der Trailer zum F1-Film 1:03 Min.

Hollywood-Story - Super-Playboy gegen Roboter

"Rush" ist ein anderer Film. Hier hält sich die Handlung an wahre Begebenheiten. Das Duell zwischen Niki Lauda und James Hunt 1976 ist wirklich so passiert. Die Dramaturgie der Story hat zum ersten Mal ein breiteres Publikum vor die Fernsehschirme gezogen. Regisseur Ron Howard sagte richtig: "Wenn einer die Geschichte erfunden hätte, würde man sagen: Das kann doch nicht wahr sein."

Natürlich haben die Filmemacher einige Details dazu erfunden, einige übertrieben dargestellt und ihre Helden überzeichnet. James Hunt ist im Film der Super-Playboy, der wirklich keine Frau, keine Party und keinen Skandal auslässt. Lauda ist der eiskalte Roboter, den außer seinem Job nichts anderes interessiert. Die Wahrheit lag irgendwo in der Mitte.

Während sich die fiktiven Geschichten in "Grand Prix" und "Le Mans" originaler Rennaufnahmen bedienen, ist bei "Rush" alles nachgestellt. Nur als Niki Lauda im Krankenhaus in Mannheim liegt, sieht man in seinem Zimmer einen Fernseher mit der Live-Übertragung des GP Holland flimmern. Heinz Prüller kommentiert.

Rennszenen in Rush sind nachgestellt

Für den Film haben die Produzenten eigens 24 Rennautos rekrutiert. Zehn davon wurden auf der Basis von Formel 2-Chassis von Spezialfirmen nachgebaut und Mit Rover V8-Motoren bestückt, so dass sie auch von den Hauptdarstellern Daniel Brühl (Niki Lauda) und Chris Hemsworth (James Hunt) auch gefahren werden konnten. Der Rest der Filmautos stammt aus Privatbesitz.
 
Gefilmt wurde auf den Rennstrecken Brands Hatch, Donington Park, Snetterton, Cadwell Park und am Nürburgring. Ein Flugfeld in England war Drehort für die Startaufahmen in Kyalami und Interlagos. Die Lauda-Unfallszene auf der Nordschleife wurde am Originalschauplatz noch einmal nachgestellt. Basis ist die inzwischen ausgebleichte Aufnahme eines Amateurfilmers. Moderne Filmtechnik macht es möglich, wieder Licht und Farbe in die dramatischen Ereignisse in der Linkskurve vor dem Bergwerk zu bringen.

Lauda berät Drehbuchautor Peter Morgan

Regisseur Ron Howard und Skriptautor Peter Morgan sind keine Petrolheads. Sie fasziniert nicht der Motorsport, sondern die Story der Saison 1976 und die beiden so gegensätzlichen Personen Lauda und Hunt. Ursprünglich sollte ein Kinofilm über Jackie Stewart gemacht werden. Das Thema aber war Morgan zu langweilig. Über seine österreichische Frau, die Niki Lauda kennt, stieß er auf die Geschichte eines der unglaublichsten Duelle im Motorsport.

Morgan war sofort fasziniert, ließ sich von Lauda die Ereignisse jenes Jahres erzählen und schrieb das Drehbuch. Streckenweise suchte er bei Lauda Rückversicherung, ließ ihn aber immer nur einzelne Szene lesen, nie das ganze Drehbuch. Lauda erinnert sich: "Ich wurde sicher schon 20 Mal gefragt, einen Film über mich zu machen, aber alle waren so uninteressant, dass ich immer abgelehnt habe. Mit Peter Morgan war das eine andere Dimension."

"Ich habe mich vorher über ihn erkundigt. Er wurde für den Oscar nominiert, versteht also etwas von seinem Geschäft. Peter hat mich in mehreren Sitzungen gequält, ob diese Idee umsetzbar ist. Der Produzent war mit Eric Fellner schnell gefunden. Erst dann kam Ron Howard ins Spiel. Morgan und Howard kennen sich, beide sind Meister ihres Fachs. Es war eine ideale Konstellation."

F1-Film Rush orientiert sich an der Realität

Das zweistündige Machwerk hält sich im Großen und Ganzen an die Realität. Niki Lauda musste vorher unterschreiben, dass er keinen Einfluss auf das Skript nimmt. Frei erfunden sind Szenen wie die Fahrerbesprechung vor dem GP Deutschland. Im Film wird wenige Stunden vor dem Start darüber abgestimmt, ob der GP Deutschland stattfinden soll. Tatsächlich fand das Votum für das Rennen gegen Laudas Widerstand bereits Wochen vorher den Grand Prix ab.

Auch der Part, als James Hunt einen Journalisten in Monza niederschlägt, weil der Niki Lauda bei dessen Comeback in Italien pietätlose Fragen stellt, entspringt der Phantasie der Filmemacher. Die Prügelei dient dazu, Hunts Image als Nonkonformist zu stärken. Und Lauda spielt mit seinen zynischen Antworten perfekt die Rolle des Anti-Helden.

