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Tauziehen um Motor-Reglement

Nur noch 3 Motoren pro Auto

Motorschaden - Red Bull - Ricciardo - GP Bahrain 2015 Foto: Wilhelm 11 Bilder

Teams, Motorenhersteller und die FIA feilschen um einen Kompromiss beim Motoren-Reglement. Ziel ist es, den V6-Turbo Hybrid zu behalten, die Kosten zu senken und die Regeln zu vereinfachen. Es läuft auf 3 Motoren pro Auto hinaus. Die Token-Regel ist noch umstritten.

10.02.2016 Michael Schmidt

Frist ist der 1. März. Bis dahin muss die Formel 1 ihre Reform des Motoren-Reglements auf den Weg bringen, das dann bis 2020 gelten soll. Die FIA will die Preise für Kunden auf 12 Millionen Euro senken und eine Regel einführen, die die Hersteller zwingt, eine Mindestanzahl an Teams zu beliefern. Die Hersteller wollen ihre Hybridformel behalten und mehr Spielraum bei der Entwicklung.

Prinzipiell widerspricht sich das. Deshalb suchen alle Beteiligten nach dem goldenen Schlüssel. Den Herstellern ist klar geworden, dass sie die Motorenversorgung subventionieren müssen, wenn sie verhindern wollen, dass ein gänzlich neues Motorenformat kommt. Deshalb soll der Preis für den Motor schrittweise sinken.

Motoren-Limit wird 2018 auf 3 gesenkt

Und ab 2018 soll es pro Auto und Fahrer nur noch 3 statt wie jetzt 4 oder 5 Einheiten pro Saison geben. Das würde die Materialkosten für die Hersteller senken und die geringeren Einnahmen zum Teil abfedern. Nur so konnte Ferrari-Chef Sergio Marchionne ins Boot gezogen werden. Ferrari sträubte sich zunächst gegen ein Preisdiktat.

Im Gespräch sind auch Standardteile und Gewichtsbeschränkungen bei Schlüsselkomponenten wie Kolben, Pleuel, Kurbelwellen. Anderseits wollen Mercedes, Ferrari, Renault und Honda genügend technischen Freiraum, um sich in den Kerndisziplinen Verbrennungsmotor, Elektromotor und Energiespeicher zu differenzieren. Alain Prost drückt es so aus: "Die Hersteller wollen ihre technische Kompetenz zeigen können."

Ein Streitpunkt ist dabei die Token-Regel. Eigentlich gefällt sie keinem. Sie ist kompliziert, unverständlich und dient denen als Ausrede, die hinterherfahren und nur mühsam oder gar nicht aufholen.

Das hat sich bis jetzt allerdings als Augenwischerei erwiesen. Die Gegner von Mercedes hatten bis jetzt genug Token zur Verfügung um aufzuholen. Ihnen ist nur nichts eingefallen, sie entsprechend einzusetzen. Renault hat im Vorjahr nicht einmal alle Token eingelöst. Und mit 32 Token, die über den Winter zur Verfügung stehen, baut man einen komplett neuen Motor.

Die FIA hat in diesem Punkt bereits nachgegeben. Die Liste mit den verbotenen Entwicklungsbereichen wurde beerdigt. In diesem Winter dürfen 32 statt wie geplant 25 eingelöst werden. Trotzdem wollen Ferrari, Renault und Honda, dass die Token-Regel ganz verschwindet.

Wegfall der Token-Regeln noch nicht fix

Im Gegensatz zu Beteuerungen einiger Hersteller ist es noch nicht beschlossene Sache, dass dies passiert. Darüber muss erst die Formel 1-Kommission entscheiden. Die Kundenteams spielen aber nur mit, wenn sie schriftliche Garantien haben, dass der Preis für die Motoren dann trotz des zu erwartenden Wettrüstens nicht doch wieder steigt. Und dass es gleiche Motoren-Spezifikationen für alle gibt.

Auch bei Mercedes wird gebremst. Die Gegner sollen mehr Entwicklungsspielräume bekommen, aber nur wenn sichergestellt ist, dass der Entwicklungswettlauf dann nicht ausufert und unvertretbare Kosten produziert.

Eine Möglichkeit wäre eine Beschränkung an Prüfstandsläufen nach dem Vorbild der Windkanalrestriktionen. Die Ingenieure wären im Geiste frei, könnten aber nicht beliebig viele Motorenvarianten nach dem Gießkannen-Prinzip bauen, um sie am Prüfstand auszuprobieren. Damit blieben die Kosten im Griff.

Noch keine Alternative für Startplatzstrafen

Ein weiterer Streitpunkt sind die Startplatzstrafen. Sie sorgen bei den Fans für Verwirrung. Einige Teams würden sie gerne abschaffen. Doch bis jetzt ist noch keine Alternativlösung gefunden. Der Vorschlag, dass Autos keine Punkte für die Konstrukteurs-WM mehr einfahren können, die mit ihrem Motor das Kontingent überschritten haben, wird von der Mehrheit der Teams abgelehnt. Weil es WM-Positionen und damit Geld kosten kann. Und weil sich Honda und Renault dann in ihrer Aufholjagd gebremst fühlen.

Würde gleichzeitig die Token-Regel aufgehoben, besteht die Gefahr, dass einer akzeptiert immer von hinten zu starten, dafür aber bei jedem Rennen einen neuen Motor mit neuen Entwicklungen bringt. Also: Strafe muss sein. Die Kernfrage ist, ob es eine Alternative gibt.

Eines ist klar: Mit dem Fortbestand der Hybrid-Regel ist ausgeschlossen, dass ein unabhängiger Hersteller auf den Markt kommt. FIA-Präsident Jean Todt will die Autokonzerne nicht vergraulen. Bernie Ecclestone muss die bittere Pille schlucken, dass er weiter von den Herstellern abhängig ist. Er wird versuchen, auf einem anderen Schlachtfeld einen Sieg zu landen.

Ecclestone verlangt, dass die Bedienung der Motoren einfacher wird, so dass der Fahrer keine Hilfe mehr von der Box braucht. Da gibt ihm auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff Recht: "Die Verantwortung, die Systeme abzurufen, muss mehr beim Fahrer liegen. Zum Beispiel, dass der Fahrer entscheidet, wann wie viel Leistung abgerufen wird, mit dem Risiko, dass er den ein oder anderen Fehler begeht. Das bringt auch mehr Variabilität ins Spiel. Die MotoGP hat da gute Ansätze. Weil im Rennen alles vom Fahrer abhängt."

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