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Formel 1: Reaktion zu Leser-Ideen gegen Langeweile

Die ersten Antworten der Experten

GP Bahrain 2010 Foto: xpb 16 Bilder

auto motor und sport hatte gefragt, Sie haben geantwortet. Was ist das beste Rezept gegen die Langeweile in der Formel 1? Wir haben Ihre Vorschläge mit Sebastian Vettel, Nick Heidfeld und Sauber-Technikchef Willy Rampf diskutiert. Hier die ersten Antworten.

24.03.2010 Michael Schmidt

Das Thema beschäftigt die Fans. Der Saisonauftakt in Bahrain war alles andere als ein Knüller. Unser Aufruf nach Vorschlägen gegen die Langeweile hat für ein großes Echo gesorgt. Mehr als 50 Vorschläge kamen innerhalb kürzester Zeit zusammen. In Kommentaren und in unserem F1-Forum haben die Fans Ideen gesammelt. Wir haben die Zuschriften mit nach Australien genommen und vor Ort mit Sebastian Vettel, Nick Heidfeld und Willy Rampf darüber diskutiert.

Formel 1: GP Australien 2010 2:11 Min.

Knackpunkt Bridgestone-Reifen

Für Vettel sind die Reifen das größere Thema als die Aerodynamik. "Sie müssen wieder mehr Grip liefern." Die störenden Turbulenzen beim Hinterherfahren sind eine Sache, die Einheitsreifen der Saison 2010 eine andere. Bridgestone hat ohne Wettbewerb kein Interesse, in bessere Reifen zu investieren. "Du kannst dich vielleicht mit Müh‘ und Not eine Runde lang im Windschatten halten. Weil du Abtrieb verlierst, rutschst du mehr. Und das ruiniert die Reifen."

Beim Saisonauftakt wurde das Problem deutlich: "Schaut euch Fernando Alonso in Bahrain an. Er hat einmal in einer Runde eine Sekunde auf mich gutgemacht. Die nächste Runde musste er schon wieder zurückstecken, weil der Reifen nach einer Runde Attacke nachgelassen hat. Wir brauchen Reifen, mit denen man wenigstens drei, vier Runden am Stück volle Pulle fahren kann. Wenn ich meinem Gegner im Getriebe sitze, macht der vielleicht einen Fehler. Mit den heutigen Autos musst du Abstand halten. Da kommt keiner unter Druck."

Keine Spannung am Start
 
In Bahrain fiel außerdem auf, dass praktisch alle Starts perfekt waren. Im vorderen Feld haben nur Felipe Massa und Mark Webber je einen Platz verloren. Die Technik, die es erlaubt, die Kupplungen schleifen zu lassen, macht es fast unmöglich, den Start zu versieben. Die aktuellen Kupplungen nur mit der Hand zu bedienen hält Vettel für nicht machbar. "Wenn es da nicht technische Hilfestellung gäbe, würden das die Kupplungen nicht aushalten." Konsequenz: Man müsste zurück zu den klassischen Rennkupplungen, die wie ein Schalter funktionierten. Die Kupplung war entweder geschlossen oder getrennt. Schleifen gab es nicht. Da war ein guter Start ein Kunststück.
 
Wie Vettel sieht auch Nick Heidfeld sieht den Reifen als Hauptproblem. "Über die Aerodynamik reden wir schon seit Jahren", antwortet er auf die Kritik der Leser, "der Schritt vom vergangenen auf dieses Jahr hat die Probleme sicher noch verschlimmert, aber das ist für mich nicht der Hauptgrund, warum das Rennen in Bahrain nicht der Hit war. Die Reifen müssen besser werden. Es geht nicht, dass sie gleich einbrechen, wenn man einmal richtig Druck macht."

WTCC-Format, Abkürzungen, Telemetrieverbot...

Künstliche Spannungsmacher wie vorgeschriebene Boxenstopps hält der Mercedes-Testpilot generell für fragwürdig. Heidfelds Gegenvorschlag deckt sich mit vielen Ideen der Leser: "Wenn es weichere Reifen gäbe, die mehr Grip produzieren, dann kommen die Boxenstopps von alleine. Die weichen Reifen würden nicht so lange halten, und man müsste gezwungenermaßen zwei Mal an die Box. Abhängig davon wie lange der Reifen durchhält."
 
Vorschläge wie ein Telemetrieverbot findet Heidfeld zwar interessant, aber wahrscheinlich nicht praktikabel: "Da spielen die Teams bestimmt nicht mit." Auch ein Rennformat wie in der WTCC mit zwei Rennen am Wochenende hält er für zu viel Show um der Show willen. "Da werden irgendwann auch so Vorschläge wie der von Bernie Ecclestone mit den Abkürzungen ausprobiert."

Fahrer tricksen Reglement aus

Ingenieure sehen das Thema in der Regel weniger emotional. Und sie wollen sich in ihrem Hoheitsgebiet möglichst wenig dreinreden lassen. Sauber-Technikchef Willy Rampf sieht den Fall zunächst einmal pragmatisch: "Die schnellen Autos starten vorn, keiner fällt mehr aus, die Fahrer machen keine Fehler mehr, wie soll sich da im Rennen etwas ändern?" Aber hat man deshalb nicht Tankstopps verboten, um auf diese Weise zwei Disziplinen zu schaffen, die Qualifikation mit möglichst leichten Autos und der Rennbeginn mit einem vollgetankten Fahrzeug?
 
Rampf gibt zu, dass man sich bei diesem Denkansatz gründlich getäuscht hat: "Wir haben alle geglaubt, dass die Reifen in der Anfangsphase einbrechen, wenn es die Fahrer übertreiben, und dass sich daraus Unterschiede ergeben. Aber die fahren eben entsprechend langsamer. Deshalb überleben auch die Reifen."

Doppeldiffusor torpediert leichtes Überholen

Der gemeinsame Nenner der Leserzuschriften lautet: weniger Abtrieb, mehr mechanischer Grip. Das würde auch Rampf unterschreiben: "Mit weniger Abtrieb würden die Bremswege länger, was das Überholen erleichtern würde." Der oft geäußerte Einwand, dass mit Bremsscheiben aus Stahl statt aus Karbon alles besser würde, ist laut Rampf Unsinn: "Das Material der Bremsscheibe spielt keine Rolle. Man bringt auch mit Stahlscheiben kurze Bremswege hin. Der begrenzende Faktor ist nicht die Bremsscheibe, sondern das, was der Reifen auf die Straße übertragen kann. Und das wiederum ist vom Anpressdruck abhängig."

Ein flacher Diffusor würde nach Meinung von Rampf schon viel helfen. "Das Problem mit den Doppeldiffusoren ist, dass damit hinter dem Auto viel mehr Luft nach oben beschleunigt wird, was sich ungünstig auf das nachfolgende Fahrzeug auswirkt. Genau das wollte man mit der letztjährigen Diffusorregelung  und den breiten Frontflügeln, die sehr weit außen Bereiches Luft aufgreifen, verhindern. Da hat die Zulassung des Doppeldiffusors dem Zweck der Regelung einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Das waren erste Reaktionen zum Thema "Rezept gegen die Langeweile". Wir bleiben an dem Thema dran.

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