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F1 Motoren-Reglement

Drei Rennen Gnadenfrist

Red Bull RB7 Malaysia 2011 Foto: Daniel Reinhard 18 Bilder

Update ++ Die FIA hat für den 16. Juni eine Diskussionsrunde mit den F1-Teams anberaumt. Das geht aus einem Schreiben von Renndirektor Charlie Whiting hervor. Die oberste Motorsportbehörde will das Anblasen des Diffusors durch Abgase beim Gaswegnehmen verbieten.

18.05.2011 Tobias Grüner

Ob es tatsächlich zu einem Verbot kommen wird, ist derzeit aber noch offen. Die Diskussionsrunde zwischen FIA-Verantwortlichen und der technischen Arbeitsgruppe der Teams soll nach dem Kanada GP am 16. Juni stattfinden. Bis dahin müssen an den Formel 1-Autos keine Veränderungen vorgenommen werden. Den Teams bleiben somit noch drei Rennen Schonfrist.

Seit Red Bull in der vergangenen Saison damit begonnen hat, die Auspuffgase direkt auf den Diffusor zu blasen, arbeiten die Aerodynamiker mit den Motoren-Ingenieuren Hand in Hand. Schnell merkte man, dass die Extraportion Abtrieb im Heck noch konstanter erzeugt werden kann, wenn der Motor auch beim Gaswegnehmen Luft auf den ansteigenden Teil des Hecks pustet.

Zunächst ließen die Teams die Luft einfach nur durch die Brennräume durchlaufen. Seit Saisonbeginn wird auch beim Bremsen gezielt Benzin eingespritzt, um die Strömung zu beschleunigen und die Luft zu erhitzen. Dabei wird zwar mehr Sprit verbraucht, die aerodynamischen Vorteile wiegen den Gewichtsnachteil jedoch auf.

FIA zwingt Teams zum Handeln

Die Tage des genialen Technik-Tricks scheinen allerdings gezählt. Die FIA will der Motoren-Tüftelei einen Riegel vorschieben. Nach dem Rennen in der Türkei hatte der Weltverband die Teams bereits informiert, dass die V8-Aggregate beim Gaswegnehmen nicht mehr mit voller Kraft weiterblasen dürfen. Die Begründung: Der Motor wird zum aerodynamischen Hilfsmittel, der vom Fahrer gesteuert wird. So etwas ist laut Reglement nicht erlaubt.

Die Nachricht vom drohenden Verbot schlug ein wie eine Bombe. Ein McLaren-Ingenieur hatte das gut gehütete Geheimnis als Erster über Twitter gelüftet. Mittlerweile haben einige Teamchefs die Technik-Direktive des Weltverbands bestätigt.

"Das wird alle Teams betreffen", erklärte Mercedes-Teamchef Ross Brawn auf Anfrage von "autosport". "Die Stakkato-Auspuffgeräusche wird man jetzt wohl nicht mehr hören, denke ich. Alle haben ihr Motoren-Management so entwickelt, dass sie einen möglichst großen Vorteil durch den Auspuff bekommen. Die FIA zwingt uns nun in eine andere Richtung."

Soll Red Bull geschwächt werden?

Was genau den Weltverband dazu brachte, die Luftpumpen-Technik zu verbieten, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass einige Teams den Trick besser beherrschen als andere. Renault - mit dem Auspuff vor dem Seitenkasten - und Red Bull - mit dem ausgeklügelsten System im Heck - könnten bei einem Verbot zu den größten Verlierern gehören.

"So etwas ist unvermeidbar und die unglückliche Auswirkung des Erfolgs", antwortet Red Bull-Teamchef Christian Horner auf die Frage, ob eine Beschwerde der Konkurrenz zu der FIA-Entscheidung geführt habe. Da ist es nur wenig Trost, dass laut Horner 90 Prozent des Feldes von der Entscheidung betroffen seien.

Neues Kräfteverhältnis in der Formel 1?

Über die genauen Folgen für die einzelnen Teams kann aktuell nur spekuliert werden. Sollte das Verbot endgültig kommen, lautet die erste Aufgabe für die Ingenieure, die Motoren-Kennfelder umzuprogrammieren. Inwieweit die Aerodynamik an die neuen Bedingungen angepasst werden muss, ist noch nicht klar.

Durch den massiven Eingriff der FIA könnte das Formel 1-Kräfteverhältnis gehörig durcheinander gewirbelt werden. Zwar nutzen mittlerweile fast alle Teams die Auspuffgase als Aero-Hilfe, im Detail unterscheiden sich die Auspufflösungen aber extrem. Für die Saison dürfte also weiter Spannung garantiert sein.

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