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Formel 1 Krieg

Ein Fall für die Gerichte

FIA-Logo Foto: dpa 32 Bilder

Die einstweilige Verfügung von Ferrari gegen das vom FIA-Weltrat verabschiedete Formel 1-Reglement für 2010 wird am Dienstag (19.5.) in Paris verhandelt. Die FIA ist optimistisch, den Gerichtsstreit zu gewinnen.

16.05.2009 Michael Schmidt


Das Gipfeltreffen zwischen Max Mosley, Bernie Ecclestone und den zehn Teamchefs am Freitag (15.5.) in London endete mit einem Knalleffekt. Nach eineinhalb Stunden Diskussion, als sich gerade eine Annäherung der Parteien abzuzeichnen begann, erhielt Max Mosley eine SMS von einem Anwalt, der die FIA in Fragen des EU-Wettbewerbsrechts berät. Darauf stand zu lesen, dass Ferrari eine einstweilige Verfügung gegen das Formel 1-Reglement für 2010 eingereicht hab.

Domenicali wusste nichts von Ferrari-Klage

Mosley unterbrach daraufhin sofort die Sitzung. „Es macht keinen Sinn konstruktive weiterzureden, wenn hinter unseren Rücken ein Verfahren gegen uns eingeleitet wird.“ Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali war offensichtlich ebenso überrascht über die Meldung wie Mosley selbst. Domenicali wusste zwar, dass sich der Ferrari-Vorstand gerichtliche Schritte vorbehalten hatte, er wusste aber nicht, dass diese just an diesem Freitag eingeleitet würden.

Der Fall wird am kommenden Dienstag verhandelt. Ferrari beruft sich auf ein Vetorecht auf jede Regeländerung, das die FIA am 17. Januar 2005 dem italienischen Rennstall eingeräumt hatte. Es war ein Geschenk dafür, dass sich Ferrari von der geplanten Herstellerserie GPWC verabschiedete. Ferrari beruft sich nun auf dieses Recht und argumentiert, dass die FIA ohne Konsultation der Teams eine Budgetobergrenze für 2010 einführen wolle. Nach Ansicht von FIA-Juristen hat die einstweilige Verfügung wenig Aussicht auf Erfolg. „Ich wäre sehr überrascht, wenn sie damit Erfolg hätten“, sagt Mosley. 

Ferrari reagiert spät aber heftig

Da sich die Anwälte bedeckt halten, kann man über die Argumentation des Verbandes nur spekulieren. Max Mosley deutet aber eine Verteidigungsstrategie in einem Interview mit der BBC bereits an. Demnach habe der FIA-Weltrat am 17. März 2009 die Einführung einer Budgetobergrenze angekündigt, damals noch mit einem Limit von 30 Millionen Pfund pro Jahr. Ferrari legte keinerlei Veto ein. Gleiches Spiel am 9. April, als der FIA-Weltrat das Budgetlimit auf 40 Millionen Pfund anhob.
 
Mosley verteidigt sich: „Wir mussten handeln, nachdem uns das Beispiel Honda vor Augen führte, dass angesichts der Wirtschaftskrise jederzeit weitere Hersteller abspringen könnten. Wir sagten der FOTA, dass wir unbedingt neue Teams anlocken müssen. Daraufhin bekamen wir die Antwort, dass man sich um Garantien der fünf Hersteller bis 2012 bemühen wolle. Bis heute haben wir keine Garantien auf dem Tisch. Wir waren gezwungen zu handeln. Die einzige Chance, die Formel 1 attraktiv für neue Teams zu machen, ist die Einführung eines Budgetlimits. Wir haben die Teams nach dem 17. März mehrmals zu Diskussionsrunden zu diesem Thema aufgefordert. Alle wurden abgelehnt. Das erste Treffen fand gestern statt. Und was hören wir da: Über ein Budgetlimit wollen wir nicht reden.“

Ferrari spielt mit seiner einstweiligen Verfügung mit dem Feuer. Das Vetorecht, auf das sich Maranello beruft, verstößt gegen jedes Wettbewerbsgesetz der Europäischen Kommission. Inzwischen sind Teams wie Williams, Brawn GP und Force India hellhörig geworden. Sie könnten gegen diese Spezialbehandlung klagen, denn die Tatsache, dass Ferrari Einfluss auf jede Regeländerung hat, ist eine eindeutige Wettbewerbsverzerrung. Mehr noch: Ferrari plädiert weiter für eine offene Meisterschaft ohne Budgetlimit. Damit wird das Budget aus Wettbewerbssicht zu einem differenzierenden Faktor. Das wiederum könnte dazu führen, dass besagte Teams auch gegen den Bonus klagen, den Bernie Ecclestone an Maranello zahlt.

Ferrari: Sonderrechte und mehr Geld

Ferrari bekommt unabhängig von seiner Platzierung in der Meisterschaft rund 50 Millionen Dollar mehr als jedes andere Teams. Eine klarer Verstoß gegen jedes Wettbewerbsgesetz, wenn man dem Budget keine Grenzen setzt. Sollte Ferrari kommende Woche in Paris einen juristischen Sieg erringen, wird die FIA umgehend in Berufung gehen, um dann schwerere Geschütze aufzufahren. Möglicherweise könnte es dann zu einer Selbstanzeige kommen, nach dem Motto: Im Sinne des EU-Rechts war es ein Fehler, Ferrari Extrarechte einzuräumen.

Max Mosley sieht in Ferraris juristischen Aktivitäten aber auch ein gutes Zeichen: „Die Tatsache, dass sie vor Gericht ziehen, beweist, dass sie in der Formel 1 bleiben wollen.“ Der FIA-Präsident will Maranello immer noch die Hand reichen, macht aber eines klar: „ Eine Formel 1 ohne Ferrari wäre weniger wert als eine mit Ferrari. Aber sie würde weiter existieren. Würden wir auf dem Standpunkt stehen, dass es eine Formel 1 ohne Ferrari auf keinen Fall geben kann, würden wir erlauben, dass Ferrari uns und allen anderen Teams die Regeln diktiert. Das kann es nicht sein. Da könnten wir die Verbandsarbeit gleich an Ferrari abgeben.“

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