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F1-Motor aus der Steiermark

Kommt Red Bull mit eigenem Motor?

Red Bull - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 6. Juni 2014 Foto: ams 17 Bilder

Red Bull hat seinem Motorenpartner Renault ein Ultimatum gestellt. Nach dem GP Österreich wird Bilanz gezogen und geprüft, ob der Rückstand zu Mercedes mittelfristig aufholbar ist. Falls nicht, dann steht Plan B bereit. Red Bull denkt ernsthaft über den Bau eines eigenen Motors nach. Angeblich läuft bereits ein Vorbereitungsprogramm.

20.06.2014 Michael Schmidt

Für Red Bull ist das Heimspiel in Österreich das wichtigste Rennen des Jahres. Für Motorenpartner Renault auch. Danach will Red Bull Bilanz ziehen. Teamberater Helmut Marko hatte den Franzosen eine Frist gesetzt: Nach dem GP Österreich muss Renault Farbe bekennen.

Pünktlich zum Ultimatum brachte Benzinlieferant Total neuen Kraftstoff mit. Der Vorteil soll sich im Bereich von 10 PS bewegen. Das wird Renault nicht auf Mercedes-Niveau bringen. Renault-Motorenchef Rob White gibt sich gelassen: "Wir wissen, dass Red Bull hohe Ansprüche an uns stellt, und ich bin mir sicher, dass wir sie erfüllen können."

Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz bestätigte in einem Interview mit der österreichischen "Kleine Zeitung": "Diesen Abschlussbericht wird es geben. Dann wird sich entscheiden, ob es bei dem bestehenden Motor noch Entwicklungspotenzial gibt, oder ob es einer Neuentwicklung bedarf, um den Mercedes-Standard zu erreichen."

Da stellt sich die Frage, was passiert, wenn Renault keine erfolgversprechende Perspektive liefern kann. Dazu Mateschitz: "Alternativen gibt es natürlich immer. Einen Kunden-Motor von Mercedes sehe ich für Red Bull nicht, denn Mercedes will in den nächsten Jahren selbst Weltmeister werden."

Red Bull-Kooperation mit AVL und APC

Die Wahrheit ist: Es gibt keine Alternativen. Mercedes nicht, Ferrari nicht, Honda nicht. BMW ist für ein Comeback offenbar nicht bereit, weil der Vorstand dann erklären müsste, warum man die Formel 1 2009 verlassen hat. Und der Volkswagen-Konzern sitzt mit seinen drei Marken VW, Audi und Porsche aus politischen Gründen auf der Wartebank.

Den Plan, Red Bull mit VW zu verheiraten gab es bereits 2009, doch er scheiterte am Veto des großen Vorsitzenden Ferdinand Piëch. Und wie man aus eingeweihten Kreisen hört, wird er solange scheitern, wie Bernie Ecclestone der Chef des Zirkus ist.

Damit bleibt Red Bull nur noch eine Wahl. Ein eigener Motor. Und das ist viel mehr als ein Hirngespinst. Die Vorbereitungen laufen angeblich längst. Bei Red Bull gibt man sich zu dem Thema noch zugeknöpft. Marko hält sich verbal alle Türen offen: "Nichts ist ausgeschlossen."

Was sich zunächst anhört wie die größenwahnsinnige Umsetzung eines Kindertraums, hat bei genauer Betrachtung Hand und Fuß. Red Bulls eigener V6-Turbo wäre eine steirische Co-Produktion mit Zugaben aus Japan. Die Batterien im aktuellen Auto macht Red Bull zum Teil bereits selbst. Da ist Knowhow vorhanden. Die Turbolader im Renault-Motor stammen von APC, einem Ableger von Pankl Racing Systems aus dem steirischen Bruck an der Mur.

Das Triebwerk und die Elektromaschinen würde bei der AVL (Anstalt für Verbrennungskraftmaschinen List) in Graz gebaut. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Antriebssystemen und die dazugehörige Simulation und Prüfmethoden spezialisiert und genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Alle Automobilhersteller sind Kunde bei der AVL. Infiniti wird einen Teil des Budgets beisteuern und möglicherweise Wissen über Elektromotoren vom Mutterkonzern Nissan beisteuern. Geplant ist, dass der Motor auch Infiniti heißt.

Neuer Formel 1-Motor in zwei Jahren machbar

Sollte die Bilanz von Red Bull ergeben, dass man mit Renault auf keinen grünen Zweig kommt, dann wäre ein Einstieg in zwei, spätestens drei Jahren möglich. Rob White meint zu den Vorlaufzeiten: "Honda schafft es in zwei Jahren, aber da steht die Infrastruktur bereits. Wenn man von einem weißen Blatt Papier beginnt, dauert es zwischen drei und vier Jahren. Man kann diesen Prozess abkürzen, wenn man sich mit dem entsprechenden Partner verbündet."

Renaults Motorenchef glaubt nicht, dass man unbedingt einen Automobilkonzern im Rücken haben muss, um die Aufgabe zu bewältigen: "Die Mercedes-Filiale in Brixworth ist ein ziemlich eigenständiger Laden. Und genau genommen ist das auch bei uns in Viry-Chatillon so. Rennmotoren werden fast immer in kleinen Zellen, die dafür spezialisiert sind, entwickelt."

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