Aus Freunden werden Feinde

Die beiden Hauptdarsteller sind den Großteil des Filmes über Erzfeinde. Davon lebt die Story. Auch wenn es in Wirklichkeit nicht so wahr. Lauda und Hunt haben sich trotz ihrer Gegensätze gut verstanden. Nur die Situation hat sie zu Gegnern gemacht. Und erst die Kontroversen über die Disqualifikationen von Jarama und Brands Hatch haben das Klima kurzfristig vergiftet.

Als McLaren sich mit 3.000 Dollar für ein Auto freikaufte, das 1,8 Zentimeter zu breit war, machte Lauda tatsächlich Politik gegen Hunt. Er bezichtigte seinen Rivalen mit einem illegalen Auto den GP Spanien gewonnen zu haben. Das Fass lief über, als Hunt beim GP England siegte, an dem er eigentlich nicht hätte teilnehmen dürfen. Der Brite hatte seine Startrunde nach einem von Clay Regazzoni ausgelösten Crash nicht beendet, bevor es zum Neustart ging. Enzo Ferrari schmollte und drohte mit Rückzug.

Die Sporthoheit nahm Hunt zwei Monate nach dem GP England den Sieg wieder weg. Da brannten Hunt die Sicherungen durch. Er weigerte sich bei den letzten drei Rennen des Jahres an den turnusgemäßen Sicherheitssitzungen teilzunehmen. Argument gegenüber Lauda: "Ich muss mich auf meinen Job konzentrieren." In seinem Buch verriet Hunt später: "Niki sollte glauben, dass er gegen einen Wahnsinnigen antritt, dem die Sicherheit egal ist."

Duell Hunt vs. Lauda mit Happy-End

Erst der Schluss des Filmes stellt in der Rivalität der beiden Helden wieder einen Bezug zur Wirklichkeit her. Hunt und Lauda versöhnen sich. Auch diese Szene hat es so nie gegeben. Sie war aber nach Meinung von Howard und Morgan nötig, um dem Film einen anständigen Schluss zu geben. So etwas wie ein Happy end.

Ursprünglich sollte der Film mit der Einstellung enden, wie Lauda auf der Fahrt zum Flughafen in Tokio erfährt, dass sein Widersacher Weltmeister geworden ist. Doch da wäre die Spannung nach dem unglaublich Finale in Fuji ins Bodenlose gekippt.

Regazzoni kommt schlecht weg

Der erste Eindruck? Die nachgestellten Rennaufnahmen sind grandios. Man sieht, wie sich die Filmtechnik seit "Grand Prix" und "Le Mans" weiterentwickelt hat. Beeindruckend sind auch die Detailaufnahmen, wenn zum Beispiel die Motoren angelassen werden, oder die Autos aus dem Stand beschleunigen.

Eine Einstellung hat sich aber seit den 70er Jahren nicht geändert. Es ist den Filmemachern nicht auszutreiben: Überholmanöver ziehen sich ewig hin, damit die Kontrahenten genügend Zeit haben, sich gegenseitig anzuschauen. Was in Wirklichkeit so natürlich nie passiert. Ein simples Ausbremsmanöver ohne Blickkontakt wäre auch zu profan. So gut wie die Hauptdarsteller getroffen sind, so schlecht ist die Besetzung von Clay Regazzoni. Der Schweizer hätte ein besseres Ebenbild verdient. Dazu kommt er zu oft in dem Film vor.

Lauda erkennt sich im Film wieder 

Niki Lauda jedenfalls kann sich mit dem Film identifizieren, was nicht einfach ist, wenn man die Geschichte kennt wie sie wirklich war. "Während des Drehs haben mich entweder Daniel Brühl oder Ron Howard angerufen, um mit mir über Details zu reden. Wie ich meinen Helm aufsetze, was ich vor dem Start im Auto mache und solche Sachen. Als ich Daniel dann im Film gesehen habe, hat es mich gerissen. Mein erster Gedanke: Das bin ich ja wirklich."

Lauda sagt aber auch: "Du darfst den Film nicht mit den Augen eines Rennfans sehen, der die Geschichte kennt. Meine Frau zum Beispiel wurde nach 1976 geboren. Die hatte keine Ahnung davon. Für diese Menschen wurde dieser Film gemacht. Das sind zwei wahnsinnige Rennfahrer, der totale Gegensatz. Die einen sollen sich mit dem Hunt, die anderen mit dem Lauda identifizieren. Das war das Ziel. Ich glaube, das hat dieser Film geschafft."

Wenn Sie ab dem 3. Oktober "Rush" in einem deutschen Kino sehen, achten Sie deshalb nicht allzu genau auf etwaige Fehler. Der Film soll Leute in den Sport ziehen, die sich sonst nicht für das Thema interessieren würden. Man kann Lauda nur beipflichten. Diesen Zweck erfüllt er mustergültig.

In der Bildergalerie haben wir Fotos vom Dreh und Szenen aus dem fertigen Film. Dazu haben wir in unserem Video-Center zwei aktuelle Trailer: Link Trailer 1 | Link Trailer 2

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