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Formel 1 Generationen-Vergleich

Mercedes W25 vs. Mercedes GP W01

Mercedes GP W01 vs. W25 Foto: Gaukler-Studios 21 Bilder

Die Mercedes Formel 1-Autos W25 von 1934 und MGP W01 von 2010 treffen sich bei auto motor und sport.de zum exklusiven Vergleich der Silberpfeil-Generationen. Wir nehmen Sie mit auf eine schnelle Zeitreise.

08.04.2011 Claus Mühlberger

Mit dem Mercedes W25 entstand die Legende der Silberpfeile, die mit dem Mercedes GP W01 im Jahr 2010 wieder aufleben sollte. Am Vorabend des Eifelrennens 1934 auf dem Nürburgring rutschte Alfred Neubauer das Herz in die Hose: "Die Wagen wurden gewogen - und für zu schwer befunden", erinnerte sich der ehemalige Mercedes-Rennleiter in seinen Memoiren "Männer, Frauen und Motoren". Maximal 750 Kilogramm dürfen Grand Prix-Rennautos nach der neuen Formel wiegen - ohne Sprit, Kühlwasser, Öl und Reifen.

"Aber als die Mechaniker den ersten Wagen auf die Waage schieben, zeigt sie 751 Kilogramm." Neubauer war ratlos. Die Technik des Mercedes W25 war auf das Gramm berechnet. "Was tun? Ich kann keine lebenswichtigen Teile ausbauen lassen." Manfred von Brauchitsch lieferte die rettende Idee: "Lassen Sie sich doch einen Ihrer berühmten Tricks einfallen", sagt der Fahrer. "Sonst sind wir die Lackierten." "Lackiert?", fragte Neubauer. "Natürlich, der Lack! Das ist die Lösung."

Mercedes W25 ohne Lack ein Silberpfeil

Über Nacht kratzten die Monteure die weiße Farbe von der Karosserie des Mercedes W25. Nun entsprach der Rennwagen mit dem 354 PS starken, durch einen Kompressor befeuerten Reihenachtzylinder mit 3,4 Liter Hubraum den Regeln. Und er glänzte silbern - es war, so will es die Legende, die Geburtsstunde der legendären "Silberpfeile".

Der erste Silberpfeil führte sich gleich gut ein in der Rennszene: Auf dem Mercedes W25 gewann von Brauchitsch das über 15 Runden führende Eifelrennen auf der, wie Neubauer schreibt, "männermordenden Strecke" mit ihren 172 Kurven. Die 750-Kilo-Formel wurde eingeführt, um Leistungsexzesse einzugrenzen und um die Sicherheit zu verbessern. Bis 1933 nämlich konnte jedermann im Motorsport machen, was er wollte. Hauptsache, das Gefährt hatte vier Räder.

In den zwanziger Jahren handelten die Mercedes-Motorsportler nach dem Prinzip: "Viel hilft viel." Die dank 7,9 Liter Hubraum bärenstarken, aber mit dem hohen Gewicht von eineinhalb Tonnen kämpfenden Rennmonster namens SSKL gerieten aber gegen die flinken Leichtbau-Rennwagen der Konkurrenz, speziell von Bugatti, immer mehr ins Hintertreffen.

Mit dem Mercedes W25 beginnt das Wettrüsten

Ab 1933 wehte ein anderer Wind bei Mercedes, vor allem was das Entwicklungstempo anging: Die Karosserie des Mercedes W25 wurde beinahe im Wochentakt verändert, man experimentierte mit verschiedenen Radstands-Varianten, und der Motor wurde immer stärker. Dank zweier obenliegender Nockenwellen und Vierventiltechnik bot der Reihenachtzylinder gute Voraussetzungen für dieses Fitness-Training: Drei Jahre nach dem Debüt holte die Variante M25 E stattliche 453 PS aus 4,7 Liter Hubraum.

Die Konkurrenz staunte über das Wettrüsten zwischen Mercedes und Auto Union in jenen Jahren. "German Generalstabsarbeit", sei das. Billig war es nicht: Rennleiter Neubauer hatte ein Jahresbudget von sechs Millionen Reichsmark zur Verfügung, entsprechend 20 Millionen Euro heute.

Mercedes GP macht Silberpfeil zum Graupfeil

Heutzutage käme man selbst mit dieser Summe im Grand Prix-Sport nicht sehr weit. Rund 152 Millionen Euro gab das Team Mercedes GP im Jahr 2010 aus. Dem gegenüber stehen allerdings Einnahmen in gleicher Höhe durch Sponsoren und die Überweisungen aus Bernie Ecclestones Kasse, sagt Sportchef Norbert Haug. Das Ziel, mit der Formel 1 nicht nur das Markenimage zu polieren sondern auch tüchtig Geld zu verdienen, scheint nicht mehr fern.

Im Vergleich zur Konkurrenz war der Silberpfeil des Jahrgangs 2010 - der wegen seiner eher matten Kolorierung eigentlich eher den Namen Graupfeil verdient gehabt hätte - ein konventionelles Auto. Zu konventionell für Siege. Die Highlights von Michael Schumacher waren zwei vierte Plätze. Nico Rosberg kam mit dem Mercedes GP W01 drei Mal auf Platz drei. Insgesamt eine eher dürftige Bilanz für eine Firma mit dem Ehrgeiz von Mercedes, denn die Marke soll für Begriffe wie Führungsanspruch, Perfektion und Faszination stehen.

Mercedes GP W01 lange nicht konkurrenzfähig

Der Mercedes GP W01 lag nur wenig unter dem Mindestgewicht von 620 Kilo. So blieb kaum Spielraum, das Auto mittels Ballastgewichten für die jeweiligen Strecken optimal auszutarieren. Als Notmaßnahme wurde der Radstand verlängert. Sieben Zentimeter mehr zwischen den Achsen hieß: ein Prozent mehr Gewicht an der Hinterachse. Viel Aufwand für relativ wenig Ertrag also.

Die großen Aerodynamik-Themen des Jahres 2010, der F-Schacht sowie der so genannte Blown diffusor, wurden zu Beginn der Saison von anderen besetzt - allen voran von Red Bull. Mercedes-Technikdirektor Ross Brawn und seine Ingenieure rüsteten rasch nach, aber nicht rasch genug. Speziell der F-Schacht machte Kummer. Die Fahrer klagten anfangs über ein bisweilen unkalkulierbares Fahrverhalten. Es dauerte bis zum drittletzten Rennen, ehe die Mercedes-Interpretation des F-Schachts beim W01 funktionierte. "Da hatten wir dann aber das beste System von allen", meinte Sportchef Norbert Haug.

Mercedes als erfolgreicher Motorenlieferant

Was den Motor angeht, machte sich Mercedes gewissermaßen um die Massenmotorisierung im GP-Sport verdient. Drei Teams, Mercedes GP, McLaren und Force India, rannten mit Mercedes-Power. Die Triebwerke namens FO 108W - reglementsbedingt V8-Sauger mit einem Zylinderbankwinkel von 90 Grad, 2,4 Liter Hubraum und einer Maximaldrehzahl von 18.000 Umdrehungen - gefielen nicht nur durch Leistung, nämlich 760 PS, sondern vor allem auch durch ihre Zuverlässigkeit. Zusammen genommen fuhren die sechs mercedesgetriebenen Formel 1-Autos bei den 19 Saisonrennen exakt 30.394,2 Kilometer - ohne einen einzigen Motorschaden.

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