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Funkverbot sorgt für Kopfzerbrechen

Und plötzlich schaltet der Motor um

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1-Test - Barcelona - 4. März 2016 Foto: Stefan Baldauf 25 Bilder

Das Coaching-Verbot am Funk hat weitreichende Konsequenzen. Die Ingenieure, Strategen und Fahrer mussten viele Dinge neu lernen und neu erfinden. Und manchmal wird es dem Fahrer so vorkommen, als fahre er in einem Tunnel.

16.03.2016 Michael Schmidt

Eigentlich hört sich die Regel ganz harmlos an. Das Team darf dem Fahrer am Funk nichts mehr mitteilen, was ihm beim Fahren hilft, was ihm Informationen über andere gibt, oder was ihm die Strategie erklärt. Einer langen Verbotsliste steht eine kurze Aufstellung gegenüber, mit dem, was noch erlaubt ist. Und das ist praktisch nicht mehr oder weniger als der Befehl, an die Boxen zu kommen. Und zwar in der Runde des Boxenstopps und nicht mit mehr Vorlauf. Das wäre schon wieder unerlaubtes Coaching.

Keine Funk-Information über Strategie-Wechsel

Die Teams dürfen dem Fahrer nicht mehr sagen, wann die Gegner ihre Boxenstopps eingelegt haben und auf welcher Strategie sie sind. Sie dürfen ihnen auch nicht mehr erklären, warum ein Stopp vorgezogen oder hinausgezögert und weshalb die eigene Taktik geändert wird. Der Fahrer fährt in einer Art Tunnel. Findet der Stopp früher als geplant statt, bringt es gar nichts zu fragen. Er weiß, dass etwas nicht nach Plan läuft. Das muss reichen.

Mercedes-Chefstratege James Vowles erklärt das Problem: "Der Fahrer weiß, dass etwas anders ist, aber er weiß nicht was und wie. Theoretisch können es zwei Dinge sein. Entweder du entschließt dich für eine aggressive Zweistopp-Strategie. Oder du wechselst auf 3 Stopps. Für den Fahrer wäre es schon wichtig zu wissen, wohin die Reise hingeht, weil er seine Fahrweise daraufhin einstellt."

Die Teams werden diese Informationen entweder codiert oder auf dem guten alten Weg der Boxentafel ins Cockpit übermitteln. Der Fahrer selbst hat sich strikt an alle Anweisungen zu halten. Er kann nicht mehr wie Lewis Hamilton beim GP Brasilien letztes Jahr mit der Boxenmauer eine Diskussion entfachen, ob er die Strategie ändern darf.

"Er kann sagen, was er gerne hätte. Aber wir dürfen ihm nicht antworten. Wenn dann in der nächsten Runde nicht der Befehl 'BOX' kommt, kann er sich ausmalen, dass wir nichts davon halten", erklärt Vowles.

Mehr Erinnerungs-Sticker im Cockpit

Auch beim Reifenmanagement ist der Fahrer auf sich allein gestellt. Er wird keine Information mehr über die Reifentemperaturen, den Gripverlust und die Abnutzung der Reifen erhalten. Sein Gefühl muss ihm sagen, in welchem Zustand der Reifen ist. "Er kann dann in jeder Runde der Box erzählen, wie sich die Reifen anfühlen, aber wir dürfen ihm nicht antworten, wie er damit umzugehen hat", sagt Chefingenieur Andrew Shovlin.

Komplizierte Prozeduren wie der Boxenstopp, bei dem eine ganze Sequenz an Knöpfen gedrückt werden müssen, erscheinen als Erinnerungsstütze auf dem Display. Dazu werden 3 bis 4 Sticker im Cockpit angebracht, um die Fahrer in bestimmten Situationen zu helfen. Zum Beispiel, was zu tun ist, wenn ein echtes oder virtuelles Safety-Car aktiviert wird.

Wichtige Technik-Funktionen automatisiert

Doch wie ist es mit den lebenswichtigen Systemen? Dem Motormodus, dem Spritverbrauch oder dem Ladezustand der Batterie? Wenn in bestimmten Situationen nicht bestimmte Programme aufgerufen werden, könnten Motor oder Batterie Schaden nehmen. "Wir haben einige Dinge automatisiert, um Schäden dieser Art zu verhindern", verrät Williams-Technikchef Pat Symonds.

Ein Beispiel ist der Motormodus für maximale Power. Er darf über die Lebenszeit der Antriebseinheit nur für eine limitierte Dauer abgerufen werden, sonst kommen die Teams nicht mit 5 Einheiten über die Runden. Die Zeit pro Rennen ist portioniert. Früher hat der Ingenieur den Fahrer daran erinnert, wieder auf einen zivilen Power-Modus zurückzuschalten. Und was, wenn er es jetzt im Eifer des Gefechts vergisst? Symonds: "Dann schaltet das Programm nach der maximal erlaubten Zeit von selbst zurück."

Die Frage ist, ob manche Fahrer vom eingeschränkten Funkverkehr mehr profitieren als andere. Nico Rosberg macht sich Hoffnungen, dass es so ist. Valtteri Bottas bei Williams auch. Doch zu glauben, dass der technisch versiertere Fahrer automatisch seinen Nutzen aus der neuen Regelung zieht, wäre ein Trugschluss.

"Manchmal ist es ein Vorteil, wenn man nicht alles wissen will, sondern sich nur das merkt, was wichtig ist. Wer versucht, 100 Sachen zu lernen, könnte am Ende vor dem Problem stehen, dass er sich zu viele Gedanken macht und sich verzettelt", warnen sie bei Mercedes.

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