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Formel 1-Ingenieurskarussell

Kann Paddy Lowe Mercedes retten?

Paddy Lowe McLaren 2012 Foto: xpb 25 Bilder

Ferrari versucht seit Jahren, Adrian Newey nach Maranello zu locken und ist immer wieder abgeblitzt. Mercedes flirtet mit McLaren-Technikdirektor Paddy Lowe. Doch wäre der 50-jährige Engländer wirklich die Antwort auf alle Probleme bei der Marke mit dem Stern?

31.01.2013 Michael Schmidt

Ingenieure sind in der Formel 1 so wichtig wie die Fahrer. Adrian Newey verdient bei Red Bull angeblich neun Millionen Euro Pro Jahr. Er könnte bei Ferrari oder Mercedes wahrscheinlich das Doppelte bekommen, wenn er denn weg wollte. Doch Newey ist bei Red Bull fix bis 2014.

Der 54-jährige Engländer ist so etwas wie eine Erfolgsgarantie. Aus seiner Feder stammen die Weltmeisterautos Williams FW14B, FW15, FW18 und FW19, die McLaren MP4-13 und MP4-14, sowie die Red Bull-Modelle RB6, RB7 und RB8. Viele vergessen aber, dass die Personalie Newey allein nicht alle Probleme löst. Er braucht eine funktionierende Mannschaft um ihn herum wie sie ihm Red Bull mit Chefdesigner Rob Marshall und Aerodynamiker Peter Prodromou bietet.

Ingenieure kommen und gehen

Nicht nur Newey ist begehrt. Im Herbst vergangenen Jahres verstärkte sich Ferrari mit den Aerodynamikern Loic Bigois von Mercedes und Ben Agathangelou, der über Benetton, Red Bull und HRT nach Maranello kam. James Key ging von Sauber zu Toro Rosso. Mark Webbers Renningenieur Ciaron Pilbeam wechselt zu Lotus.

Mercedes baggert an McLaren-Technikchef Paddy Lowe, nachdem man bei James Allison von Lotus abgeblitzt war. Lowe war ursprünglich vom neuen Mercedes-Mitbesitzer Toto Wolff für Williams geködert worden. Jetzt versucht McLaren seinen Technikdirektor mit einem besseren Angebot zum Bleiben zu überreden. Bis zum Ende der Saison 2013 ist das laut Martin Whtimarsh gelungen. Was danach kommt, weiß man noch nicht.

Was ist bei McLaren los?

Das wirft die Frage auf, was bei McLaren los ist, wenn innerhalb kurzer Zeit Lewis Hamilton zu Mercedes wechselt und Lowe einen Teamwechsel zumindest in Betracht zieht. Was treibt einen McLaren-Technikchef zu Williams? Von Mercedes konnte Lowe zunächst ja nichts ahnen.

McLaren mag finanziell härteren Zeiten entgegensehen, aber Williams ist auch nicht auf Rosen gebettet. Es ist kein Geheimnis, dass McLaren die vielleicht schlagkräftigste Technikertruppe im ganzen Zirkus hat. Selbst wenn den Ingenieuren in Woking mal ein Fehler unterläuft, sie finden immer auf den richtigen Weg zurück. Es müssen also eher emotionale als rationale Gründe verantwortlich sein, sich aus Woking zu verabschieden.

Wenig Aufstiegschancen bei McLaren

Auch wenn McLaren seit der Regentschaft von Martin Whitmarsh deutlich lockerer geworden ist, spürt man im Team immer noch die Handschrift von Ron Dennis. Also Kontrolle von A bis Z. Das ging schon Lewis Hamilton auf den Wecker. Hat es auch Lowe dazu bewogen, über einen Wechsel nachzudenken? Oder liegt es vielleicht daran, dass die Aufstiegschancen in der Matrix-Struktur von McLaren begrenzt sind.

Das Technikbüro in Woking ist organisiert wie ein Großbetrieb. Die Hierarchie ist kein Baum, sondern eine Palette. Auf jeder Ebene gibt es gleichberechtigte Chefs und Abteilungsleiter. Das minimiert das Risiko, sich von einem Stardesigner abhängig zu machen.

Ron Dennis ist schon drei Mal sein Technikdirektor davongelaufen: 1987 John Barnard, 1989 Steve Nichols und 2006 Adrian Newey. Das von Whitmarsh eingeführte Matrix-System fängt Abgänge weicher auf. Doch es bedeutet auch, dass man schnell einmal an der obersten Stufe angelangt ist. Lowe ist neben Tim Goss, Neil Oatley und Simon Lacey Primus inter Pares.

Was würde Lowe Mercedes bringen?

Es stellt sich auch die Frage, was Lowe Mercedes nutzen würde. Er bringt die Erfahrung von McLaren mit. Er ist einer der wenigen Ingenieure, die noch das ganze Auto verstehen. Er ist ein glänzender Organisator. Aber er ist auch in einer anderen Organisationsstruktur groß geworden. Bei Mercedes herrscht noch eine strenge Hierarchie, auch wenn man manchmal den Eindruck gewinnt, es gebe mehr Häuptlinge als Indianer. Daran müsste sich Lowe nach 20 Jahren McLaren erst wieder gewöhnen.

Wenn er irgendwann einmal an die Stelle von Ross Brawn tritt, wäre das für den 50-jährigen Engländer auch ein Neubeginn. Als Teamchef neben Toto Wolff. Bis er sich da eingelebt und die Schwächen der aktuellen Organisation in Brackley erkannt hat, gehen auch wieder Jahre ins Land. Selbst Adrian Newey hat bei Red Bull drei Jahre gebraucht, bis seine Autos Rennen gewonnen haben. Die Zeit hat Mercedes nicht.

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