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F1-Kommission blockiert sich selbst

Formel 1-Kindergarten geht weiter

Danis Bilderkiste - Formel 1 - Jerez Test 2015 Foto: Daniel Reinhard 31 Bilder

Die Formel 1-Kommission hat entschieden, dass nichts entschieden wird. Die 1.000 PS-Motoren kommen frühestens 2017, neue Autos auch. Sämtliche Sparpläne fielen durch den Rost. Die Chance, dass sich etwas ändert, ist gleich null. Weil alle auf dem Ego-Trip sind.

17.02.2015 Michael Schmidt

Alles bleibt beim Alten. Der Kindergarten ging bei der letzten Formel 1-Kommissionssitzung am Dienstag (17.2.2015) in Genf weiter. Teams, Bernie Ecclestone und FIA blockieren sich selbst. Sparpläne? Alles abgelehnt. 1000 PS-Motoren? Längst auf 2017 verschoben. Aggressivere Autos? Der Vorschlag von Red Bull und McLaren, schon 2016 damit zu kommen, abgeschmettert. Ob er sich 2017 durchsetzt, ist fraglich. Ferrari hat ein neues Konzept vorgestellt. Auch dafür wird es keine Einigung geben.

War es Zufall, dass sich die Formel 1-Drahtzieher am Faschingsdienstag trafen? Wahrscheinlich nicht. Es musste sich wenigstens keiner als Clown verkleiden. Die Teamchefs zerfleischten sich in sinnlosen Diskussionen, bei dem es nur um eines ging: Was nutzt mir und meinem Team. Ein Beteiligter schüttelte den Kopf: "Den großen Teams ist die Formel 1 scheißegal."

Sparpläne von McKinsey in der F1-Kommission abgewürgt

Beispiele gefällig? Als die FIA die Kostenstudie und Sparpläne von McKinsey vorstellen wollte, weigerten sich Ferrari und McLaren darüber zu diskutieren. Mit dem Hinweis, dass man in der Strategiegruppe beschlossen hätte, nicht über das Kostenthema zu reden. Red Bull und Mercedes bestritten dies.

Notgedrungen wurde dann doch über mögliche Sparmodelle debattiert. Aber eigentlich wollte sie keiner von den Top-Teams hören. McLaren-Chef Ron Dennis und Ferrari-Oberhäuptling Sergio Marchionne nahmen dem Vortrag schnell den Wind aus den Segeln. Tenor: "Unsere Aufgabe ist es zu gewinnen, nicht zu sparen und uns um die kleinen Teams zu kümmern."

Worauf die Modelle "drittes Auto" und "Kundenteams" wieder hochkochten. Ohne zu bedenken, dass die Top-Teams damit finanziell noch mehr belastet würden. Und dass McLaren-Honda in diesem Jahr vermutlich punktelos bliebe, würde einer der beiden Notfallpläne in Kraft treten

Doch Ron Dennis muss die Flucht nach vorne antreten. Er braucht Honda nicht nur als Motorenlieferant, sondern auch als Geldesel. Eine Kostensenkung wäre kontraproduktiv. Könnte er Honda aber ein Kundenteam aufschwatzen, würde der Motor vielleicht schneller auf Touren kommen.

Mercedes-Gegner Opfer der eigenen Politik

Lotus, Force India und Sauber machten den Vorschlag, die Liste der Standardteile dahingehend zu erweitern, dass man sich untereinander aushelfen kann. Einer macht die Windkanaltests, der andere baut die Aufhängungen, der dritte das Getriebe. Die großen Teams lehnten ab.

Williams merkte angesichts der festgefahrenen Verhandlungen, dass der dritte Platz kein Ruhepolster ist. Im Grunde gehört auch das drittälteste Formel 1-Team schon zu den Statisten. Das Budget ist nicht viel höher als bei Lotus, Force India und Sauber. Es sind nur weniger Schulden da.

Doch auch die Top-Teams können sich mit ihrem Willen wegen des komplizierten Entscheidungsprozesses nicht mehr durchsetzen. Der Vorstoß von Red Bull und McLaren für neue Autos ab 2016 ist genauso ein Verzweiflungsakt wie Ferraris Idee mit dem V8-Biturbo. Hauptsache irgendetwas anders machen, um möglichst schnell einen technischen Rückstand aufzuholen. Ob das dem Sport gut tut oder nicht, interessiert keinen.

Ferrari, Mercedes, Red Bull und McLaren sind längst Opfer ihrer eigenen Politik. Sie merken es nur nicht. Alle vier haben einen Status erreicht, bei dem Verlieren verboten ist. Und wenn man nicht mehr gewinnt, macht man Lobby für ein neues Reglement und lehnt alles ab, was die Kosten senkt. Aus purem Eigennutz.

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