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Formel 1 mit Stärken und Schwächen

Sound etwas lauter wäre schön

Valtteri Bottas - Williams - Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Australien - 16. März 2014 Foto: xpb 43 Bilder

Das erste Rennen der neuen Formel 1 ist gelaufen. Was war gut, was schlecht? Wir haben die 57 Runden von Melbourne genau angeschaut und nach Stärken und Schwächen gesucht. Fazit: Das war noch nicht das Gelbe vom Ei, aber es ist Potenzial für Verbesserungen vorhanden.

19.03.2014 Michael Schmidt

Selten war die Spannung vor einem Grand Prix so groß. Selbst alte Hasen wie Niki Lauda, Alan Jones, Martin Brundle, Marc Surer oder Christian Danner waren vor dem Start zum GP Australien gespannt, was die neue Formel 1 zu bieten hat. Gibt es ein Ausfallchaos? Eine Schleichfahrt um Sprit zu sparen? Oder eine Welle von Protesten und Disqualifikationen?
 
Eine Frage schien keinen zu interessieren: Wer gewinnt das Rennen? Es war nach dem Training sowieso schon ziemlich klar. Einer der beiden Mercedes. So wie man 2013 getrost auf Red Bull und Sebastian Vettel tippen konnte. Es hat sich also nichts geändert. Nur die Farbe des Siegers.

Viel Action in der Startrunde

Die Startrunde war chaotisch. Marc Surer meinte: "Du wusstest gar nicht, wo du zuerst hinschauen solltest." Es krachte in der ersten und der dritten Kurve. Was auch daran lag, dass einige Fahrer im Feld mit technischen Problemen kämpften und deshalb langsamer waren als sonst. Bei Lewis Hamilton und Sebastian Vettel liefen die Motoren nicht auf allen Zylindern. Fernando Alonso und Adrian Sutil hatten keine Elektro-Power.
 
Die Geschwindigkeitsunterschiede sorgten im Feld für Konfusion und Platzverschiebungen. Bei Kamui Kobayashi versagten die hinteren Bremsen. Deshalb rempelte er erst Kimi Räikkönen an und torpedierte dann Felipe Massa ins Aus.
 
Hier müssen wir gleich den ersten positiven Aspekt der neuen Formel 1 erwähnen. Keiner von uns mag die hässlichen Nasen. Doch bei Kobayashi haben sie den Dienst getan, den sie tun sollten. Der Caterham schob sich unter den Williams und blieb am Boden.
 
"Früher wäre der meterhoch durch die Luft geflogen", warf Marc Surer ein. So wie Ralf Schumacher im Jahr 2002, als er an der gleichen Stelle am Ferrari von Rubens Barrichello hochstieg und mit einem Riesensatz Richtung Kiesbett hechtete.

Weniger Defekte als befürchtet

Aus der befürchteten Ausfall-Flut wurde nichts. 13 von 22 Autos kamen ins Ziel. Jules Bianchi verpasste nur knapp mit 8 Runden Rückstand den Platz in der Wertung. Nur fünf Autos strandeten mit einem Defekt. Die komplizierteste Technik aller Zeiten ist in diesem so frühen Stadium schon erstaunlich standfest.

Der Rekord vom GP Monaco 1966 bleibt bestehen. Damals kamen vier Autos ins Ziel. Ein paar Ausfälle mehr als in der Vergangenheit tun dem Sport übrigens nicht schlecht. Das hilft dem Überraschungsfaktor. Der hat der Formel 1 in den letzten Jahren gefehlt. Autos und Motoren hatten ja fast schon Serienreife.

Etwas lauterer Formel 1-Sound wäre schön

Der Sound stand in der Kritik. Das ist Ansichtssache. Wer länger dabei ist, mag es lieber ruhiger. Doch dass die Geräuschkulisse vergangener V8, V10 oder gar V12 ihren Reiz hatte, ist unbestritten (hier der neue Sound im Vergleich mit dem alten im >> YouTube-Video). Es wäre jedoch schade, wenn dies der alleinige Grund wäre, warum die Fans zu einem Rennen kommen. Dann hätte der Sport etwas grundlegend falsch gemacht. Er muss zu allererst spannende Rennen liefern, interessante Technik zeigen, coole Fahrer Typen hervorbringen und mehr Einblick hinter die Kulissen geben.

