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Drohen Vettel Motorschäden?

Motortrick-Verbot trifft Renault hart

Sebastian Vettel GP Monaco 2011 Foto: Red Bull 18 Bilder

Sollte die FIA die strittigen Motoreinstellungen zum konstanten Anblasen des Diffusors verbieten, werden die Renault-Teams besonders hart getroffen. Experten befürchten ein schlechteres Ansprechverhalten und Probleme mit der Zuverlässigkeit.

03.06.2011 Michael Schmidt

Es begann mit einem Brief von Frank Williams an die FIA. Der Rollstuhl-General verlangte eine Klarstellung der Regeln in Bezug auf bestimmte Motorkennfelder, die Auspuffgase produzieren, obwohl der Fahrer vom Gas geht. Ein konstanter Auspuffstrahl unterstützt die Strömung. Beim Design des Diffusors bauen die Ingenieure auf die künstliche Anblasung. Die Aerodynamiker bestimmen nun, wo der Auspuff mündet.

Bei Renault endet er am vorderen Ende der Seitenkästen, bei Mercedes auf halber Höhe. Red Bull zielt mit den Gasen in die Spalte zwischen Hinterräder und Boden, um einerseits die Strömung im Diffusor zu unterstützen, andererseits den Diffusor gegen seitliche Einströmung abzudichten. McLaren, Ferrari, Sauber, Force India, Williams und Virgin haben die Red Bull-Lösung kopiert.

Heißes Anblasen bringt acht Zehntel

Die Experten unterscheiden zwischen kaltem und heißem Anblasen. Bei "kalt" wird im Schleppbetrieb nur Luft durch die Brennräume gepumpt. Unter "heiß" versteht man zusätzliches Einspritzen von Benzin bei extremer Spätzündung. Das reichert die Energie der Auspuffgase an und verbessert damit die aerodynamische Wirkung.

Renault hat seinen Motor speziell dafür abgestimmt. Cosworth kann nur "kalt" anblasen. Wer nachträglich auf heißes Anblasen umstellen will, muss viel Geld investieren. "Wir haben etliche Motoren auf dem Prüfstand verloren", gibt Mercedes-Sportchef Norbert Haug zu.

Doch der Nutzen rechtfertigt den Aufwand. Heißes Anblasen bringt im Vergleich zur "kalten" Lösung vier Zehntel. Wäre der Auspufftrick gänzlich verboten, gingen bis zu acht Zehntel verloren.

Todt gegen sinnlose Spritverbrennung

Cosworth-Kunde Williams hat die FIA aus gutem Grund auf eine Reglementslücke hingewiesen. Der Fehler liegt in der Definition. Es heißt: Bei null Gaspedalstellung darf null Drehmoment am Motor ankommen. Das Drehmoment wird durch die Verzögerung des Zündzeitpunkts vernichtet. Also legal. Aber nicht im Sinne des Reglements.

"Es wird sinnlos Sprit verbraucht", schimpft FIA-Präsident Jean Todt. Einer hat den Zusatzverbrauch ausgerechnet: sieben Tonnen pro Jahr. Ab dem GP England soll der Spuk aufgrund von Paragraf 3.15 verboten werden. Der Fahrer darf die Aerodynamik des Autos nicht beeinflussen.

Renault und Red Bull besonders betroffen

Die Drosselklappen der Walzenschieber müssen dann analog zur Gaspedalstellung öffnen. Geht der Fahrer vom Gas, kommt vom Auspuff auch keine Unterstützung. Das wird zu Abtriebsschwankungen beim Bremsen und im Halbgasbetrieb führen.

Betroffen sind die Teams, die den Auspufftrick perfektioniert haben: Red Bull und Renault. Sauber-Technikchef James Key ist gelassen: "Wir gehen zu unserer alten Lösung zurück. Wenn der Auspuff nach innen ins Anlasserloch zielt, kann man auf den Trick verzichten."

Drohen Motorschäden bei Renault und Ferrari?

Für Renault und Ferrari wird das Verbot zum Problem, weil auch die Motorcharakteristik massiv davon betroffen ist. Es drohen Motorschäden und Einbußen bei der Fahrbarkeit. Ferrari öffnet die Ventile im Schleppbetrieb, um Druck im Kurbelhaus abzubauen. Renault kühlt mit zusätzlichem Einspritzen die Auslassventile.

Die Spätzündung verbessert das Ansprechverhalten, weil die Brennräume weniger stark auskühlen, wenn der Fahrer vom Gas geht. Renault und Ferrari verwenden anders als Mercedes und Cosworth Drosselklappen statt Walzenschieber. Ohne den Trick leidet beim Gaswechsel die Fahrbarkeit

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