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Formel 1 in der Krise

Einigung über F1-Zukunft weit entfernt

Ross Brawn Bernie Ecclestone 2012 Foto: xpb 37 Bilder

Die Formel 1 steckt in einer Krise. Nur keiner merkt es. Es gibt keine Einigung im Concorde Abkommen, kein Reglement, keinen Kalender und auch keine Einschreibung. Am Freitag (7.9.) kommt es in Maranello zu einem Gipfeltreffen zwischen Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und FIA-Chef Jean Todt.

05.09.2012 Michael Schmidt

Die Altgedienten erinnern sich an die Jahre 1979 bis 1982. Damals schwelte in der Formel 1 ein unheilvoller Krieg zwischen dem Weltverband FIA, Bernie Ecclestone und den Konstrukteuren, die in zwei Lager aufgeteilt waren. Das der FIA und das von Ecclestone. Die Saison 1981 stand auf der Kippe. Es gab bereits zwei unterschiedliche Kalender, und nur die Not hat die drei Parteien zusammengeschweißt. Das ganze nannte sich Concorde Abkommen.

30 Jahre später sind wir am gleichen Punkt angelangt. "Nur schlimmer", sagt ein Insider, der nicht genannt werden will. "Damals haben alle kapiert, dass sie in der Krise stecken. Heute will es keiner wahrhaben. Die einen sind zu blöd, die anderen machen den Mund nicht auf."

Streit ums Formel 1-Reglement

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 20/2012) berichtet, ist der Karren Formel 1 mit allen vier Rädern im Dreck festgefahren. Die FIA will sich von den Inhabern der kommerziellen Rechte und den Teams nicht das Heft bei der Festlegung des Reglements aus der Hand nehmen lassen. Die Teams weigern sich, die deutlich erhöhten Einschreibegebühren an die FIA zu bezahlen. Die Folge davon: Es gibt für 2013 kein Concorde Abkommen, kein Reglement, keinen Kalender, keine Einschreibung.

Eine Einigung beim Streit um ein neues Concorde Abkommen scheint weiter entfernt denn je. Die Teams haben sich zwar alle ordnungsgemäß vor dem 30. Juni für 2013 eingeschrieben, doch die Nennung ist ungültig. Die FIA hat den Termin auf den 30. September verschoben, weil es nicht rechtzeitig für den 30. Juni ein Reglement gegeben hat. Das lag daran, dass sich die Teams nicht darauf einigen konnten, die Kostenkontrolle in das sportliche Reglement aufzunehmen.

Bis heute wird darüber gestritten. Inzwischen beginnen schon einige Standhafte aus purem Eigennutz von ihren Prinzipien abzurücken. Mercedes muss dringend aufholen. Da wäre es fatal, die Windkanalstunden pro Woche von 60 auf 40 Stunden herunterzufahren. Gleiches gilt für die Computerkapazitäten. Deshalb würde Mercedes die Verschärfung der Restriktionen am liebsten auf 2014 verschieben, wenn alles bei Null beginnt.

Red Bull torpediert weiter Sparpläne

Damit spielt man allerdings Red Bull in die Karten, die alles tun, um jeden Sparplan aus den Angeln zu heben. Der österreichische Brausehersteller ist weiter mit Blindheit geschlagen. Er hat nicht gemerkt, dass acht der zwölf Teams das Wasser bis zum Hals steht. Er begreift nicht, dass seit über einem Jahr kein richtig großer Sponsor bei einem Team angebissen hat, obwohl wir sportlich eine der bestens Saisons aller Zeiten erleben.

Die Träumer in der Formel 1 wollen nicht sehen, dass schon der nächste Zug auf uns zurollt in Form von dramatisch höheren Kosten für die neuen Motoren. "Es ist ein Sport", sagte Red Bull-Teamchef Christian Horner in Spa. "Starke Regeln sind besser als die Kosten über eine Betriebsprüfung zu kontrollieren. Es ist wichtig, dass wir nicht die Kreativität unterdrücken."

Da fragt man sich: Was gibt es da besseres als eine Budgetdeckelung? Da darf jeder im Rahmen eines bestimmten Etats machen was er will. Mehr Kreativität geht gar nicht.

Top-Teams wollen Regeln selbst bestimmen

Red Bull und Ferrari zählen auch zu den treibenden Kräften, die Bernie Ecclestone darin bestärken, in Zukunft über das Reglement selbst zu bestimmen. Ecclestone ist die flatterhafte Regelpolitik der FIA schon lange ein Dorn im Auge. Zum Teil nicht einmal zu Unrecht. Es gab in den letzten zehn Jahren viele Regeländerungen, die man sich hätte sparen können. Weil sie die Fans verwirren und nur Geld kosten.

