Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1 in der Motorenkrise

Ist die Hybrid-Formel gescheitert?

Kimi Räikkönen - GP Belgien 2015 Foto: Wilhelm 61 Bilder

Inzwischen hat man sich an die Hybrid-Technologie in der Formel 1 gewöhnt. Die Rufe, dass die Motoren nicht laut genug und zu kompliziert sind, werden leiser. Und trotzdem ist das Experiment gescheitert. Weil es nur zwei Hersteller gibt, die gute Motoren bauen. Und die haben eigene Interessen.

18.09.2015 Michael Schmidt

Hinter den Kulissen der Formel 1 braut sich Ärger zusammen. Großer Ärger. Und Red Bull steckt mittendrin. Die Formel 1 schliddert auf eine ernsthafte Motorenkrise zu. Auch denn, wenn sich Renault doch noch dafür entscheidet, mit Lotus als Werksteam zurückzukehren. Es würde nichts an dem Engpass ändern, indem sich die Königklasse befindet. Steigt Renault ganz aus, wird es nur noch schlimmer.

Warum? Weil Renault und Honda 2016 jeweils nur ein Team beliefern. Ferrari und Mercedes müssten sich den Rest aufteilen. Das wäre noch auszuhalten, wenn mit Red Bull nicht ein Team auf dem Markt wäre, das sowohl für Mercedes als auch für Ferrari eine Bedrohung darstellt. Davor können Mercedes und Ferrari sich und ihre Werksteams nur durch zwei Maßnahmen schützen. Entweder man gibt Red Bull gar keinen Motor oder einen zweitklassigen.

Hybrid-Formel lockt keine Hersteller an

Die Wahrheit ist: Selbst wenn Renault- und Honda-Triebwerke auf dem Markt wären, würde sich keiner freiwillig um sie reißen. Außer es gäbe sie umsonst. Dieses Jahr hat gezeigt, dass beide Hersteller meilenweit von Mercedes und Ferrari entfernt sind. Und auch in den nächsten Jahren den Rückstand nicht aufholen werden. Nicht weil der Rückstand zu groß wäre. Nein, es fehlen die Ideen. Die Technologie ist so komplex, dass im Moment nur zwei Autokonzerne in der Lage sind, sie zu beherrschen. Und diesem Rückstand werden Späteinsteiger und Fehlstarter ewig hinterherlaufen.

Die Hoffnung der FIA, dass die Hybrid-Formel neue Hersteller anlockt, bestätigt sich nicht. Sie vertreibt eher einen, als dass neue hinzukommen. BMW hat öffentlich bereits sein Desinteresse an der Formel 1 bekundet. Und der VW-Konzern hat bis 2018 keine Pläne in die Königsklasse einzusteigen. Hybrid-Pionier Toyota investiert lieber in die WEC. Und bei Honda fragt man sich schon: Wie lange wollen sich die Japaner das noch antun? Honda zeigt, wie groß das Risiko ist, sich zu blamieren.

Damit hat sich die Formel 1 in Geiselhaft von Mercedes und Ferrari manövriert. Sie entscheiden, wer vorne mitfährt. Red Bull steht vor der Entscheidung: Entweder das nehmen, was man vorgesetzt bekommt, oder ganz aufhören. Dietrich Mateschitz wird sich nie mit zweitklassigen Antriebsquellen zufriedengeben. Sonst hätte er ja gleich bei Renault bleiben können. Wenn der Sport wegen der Motorenfrage auch noch zwei Teams verliert, muss das Format als gescheitert gelten.

Die FIA will wenigstens für 2017 gegensteuern. Vielleicht ist es dann schon zu spät. Die Hersteller sollen verpflichtet werden nach der alten Reifenregel eine bestimmte Anzahl von Teams zu beliefern. Neue Motoren dürfen nicht mehr als 12 Millionen Euro kosten, alte höchstens 8 Millionen Euro. Ferrari hat bereits angedroht, in diesem Punkt sein Veto-Recht geltend zu machen. Das könnte zäh werden.

Ferrari kann sich Niederlage gegen Red Bull nicht leisten

Das Angebot von Ferrari-Chef Sergio Marchionne, Red Bull mit gleichwertigen Motoren zu versorgen, ist bestenfalls ein politischer Winkelzug. Ferrari kann es sich nicht leisten, gegen Red Bull mit Ferrari-Motoren zu verlieren. Seit 2007 warten die Roten auf einen WM-Titel. Sie haben über den Winter viel investiert, um Anschluss an Mercedes zu finden. Und das alles, um Red Bull eine Einladung zu geben, das Werksteam zu blamieren?

Der Druck auf Maranello würde noch größer als er ohnehin schon ist. Er wäre schlicht nicht aushaltbar. Würde Ferrari an die Truppe aus Milton Keynes Motoren älteren Datums liefern, wären die Kommentare von Red Bull programmiert. Man würde die Niederlagen auf die schlechteren Motoren schieben. Kurzum: Es ist eine Situation, in der keiner gewinnen kann.

Mercedes hätte mehr Spielraum. Erstens haben die Silberpfeile gerade zwei WM-Titel in der Tasche. Zweitens hat die Chassisfraktion in Brackley bewiesen, dass man ein Chassis bauen kann, das dem von Red Bull gleichwertig, wenn nicht sogar leicht überlegen ist. Und drittens hat man mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg eine Fahrerpaarung, die bei einem Gleichstand gegen Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat vielleicht den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Will Mateschitz den Druck erhöhen?

Jetzt ist guter Rat teuer. Wer gibt Red Bull einen Motor, und welche Spezifikation wird es sein? Der Unterschied zu früher liegt darin, dass Renault und Mercedes eine Zeitlang reine Motorenlieferanten waren. Sie konnten in der Not aushelfen, so wie es Mercedes 2009 mit BrawnGP praktiziert hat. Jetzt stehen nur noch zwei Hersteller zur Wahl, die mit einem eigenen Teams antreten. Und die sich nicht freiwillig intern Konkurrenz schaffen wollen. Es aber vielleicht müssen, wenn die Formel 1 nicht zwei Teams verlieren will.

Genau das könnte die Taktik von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz sein. Eine kleine Erpressung nach dem Motto: Entweder ihr gebt mir, was ich will, oder ich bin weg. Deshalb zeigt Red Bull auch keine große Eile, einen neuen Vertrag abzuschließen. Weil es den Leidensdruck erhöht. Dazu passt folgende Geschichte: Bis vor kurz vor Monza hat sich Bernie Ecclestone bemüht, Mercedes mit Red Bull zu verheiraten. Es ist in seinem Interesse, wenn es mehr als nur einen Sieganwärter gibt. Doch seit drei Wochen herrscht Ruhe. Angeblich, weil Mateschitz auf Anrufe von Ecclestone nicht antwortet. So als sei dem Softdrink-Zar eine schnelle Lösung des Problems egal.

Jetzt wird sogar schon spekuliert, dass Bernie die Red Bull-Teams notfalls über die Klinge springen lässt. Das würde im Fall von Red Bull viel Bonusgeld sparen, dass in die Kasse von Rechteinhaber CVC zurückfließt. Die müssen nämlich im nächsten Jahr 32 Millionen Dollar mehr an Mercedes auszahlen. Geld, das nicht aus dem Topf genommen werden kann, der an die Teams ausbezahlt wird. Die Summe würde vom Gewinn abgehen, sollte Red Bull dabeibleiben.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden