Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Der Formel 1-Hunderterclub

Nur einer wurde Weltmeister

Nico Rosberg  - Formel 1 - GP China - 15. April 2012 Foto: xpb 12 Bilder

Nico Rosberg hat im 111. Anlauf seinen ersten Grand Prix gewonnen. Dieses Schicksal des langen Wartens teilt er mit fünf anderen Piloten. Für die meisten wurde die lange Warterei später zum Fluch. Nur Jenson Button hängte noch einen WM-Titel dran.

18.04.2012 Michael Schmidt

Jochen Rindt gewann seinen ersten Grand Prix beim 50. Start. Das war beim GP USA 1969 in Watkins-Glen. Damals sprach man von einem Spätzünder. Heute haben die Fahrer, die lange warten müssen, über 100 Grand Prix auf dem Buckel. Nico Rosberg bereicherte den Hunderterclub vergangenes Wochenende mit seinem Sieg in Shanghai.

Sechs Fahrer sind es jetzt, die im Schnitt sechs Jahre bis zur großen Stunde warten müssen. "Danach wird alles leichter", hat Niki Lauda dem China-Sieger prophezeit. "Der Niki muss es wissen", hofft Rosberg. Lauda war allerdings etwas fixer mit seinem Debütsieg in der Königsklasse. Der GP Spanien 1974 war erst sein 31. Einsatz.

Die fünf anderen Aufrechten haben eines gemeinsames. Sie waren oder sind alle ewig in der Formel 1 vertreten. Giancarlo Fisichella, Jenson Button, Jarno Trulli und Rubens Barrichello haben sogar schon die 200er Marke geknackt. Rosberg kann sich also zumindest auf eine lange Präsenz im GP-Sport freuen.

Ein Garantieschein, danach noch Weltmeister zu werden, ist es allerdings nicht. Das hat nur Jenson Button geschafft. Es ist allerdings auch nur einer auf diesem ersten Sieg sitzen geblieben. Für Jarno Trulli war der GP Monaco 2004 die erste und einzige Sternstunde seiner GP-Karriere. Hier die sechs GP-Sieger jenseits der Hundertermarke im Überblick.

Giancarlo Fisichella - erster Sieg nach 110 Rennen

Der Römer feierte seinen ersten Sieg unter ungewöhnlichen Umständen. Als er gewann, stand ein anderer auf dem Siegerpodest. Als Gewinner des GP Brasilien 2003 wurde zunächst Kimi Räikkönen gekürt. Dann rechneten die Zeitnehmer nach und fanden heraus, dass sie sich beim Rennabbruch um eine Runde verzählt hatten. In der relevanten Runde lag Fisichella vor Räikkönen. Der Jordan-Pilot bekam seinen Pokal ein Rennen später in Imola nachgereicht.

Danach hätte Fisichella eigentlich die Chance gehabt, die Siegausbeute auszuweiten. Er fuhr in den goldenen Jahren 2005 und 2006 für Renault. Trotzdem schaffte er nur noch zwei weitere Siege. Fernando Alonso überstrahlte ihn. Als der Spanier zu McLaren abwanderte, verschwand Renault im Niemandsland. Fisicos Karriere ging als Aushilfsfahrer von Ferrari unrühmlich zu Ende. Der Italiener holte in seinem Traumauto keinen einzigen WM-Punkt.

Nico Rosberg - erster Sieg nach 111 Rennen

Manche verglichen den Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg schon mit Nick Heidfeld. Lange dabei, und doch kein Sieg. Auf der Habenseite standen nach 110 GP-Einsätzen vier dritte und ein zweiter Platz. Dann stahl ihm in den ersten beiden Rennen auch noch Michael Schumacher die Show. Das schmerzte, denn damit, dass sich der Altmeister noch einmal aufbäumt, hatte Rosberg wohl nicht mehr gerechnet.

Doch in China ist der Knoten geplatzt. Und es ist alles auf einmal passiert. Die erste Pole Position, der erste Sieg. Shanghai mag Rosberg, und Rosberg mag Shanghai. Da hatte er schon im vergangenen Jahr 14 Runden lang das Rennen angeführt. Wäre der Sprit nicht zur Neige gegangen, hätte er vielleicht bereits 2011 an gleicher Stätte seinen ersten Sieg gefeiert.

Jenson Button - erster Sieg nach 113 Rennen

Er galt als das ewige Talent. Sauberer Fahrstil, zuverlässig, stark im Zweikampf. Nur gewinnen wollte Jenson Button nicht. Auch, weil er immer zum falschen Zeit am falschen Ort war. 2000 bei Williams, als die Ehe mit BMW erst begann. 2001 und 2002 bei Renault, als das Team durch eine tiefe Talsohle ging. Von 2003 bis 2005 bei BAR, als man zwar gut für Podestplätze, aber nicht für Siege war.

