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F1-Krise

Ruinöser Machtkampf

Foto: dpa 28 Bilder

Wo führt er hin, der Weg der Formel 1? Immer mehr Beobachter im Zirkus fürchten: In den Ruin. Toro Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger klagt: "Hier läuft vieles schief. Jeder kämpft gegen jeden, hat nur sein eigenes Interesse vor Augen."

24.05.2008 Michael Schmidt

Renault-Teamchef Flavio Briatore poltert: "Wir stellen die falschen Fragen. Statt uns um die Verbesserung der Show zu kümmern, reden wir über Hybridantrieb. Das kostet nur Geld, macht die Rennen aber nicht besser." Mercedes-Sportchef Norbert Haug fürchtet: "Irgendwann wird es einem der Hersteller zu bunt. Das könnte eine Lawine auslösen." Und Frank Williams stöhnt: "Statt zu sparen, wird alles nur teurer."

Die Formel 1 kostet zuviel Geld, aber keiner hat eine konsensfähige Lösung für das Problem. Hersteller wie Honda, Toyota und BMW setzen die von der FIA geforderten Budgetgrenzen so hoch an, dass praktisch nichts gespart wird. Sie fürchten, dass sie bei geringerem Aufwand von den Teams geschlagen werden, die immer knapp kalkulieren mussten. Toro Rosso-Chef Berger hätte die Obergrenze gerne auf 60 Millionen Euro gesenkt.

Frank Williams müsste als Besitzer eines Privatteams eigentlich genauso denken, doch er will nicht unter 110 Millionen Euro gehen. "Die Einstiegshürde für neue Teams muss hoch bleiben. Die Formel 1 ist die Topliga." Williams kann mit nur zehn Formel 1-Teams gut leben. Das garantiert ihm einen höheren Anteil am Einnahmen-Topf von Bernie Ecclestone.

Mangel an Überholmannövern

Das Überholproblem gibt es seit fast zehn Jahren, doch es ist immer noch da. Erst 2009 soll sich etwas ändern. Viel zu spät. Bis dahin schalten viele Fans vor Langeweile ab. Wenn im Donnerstagstraining von Monte Carlo die Tribünen nicht mal halbvoll sind, sollte man sich Gedanken machen. Auf neuen Strecken wie Istanbul, Bahrain und Malaysia kommen kaum mehr Zuschauer als bei einem Fußball Zweitliga-Spiel.

Dafür stehen traditionelle Grands Prix wie in Deutschland oder Frankreich vor der Pleite. Sie können die immensen Startgelder jenseits von 18 Millionen Dollar nicht mehr bezahlen. In Europa ist aber keine Regierung so wie in China, Malaysia, Bahrain oder der Türkei bereit, mit Subventionen einzuspringen.

Der Skandal um FIA-Präsident Max Mosley setzt der Krise der Formel 1 die Krönung auf. Die Inhaber der kommerziellen Rechte und die Hersteller fürchten einen Imageverlust, wenn Mosley am 3. Juni in seinem Amt bestätigt wird. Öffentlich traut sich das jedoch keiner zu sagen. Aus Angst vor der Rache des Präsidenten. Und keiner hat eine Idee, wer ein guter Nachfolger sein könnte. Vermutlich gibt es auch keinen. Die FIA-Mitglieder, die sich jetzt Hoffnungen machen, haben weder das Fachwissen, noch die Verbindungen, noch die Persönlichkeit, im Minenfeld der Formel 1 zu bestehen. 

Das ist Mosleys Trumpfkarte. Er malt ein Schreckensszenario an die Wand und stellt so die Mitglieder vor die Wahl. Entweder ihr gebt mir meine Stimme, und ich garantiere euch, dass der größte Nettozahler in die Kasse der FIA weiter Geld einspielt. Oder ihr wählt mich ab, und die Formel 1 fällt komplett in die Hände von CVC Capital Partners, dem Inhaber der kommerziellen Rechte.

Verdacht: CVC will Rechte verkaufen

Die Forderung von CVC, den 100-jährigen Vermarktungsvertrag in entscheidenden Punkten zu verändern, war ein Steilpass für Mosley. Vor allem der Wunsch, das Vetorecht der FIA gegen jeden potenziellen Käufer aufzuweichen. Mittlerweile hat sich auch bei der FIA der Verdacht durchgesetzt, dass CVC die Formel 1 verkaufen will, ja dass möglicherweise schon ein Käufer bereitsteht, den die FIA vermutlich ablehnen würde. Es würde auch Sinn ergeben: CVC hat den Kaufpreis in den vergangenen drei Jahren refinanziert und will möglicherweise sein Geschäft abstoßen, bevor der Wert zu stark fällt. Die Aktien sind wegen der vielen ungelösten Probleme ohnehin schon gesunken.


CVC-Chef Donald Mackenzie dementiert, dass seine Firma die Rechte verkaufen wolle. Das Interesse von CVC sei es vielmehr, den Sport wieder attraktiv zu machen und mit einer glaubwürdigen Führungsstruktur zu versehen. Außerdem wolle man bei Regeländerungen, die Auswirkungen auf die kommerziellen Belange haben, wenigstens gefragt werden. Das ist ein klarer Schuss gegen Mosley. Trotzdem muss sich Mackenzie fragen lassen, warum seine Anwälte nicht schon beim Kauf der Rechte im Dezember 2005 das Vetorecht der FIA moniert hatten.

Mosley und Ecclestone spielen Doppelpass

Der Katalog mit Änderungswünschen von CVC war so umfangreich, dass die FIA ihre eigenen Juristen damit beauftragte, das Vertragswerk auf Schwachpunkte und Schlupflöcher hin zu untersuchen. Die Anwaltskosten über 100.000 Euro will die FIA an CVC schicken, was zeigt, wie vergiftet die Stimmung ist. Interessant ist die Rolle, die Bernie Ecclestone dabei spielt. Der Formel 1-Chef sitzt ein bisschen zwischen den Stühlen. Einerseits ist er Angestellter von CVC, andererseits kann er kein Interesse daran haben, dass die Formel 1 an eine unseriöse Adresse gerät. "Machen Sie sich keine Sorgen", sagt Bernie. "Ich habe mehr als die FIA den Finger darauf, an wen verkauft wird." Ecclestone fügt hinzu, dass es keine aktuellen Verkaufsabsichten gebe.

Das kann allerdings auch nur eine politische Aussage sein. Was heißt schon aktuell? Sollte CVC wirklich bereits einen Interessenten an der Hand haben, dann braucht Ecclestone seinen alten Kompagnon Mosley vielleicht noch. Zumindest bis zum Ende von dessen Amtszeit im November 2009. Nur im Zusammenspiel können beide verhindern, dass ihr Spielzeug in falsche Hände gerät.

Eine Stimme aus dem Fahrerlager fasst die unübersichtliche Gefechtslage mit einem Satz zusammen: "Bernie und Max spielen mal wieder Doppelpass, weil sie sich im Augenblick gegenseitig brauchen." Dazu würde auch Ecclestones Antwort auf die Frage passen, was Mosley zu seinem Brief an die FIA-Mitglieder gesagt hat, bei der Ecclestone den FIA-Präsidenten zwischen den Zeilen unter Beschuss nimmt: "Max hat der Brief gefallen."

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