Andererseits müssen die Regeln von einer unabhängigen Behörde geschrieben werden. Weil sonst die starken Teams in der Formel 1 die Regeln so durchdrücken, dass nur sie davon profitieren. Dann fallen die Kleinen hinten runter.

Ecclestone hat da einen Plan. Er verspricht der FIA eine drastische Erhöhung ihrer Gebühren, die natürlich nicht er bezahlt, sondern die Teams. Die Einschreibegebühr soll demnach auf 500.000 Euro pro Team steigen, dazu eine Abgabe von 7.000 Euro pro Punkt. Macht für die FIA 20.140.000 Euro plus acht Millionen von den Rechteinhabern. Also elf Millionen mehr als bisher.

Verkauft sich die FIA?

Innerhalb der FIA geht die Angst um, dass sich Präsident Jean Todt durch den Geldsegen blenden lässt und damit die Kompetenz der Sportbehörde in der Regelfindung verkauft. Muss er eigentlich gar nicht, denn der Verband ist bei den Gesprächen mit Ecclestone in einer guten Verhandlungsposition. Wenn kein Concorde Abkommen zustande kommt, kann er die Regeln bestimmen wie er will. Und zwar von einigen Ausnahmen abgesehen ohne langen Vorlauf.

Die Teams würden von Ecclestone weniger Geld bekommen, denn ohne Concorde Abkommen gilt der alte Auszahlungsmodus. Für die Rechteinhaber wäre ein rechtloser Raum eine Katastrophe, weil sie ihren Investoren eigentlich Planungssicherheit bis 2020 versprochen haben.

Die FIA wird die auf den 30. September verschobene Einschreibefrist nicht halten können, weil die Statuten verlangen, dass 20 Tage vor Beginn der Einschreibephase das sportliche Reglement fixiert sein muss. Der Beginn dieses Einschreibefensters wäre der 15. September. Dazu hätte es am 26. August ein Reglement gebraucht. Es gab aber keines.

Gipfeltreffen in Maranello

Der Weltverband will die Nennfrist nun auf den 31. Oktober hinauszögern. Das aber lehnen einige Teams ab, darunter Ferrari. Um die verfahrene Situation zu lösen, treffen sich an diesem Freitag (7.9.) Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und FIA-Chef Jean Todt zu einer Krisensitzung.

Das neue Concorde Abkommen bis 2020 bleibt weiter eine schwere Geburt. Und genau da beginnen die Fragezeichen im Fall Mercedes. Der schwäbische Automobilkonzern, Marussia und HRT sind die einzigen drei Teams, die noch nicht ihre Unterschrift unter die Grundfeste des nächsten Concorde Abkommens gesetzt haben. Die finanziellen Eckpunkte stehen. Mercedes soll das vierte privilegierte Team werden, steht aber in Bezug auf Sonderzahlungen nicht ganz auf einer Stufe mit Ferrari, Red Bull und McLaren.

Probleme gibt es beim Procedere von Reglementänderungen. Nach den Plänen von Ecclestone soll eine Gruppe aus sechs Teams in Zukunft die Regeln vorschlagen. Die vier Privilegierten, dazu Lotus und Williams. Eine neue Formel 1-Kommission, bestehend aus sechs Teams, drei Veranstaltern, einem Motorhersteller, je einem Sitz für die FIA und die Rechteinhaber wird dann über diese Vorschläge abstimmen. Man munkelt, dass Ecclestone in diesem Gremium mehr Gefolgsleute haben wird als die FIA.

Mercedes kann F1-Vertrag nicht unterschreiben

Rechtsexperten haben Zweifel, ob sich die Vorauslese der Regeln durch sechs Teams mit dem europäischen Wettbewerbsgesetz verträgt. Die anderen sechs Teams könnten klagen, weil sie dadurch einen Wettbewerbsnachteil haben. Mittlerweile kursieren Gerüchte, dass diese Gruppe um drei Teams erweitert werden könnte. Um diesem rechtlichen Problem aus dem Weg zu gehen.

Denn das ist einer der Gründe, warum sich auch die Unterschrift von Mercedes so lange hinauszögert. Ein Weltkonzern kann einem juristisch potenziell anfechtbaren Vertrag nicht zustimmen, ob er will oder nicht. Spannende Zeiten, könnte man sagen. Doch auf diese Art Spannung würden die Beteiligten und vor allem die Fans am liebsten verzichten.

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