Dann endlich bot ihm der GP Ungarn 2006 eine Chance. Halb Regen, halb trocken, so wie es der große Taktiker Button am liebsten hat. Der Engländer kam vom 14. Startplatz. Und führte das Rennen erst in den letzten 19 Runden an. Danach musste Button bis 2009 warten, bis es mit dem Gewinnen weiterging. Dafür dann richtig. Für ein paar Tage war er ohne Job, bis Ross Brawn aus den Überresten von Honda ein Paket schnürte, das auf Anhieb Weltmeister wurde. Heute zählt Button zu den Superstars der Branche. Er zieht Lewis Hamilton bei McLaren den Zahn. Darauf hätte niemand gewettet.

Jarno Trulli - erster Sieg nach 117 Rennen

Im Kart fuhr Jarno Trulli wie ein angehender Weltmeister. Als er 1996 die Deutsche Formel 3-Meisterschaft gewann, wurde auch die Königsklasse auf den Mann mit dem Senna-Gesicht aufmerksam. Doch dann ging es Trulli wie Button. Er fuhr für die falschen Teams. Für Minardi, Prost und Jordan. Das änderte sich erst, als er 2002 zu Renault stieß. Nach einem Jahr der Überbrückung erlebte Trulli die große Wende zum Top-Team mit. In diese Phase fiel der Sieg beim GP Monaco 2004.

Eine halbe Saison lang entzauberte der Italiener sogar Fernando Alonso. Trotzdem schickte ihn Teamchef Flavio Briatore wegen Vertragsstreitigkeiten in die Wüste. Trulli dockte bei Toyota an. Dort gab es außer ein paar Podestplätzen und zwei Pole Positions nichts mehr zu erben. Die Karriere klang bei Lotus alias Caterham unglücklich aus. Eigentlich hatte Trulli einen Vertrag für 2012. Doch dann kaufte ihn das Team aus, um an das Geld von Vitaly Petrov zu kommen.

Rubens Barrichello - erster Sieg nach 124 Rennen

Es war ein Bild für Götter. Rubens Barrichello heulte auf dem Siegerpodest wie ein Schlosshund und hüllte sich in die brasilianische Fahne. 123 Mal war er am Sieg vorbeigefahren, und als er am wenigsten daran glaubte, spielte ihm das Wetter und ein verrückter Zuschauer zwei Trumpfkarten in die Hand. Barrichello startete beim GP Deutschland 2000 aus der 18. Position. Im Handumdrehen hatte sich der Brasilianer auf Platz drei vorgekämpft. Nur die beiden McLaren-Mercedes waren unerreichbar. Bis ein Mann, der auf der Waldgeraden die Strecke stürmte, eine Safety-Car-Phase auslöste. Ausgerechnet ein Mercedes-Mitarbeiter.

Im zweiten Teil des Rennens kam der Regen. Allerdings nur im Motodrom. Barrichello blieb auf Trockenreifen draußen, Mika Häkkinen setzte auf Regenpneus. Und verlor, weil Barrichello seinen Ferrari mit unglaublich viel Gefühl durch das Motodrom zauberte und auf den Waldgeraden wieder ein Polster herausfuhr. Später gewann der Brasilianer noch zehn weitere Grand Prix. 2009 hielt er bis zum vorletzten Rennen den Traum vom WM-Titel fest. In diesem Jahr fährt er Indy Car. Landsmann Bruno Senna übernahm Barrichellos Cockpit bei Williams. Geld stach Erfahrung aus.

Mark Webber - erster Sieg nach 131 Rennen

Keiner wartete länger. Beim GP Deutschland 2009 war es endlich so weit. Nach 131 Grand Prix. Und das auf deutschem Boden, dem Heimspiel von Teamkollege Sebastian Vettel. Doch Webber war an diesem Tag nicht zu stoppen. Nicht einmal eine Durchfahrtstrafe wegen einer Kollision mit Rubens Barrichello konnte dem Australier etwas anhaben. Webber war zum Zeitpunkt seines ersten Sieges knapp 33 Jahre alt. Älter als seine Leidensgenossen. Fisichella wurde mit 30 zum ersten Mal GP-Sieger, Trulli mit 29, Barrichello mit 28, Button und Rosberg mit jeweils 26 Jahren.

Für Webber war nach der Premiere ganz oben ein Fluch beseitigt. Im gleichen Jahr gewann er noch Brasilien, 2010 insgesamt vier weitere Rennen und vergangene Saison das Finale in Sao Paulo. Wie Barrichello hatte auch er einmal eine reelle Chance Weltmeister zu werden. Erst im letzten Rennen 2010 gab ihm Vettel das Nachsehen. Diesmal nimmt Webber noch einmal Anlauf auf den Titel. Mit drei vierten Plätzen in den ersten drei Rennen ist er gut bei der Musik.

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen die Debütsiege der sechs Mitglieder des "Hunderterclubs" noch einmal im Bild.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden