Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Lückenfüller auf Abruf

Ferrari ohne Testfahrer

Bianchi & Massa Foto: Daniel Reinhard 49 Bilder

Der Job des Testfahrers ist in Zeiten der Testrestriktionen nicht mehr attraktiv. Der Trend bei den Top-Teams geht dazu, den Ersatzmann komplett zu sparen. Ferrari hat gar keinen, Mercedes nur eine Teilzeitkraft. Die kleinen Teams sehen den Ersatzpiloten als Einnahmequelle.

14.03.2012 Michael Schmidt

Pedro de la Rosa war frustriert. So sehr, dass er seine sichere Anstellung als Test- und Ersatzpilot bei McLaren aufgegebenen und gegen einen Stammplatz bei HRT eingetauscht hat. "Ich wollte noch einmal richtige Rennen fahren. Als Ersatzfahrer sitzt du heute bei den großen Teams nur noch im Simulator."

Sebastien Buemi, der neue Ersatzfahrer von Red Bull und Toro Rosso, bestätigt: "Ich habe schon unzählige Renndistanzen im Simulator abgespult. Aber außer bei einem Filmtag noch keine Kilometer im Auto."

Vom Testfahrer zur Stammkraft

Früher war der Beruf Testfahrer ein Sprungbrett zur großen Karriere. Damon Hill, David Coulthard oder Robert Kubica sind auf diesem Weg zum Stammfahrer aufgerückt. Auch Sebastian Vettel und Heikki Kovalainen, wenn man es genau nimmt.

Felipe Massa, Fernando Alonso und Nico Hülkenberg haben als Testpilot ein Jahr ihrer Karriere überbrückt, in dem es keine Fahrgelegenheit für sie gab. Pedro de la Rosa, Alexander Wurz oder Olivier Panis wurden Edeltester genannt, weil sie abseits der Grand Prix mehrere Erdumrundungen in einem Formel 1-Auto abgespult haben.

Doch bei nur 15 Testtagen im Jahr ist der Beruf des Test- und Ersatzfahrers nicht mehr attraktiv. Speziell bei den Top-Teams nicht. Die 15 Tage sind in der Regel für die Stammpiloten reserviert. Die Nummer drei schaut zu. Oder sitzt im Simulator.

Ferrari 2012 ohne Testfahrer

Ferrari hat in diesem Jahr gar keinen Ersatzfahrer angestellt. Und was passiert, wenn Fernando Alonso oder Felipe Massa bei einem Grand Prix krank werden? Antwort aus Maranello: "Dann nehmen wir uns einen der Piloten, die im Fahrerlager rumlaufen. Sauber hat es im letzten Jahr vorgemacht. Da fiel Sergio Perez in Montreal kurzfristig aus. Pedro de la Rosa war vor Ort und sofort einsetzbar."

Der wahrscheinlichste Notnagel für Ferrari wäre Esteban Gutierrez. Die Nummer drei von Sauber ist meistens vor Ort. Adrian Sutil wäre gut beraten, mit Helm und Overall zu den Grand Prix zu reisen. Vielleicht ergibt sich zufällig eine Chance.

Mercedes verzichtet auf Full-Time-Tester

Auch Mercedes könnte dann und wann ein Problem bekommen. Testfahrer Sam Bird kann nicht zu allen Grand Prix reisen. Der Engländer konzentriert sich auf seine Einsätze in der Renault-Weltserie. Sportchef Norbert Haug meint: "Es macht bei den Testbeschränkungen wenig Sinn, einen Fulltime-Testpiloten mit Erfahrung zu bezahlen. Wir können auf Sam Bird zurückgreifen, wenn wir ihn brauchen."

Der Sechste der GP2-Serie kennt die Formel 1 nur von den Testfahrten in Abu Dhabi. Auch McLaren hat in diesem Jahr zwei Testpiloten angestellt, die nie einen Grand Prix gefahren sind. Auf dem Papier sind Gary Paffett und Oliver Turvey die Ersatzpiloten. Sollte Hamilton oder Button in Melbourne ausfallen, stünde Paffett bereit. Danach gilt folgende Regel: McLaren leiht sich De la Rosa von HRT aus.

Buemi mit doppelter Chance

Red Bull und Toro Rosso teilen sich einen Testfahrer. Es ist unwahrscheinlich, dass in beiden Teams gleichzeitig eine Vakanz auftritt. Für Sebastien Buemi verdoppeln sich damit die Chancen, einmal einspringen zu müssen, sollte Not am Mann sein.

Der Schweizer wäre nach drei Jahren Formel 1 im Gegensatz zum Angebot von Mercedes und McLaren ein vollwertiger Ersatz. Bei Lotus profitierte Jérôme d‘Ambrosio davon, dass er zum Genii-Fahrerpool zählt. Der Belgier kennt nach einer Saison bei Virgin wenigstens alle Rennstrecken.

Gute Aufstiegschancen bei Force India

Force India bleibt seinem System treu. Der dritte Fahrer darf bei den meistens Freitagstrainings ein Mal ans Steuer. Das soll den Stammpiloten Beine machen, dem Team ein drittes Feedback geben und eine Alternative aufbauen, sollte einer der Stammiloten am Ende des Jahres den Rennstall verlassen.

Für Jules Bianchi war der Testfahrerjob bei Force India lohnender als bei Ferrari auf der Auswechselbank zu versauern. So saß er bei den Testfahrten in Jerez wenigstens schon mal einen Tag im Auto. Auch Williams lässt die Nummer drei ins Cockpit. Waltteri Bottas hat bereits einen Testtag abgespult, und dem Finnen sind 14 Trainingssitzungen am Freitag garantiert.

Für die drei kleinen Teams im Feld ist der Ersatzpilot eine willkommene Einnahmequelle. Giedo van der Garde muss als Nummer drei bei Lotus genauso Sponsorgeld abliefern wie die Spanierin Maria de Villota bei Marussia und Dani Clos bei HRT. Da fährt die Hoffnung mit, vielleicht doch einmal bei einem Grand Prix voll zum Einsatz zu kommen. So wie Karun Chandhok im letzten Jahr bei Team Lotus am Nürburgring.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden