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Formel 1-Gipfel in Monaco

Formel 1-Zukunft ohne FIA-Regeln?

FIA Truck GP Monaco 2012 Foto: xpb 41 Bilder

Am Montag (28.5.) nach dem GP Monaco treffen sich FIA-Präsident Jean Todt, Bernie Ecclestone, die Teamchefs und die Technikdirektoren in Monte Carlo zum großen F1-Gipfel. Es geht auch um die künftige Rolle der FIA im Concorde Abkommen. Die meisten Teams wollen, dass der Weltverband weiter die Regeln schreibt und kontrolliert.

25.05.2012 Michael Schmidt

Monte Carlo ist nicht nur das Schaulaufen der Reichen und der Ritt auf der Kanonenkugel in einem 3.340 Meter langen Leitplankenkanal. Im Rahmen des GP Monaco werden auch die Weichen für die Zukunft der Formel 1 gestellt. Der Konferenzmarathon begann schon am Freitag (25.5.) mit einem Treffen der künftigen Vorstandsmitglieder der geplanten Formel 1 AG. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo reiste extra aus Maranello an.

Formel 1 streitet über Motoren und die Rolle der FIA

Am Samstag (26.5.) geht es ansatzlos weiter. Dann treffen sich Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt. Das Thema liegt auf der Hand. Welche Rolle soll die FIA in der künftigen Formel 1 spielen? Wird sie überhaupt noch eine Rolle spielen? Jean Todt wird mehr Geld fordern, und Ecclestone wird auf diesem Ohr taub sein. Es gibt Gerüchte, dass Bernie Ecclestone und CVC-Chef Donald Mackenzie eine Zukunft ohne die FIA nicht ausschließen. Warum nicht die Regeln selbst machen und sie dann auch selbst kontrollieren wie in der GP2?

Da könnte sich schon bei den Motoren der Streit entzünden. "Ich sehe da Konfliktpotenzial", meint Red Bull-Teamchef Christian Horner. "Bernie sorgt sich um die Show. Der Sound der Motoren ist ein wesentlicher Bestandteil davon." Die kleinen Teams haben Angst, dass mit den Turbomotoren die Kosten explodieren. Sie haben in ihrer Agenda den Verbleib bei den V8-Triebwerken stehen. Todt wiederum macht klar, dass es keine Alternative zum V6-Turbo mit Direkteinspritzung und KERS gibt. Die Formel 1 muss grün werden. Um sich politisch nicht angreifbar zu machen.

Geheimplan zum Thema Kundenautos

Auch Kundenautos sind ein Reizthema. Ein geheimer Plan der Formel 1-Chefs sieht vor, dass in Zukunft nur noch Ferrari, Red Bull, McLaren, Mercedes, Lotus und Williams Autos bauen. Der Rest kauft bei diesen Teams ein. Jeder Hersteller darf maximal ein Team beliefern. Doch was macht man, wenn Teams wie Sauber, Force India oder Caterham partout ihr eigenes Auto entwickeln wollen? Man kann es ihnen nicht per Dekret von oben verbieten. Und was passiert, wenn eines der Herstellerteams aussteigt? Dann fehlen am Ende gleich zwei Teams.

Die FIA muss nicht Teil des Concorde Abkommens sein. Es wäre aus Sicht der Teams aber wünschenswert. Denn das Concorde Abkommen regelt die zeitlichen Abläufe der Regel-Änderungen. Heute kann die FIA nicht von heute auf morgen das Reglement modifizieren. Alle Vorschläge müssen durch die Gremien der Formel 1-Kommission und den FIA-Weltrat.

Plant Ecclestone die Piratenserie?

Damit wäre Schluss, wenn die FIA das Concorde Abkommen nicht unterschreibt. Deshalb macht dieser Mittelweg aus Sicht der Teams und von Ecclestone keinen Sinn. In diesem Fall müsste man sich komplett vom Verband lossagen. Das aber birgt die Gefahr, dass die FIA den Abtrünnigen den Namen "Formel 1" und das Prädikat "Weltmeisterschaft" entzieht. Das wäre mit Blickrichtung Börsengang ein Schlag ins Wasser. Eine Piratenserie ist weniger wert als ein offizielles Championat. Ihr würde die Glaubwürdigkeit fehlen.

Um diese Fragen zu klären hat Jean Todt alle Teamchefs und Technikdirektoren und Bernie Ecclestone zu einer großen Sitzung am Montag (28.5.) in einem Gebäude namens Sporting d‘Hiver oberhalb des Hotel de Paris zusammengerufen. Es ist ein außerordentliches Treffen, bei dem keine Entscheidungen getroffen werden. Aber es kommen Themen wie Kostenkontrolle, Turbomotoren ab 2014, Kundenautos, Concorde Abkommen und die Aufgabe der FIA auf den Tisch.

Mehrheit der Teams will FIA mit im Boot

Wenn Bernie Ecclestone tatsächlich plant, die FIA ins Abseits zu stellen, wird er viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die meisten Teamchefs sind dagegen, die Regeln selbst zu schreiben und zu überwachen. Ross Brawn von Mercedes meint: "Die Formel 1 braucht eine dritte Perspektive. Es gibt die Inhaber der kommerziellen Rechte, es gibt die Teams, und es muss die FIA geben."

Frank Williams verzieht das Gesicht: "Jedes Land hat eine Regierung. Wir brauchen auch eine. Solange sichergestellt ist, dass die Regelhüter unabhängig sind, muss die FIA an Bord bleiben." Peter Sauber hält ebenfalls nichts von einer Piratenserie: "Das wäre nicht wünschenswert. Wenn die FIA nicht mehr dabei ist, machen die großen Teams, was sie wollen." Force India-Sportchef Otmar Szafnauer bestätigt: "Es wäre schlecht für die Glaubwürdigkeit, wenn wir keinen unabhängigen Regulator haben."

Nur Christian Horner von Red Bull differenziert: "Man kann die Regeln auch von einer Kommission, an der alle beteiligt sind, schreiben. Und die FIA kontrolliert sie dann. Dass es so funktioniert, zeigt die GP2." Ross Brawn widerspricht: "Die Technik der Formel 1-Autos ist viel zu komplex, als dass man es den Teams überlassen könnte, die Regeln selbst zu schreiben. Es gäbe endlose Diskussionen und würde zu nichts führen."

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