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Formel 1 im Streit um Details

Top-Teams machen den Sport kaputt

Parc Fermé - GP Italien 2013 Foto: Wilhelm 23 Bilder

Red Bull, Ferrari und Mercedes fahren hinter den Kulissen weiter ihre eigene Agenda. Sie denken nur an sich und nicht an den Sport. Formel 1-Experte Michael Schmidt erklärt, wie den kleinen Teams unnötig Steine in den Weg gelegt werden.

17.09.2013 Michael Schmidt

Die Formel 1 ist in Not. Trotzdem klotzen die großen Teams so lautstark, dass man sich an das Orchester auf der Titanic kurz vor dem Untergang erinnert fühlt. Red Bull, Ferrari und Mercedes wollen von Kostenkontrolle nichts wissen. Und wenn, dann ab einer Untergrenze von 200 Millionen Euro. Also der Ist-Zustand.
 
FIA-Präsident Jean Todt hat nun endlich Initiative ergriffen. Zum ersten Mal drohte er an, dass sich die FIA aktiv um eine deutliche Kostenreduzierung kümmern wolle. Da hat der Wahlkampf um das Präsidentenamt doch seine positiven Nebenwirkungen.

Red Bull lehnt Sauber-Vorschlag ab

Wie weit die Top-Teams von der Realität entfernt sind, zeigt sich an den jüngsten Verhandlungsrunden im Rahmen der Teammanager-Sitzungen. Erneut ging es um die acht zusätzlichen Testtage während der Saison. Erneut haben Sauber und Force India darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich vermutlich nicht alle acht Tage werden leisten können.

Sie fordern stattdessen Windkanaltage mit dem Originalauto. Das wird von Red Bull rundweg abgelehnt. Argument: Man würde dabei mehr lernen als auf der Rennstrecke. Deshalb sei man gezwungen, ein 1:1 Modell für so einen Test zu bauen. Außerdem habe man keinen geeigneten Windkanal.

Was für ein Unsinn. Erstens hat uns Red Bull in der Diskussion um den illegalen Reifentest von Mercedes glauben lassen, dass nichts wertvoller sei als ein Testtag auf der Strecke. Und dann muss man sich fragen, wozu Red Bull ein Modell für einen 1:1-Test braucht.

Warum nehmen sie nicht einfach wie Sauber das Originalauto und bestücken es mit Sensoren? Und warum mieten sie sich nicht für diesen einen oder zwei Tage irgendwo ein? Es gibt genug Windkanäle, in die ein echtes Auto reinpasst.

Große Teams wollen nicht Reifen testen

Auch beim Testprogramm gibt es Ärger. Pirelli will, dass jedes Team einen oder zwei der acht Testtage ausschließlich für Reifenentwicklung zur Verfügung stellt. Das heißt, dass an diesem Tag weder Aerodynamik noch Motortests gefahren werden können, weil Pirelli möglichst gleichbleibende Bedingungen für sein Versuchsprogramm braucht.
 
Dabei geht es um die Frage, wer zu welchem Zeitpunkt diesen Reifentest einschiebt. Red Bull und Ferrari würden am liebsten ganz darauf verzichten. Begründung: Ihr Entwicklungsprogramm ist so groß, dass acht Tage kaum ausreichen. Sollen die kleinen Teams sich mit Pirelli herumärgern.

F1-Strategiegruppe ist ein Flop

Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass die im neuen Concorde Abkommen vorgesehene Strategiegruppe ein Flop ist. In ihr sind nur die sechs großen Teams vertreten. Und die werden den kleinen ihren Willen aufdrücken. Jean Todts Einwand, dass die kleinen bei der Abstimmung in der Formel 1-Kommission ihr Veto einlegen könnten, ist unrealistisch.

Die kleinen Teams sind durch Allianzen mit den großen nicht frei in ihrer Stimmabgabe. Mercedes hat drei Kundenteams, Ferrari zwei. Red Bull beliefert Toro Rosso und Caterham mit seinem Getriebe. Mercedes macht das gleiche mit Force India, Ferrari mit Sauber und Marrussia.

Wer den Motor und das Getriebe zu einem bezahlbaren Preis will, muss das machen, was der Senior-Partner diktiert. Eine Stimme aus dem Force India-Lager: "Das Ganze ist eine höchst ungesunde Konstellation."

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