Bevor Sie den Sound kritisieren, sollten Sie lieber die Marketingabteilungen der Teams unter Beschuss nehmen. Die sorgen nämlich dafür, dass außerhalb des Cockpits nur noch Langeweile herrscht. Lesen Sie nur mal eine der Pressemitteilungen durch. Dann kommt Ihnen das Geräusch der V6-Turbos wie ein Donnerhall vor.

Keine Spritsorgen in Melbourne

Keiner hat von außen spürbar Sprit gespart. Okay, es gab eine Runde weniger und vier Runden lang bestimmte das Safety-Car das Tempo. Aber Australien war auch die schlimmste Prüfung im Jahr. Und für die Teams war es eine Fahrt ins Ungewisse. Da spielte noch Vorsicht mit.

"Wir sind eine Null-Risiko-Strategie gefahren und hatten im Ziel bei Bottas noch richtig Sprit im Tank", berichtete Pat Symonds. Man kann also nicht behaupten, dass der GP Australien ein Economy Run war. Er dauerte bei einer Runde weniger knapp drei Minuten länger als letztes Jahr. Doch die Runde weniger wird durch die vier Safety-Car-Runden mehr als kompensiert. Da wird mit Rundenzeit von 2.20 Minuten statt 1.35 Minuten gefahren.

Pirelli baut zu gute Reifen

Ein ganz klarer Kritikpunkt ist das Überholen. Es ist nach Meinung fast aller Piloten schwieriger geworden, obwohl der Heckflügel mehr öffnen darf. Fernando Alonso war nach eigener Aussage eineinhalb Sekunden schneller als Hülkenberg und kam trotzdem nicht vorbei.

Das hat mehrere Gründe. Erstens sind die Reifen zu gut. Kein Witz. Es gibt kaum noch Unterschiede, weil keiner mehr in richtige Reifenprobleme läuft. Ein bisschen Körnen, das war's. Paul Hembery sagte uns nach dem Rennen: "Der Medium-Reifen hätte zwei Renndistanzen durchgestanden." Schöne heile Pirelli-Welt. Man wünscht sich fast schon die Minutenbrenner vom letzten Jahr zurück.

Neuer Überholknopf nahezu wirkungslos

Dazu kommt, das KERS in den letzten Jahren mehr geholfen hat als ERS heute. Obwohl früher nur 82 PS aus der Elektromaschine kamen und jetzt 160 PS. Doch so einfach darf man nicht rechnen. Die Piloten haben keinen Power-Knopf mehr, der 160 PS schlagartig freigibt. Die Antriebseinheit nutzt die 160 PS so, wie es der Computer programmiert hat. Auf den Geraden bis zur Hälfte.

Das Dumme ist: Das machen alle so. Also kein Unterschied. Wenn der Fahrer überholen will, überschreibt er das System. Einziger Effekt: Die 160 PS gibt es die ganze Gerade lang. Dafür wird auf der nächsten Gerade Elektrokraft gespart. Doch der Verteidiger spielt das Spiel natürlich mit. Alle haben auf den Geraden also annähernd gleich viel Power. Bleibt nur noch DRS als Überholhilfe.

Abstände zwischen den Teams werden schrumpfen

Das Kräfteverhältnis hat sich verschoben, und jetzt zu Beginn der Saison sind die Abstände zwischen den einzelnen Gruppen noch ziemlich groß. Das wird sich ändern. Mercedes kann im Vergleich zur Konkurrenz nur noch marginal zulegen, weil sie ihren Motor schon ziemlich gut im Griff haben.

Mit mehr Erfahrung werden auch Ferrari und Renault aufholen. Dann kommt es wieder aufs Auto an. Das Verfolgerfeld präsentierte sich in Melbourne ziemlich dicht gepackt. Der Kampf zwischen Hülkenberg, Alonso, Button, Bottas, Räikkönen, Vergne und Kvyat war sehenswert. Und es waren fünf unterschiedliche Autos daran beteiligt.

Fazit: Geben Sie der neuen Formel noch etwas Zeit, bevor Sie ein endgültiges Urteil fällen. Uns würde trotzdem interessieren, was Sie an der neuen Formel 1 gut oder schlecht finden. Schreiben Sie uns.

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