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Formel 1 ohne Ecclestone

Bernie droht mit Rückzug

Bernie Ecclestone - GP Monaco 2014 Foto: xpb 41 Bilder

Der Prozess in München läuft gut für Bernie Ecclestone, weil sich Kronzeuge Gerhard Gribkowsky laufend widerspricht. Doch der Formel 1-Boss machte in Monte Carlo erstmals Andeutungen, dass seine Zeit im GP-Sport endlich sein könnte. Das wäre der Kollaps der Formel 1.

23.05.2014 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone kam mit einer ausgewachsenen Erkältung nach Monte Carlo. Direkt aus dem Gerichtssaal in München. Seine Stimme hörte sich an wie nach einer durchzechten Nacht. Und doch hatte der Formel 1-Boss beste Laune. Der Prozess in München läuft gut für Ecclestone. Der 83-jährige Engländer ist dort wegen angeblicher Bestechung angeklagt.
 
Er soll den früheren Bayern LB-Banker Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben, um seine Position als Formel 1-Chef zu sichern und den Verkauf der BLB-Aktien an der Formel 1 an seinen Wunschkandidaten CVC Capitals zu beschleunigen. Die Bayerische Landesbank bekam im Frühjahr 2006 für ihre Anteile die Summe von 837 Millionen Dollar.

Kronzeuge Gribkowsky wenig glaubwürdig

Bei einer Verurteilung drohen Ecclestone bis zu zehn Jahren Haft. Doch nach sechs Prozesstagen sieht es immer unwahrscheinlicher aus, dass die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Bestechung beweisen kann.

Kronzeuge Gerhard Gribkowsky gab bei seiner dreitägigen Befragung ein jämmerliches Bild ab. Er lieferte mehrere Versionen seiner Geschichte ab, konnte sich an entscheidende Details nicht erinnern und widersprach sich. Sowohl der Richter als auch der Staatsanwalt ließen in ihren Äußerungen durchblicken, dass Gribkowsky nicht der glaubwürdigste Zeuge sei.

Briatore, Horner, Montezemolo oder Lauda als Ecclestone-Nachfolger

Wenn Bernie Ecclestone als Sieger aus dem Prozess hervorgeht, dann wäre das nicht nur eine persönliche Rehabilitierung. Es wäre ein Schlag ins Gesicht für all jene, die sich bereits in Stellung gebracht haben, für den Fall, dass CVC seinen Chefbroker fallen lassen muss. Viele Namen wurden für Ecclestones Position gehandelt: Flavio Briatore, Christian Horner, Luca di Montezemolo. Ecclestone brachte noch einen vierten Namen ins Spiel: "Ich habe gehört, Niki Lauda wird für meinen Posten gehandelt."

Bislang antwortete Mr. Formel 1 auf die Frage nach seiner Zukunft immer: "Ich mache den Job, solange man mich will oder tot aus dem Fahrerlager trägt." Jetzt hat Ecclestone seine Diktion geändert: "Wenn mir CVC einen Nachfolger präsentiert, bin ich morgen weg." Der alte Fuchs Ecclestone sagt nichts ohne Grund. Bedeutet die Andeutung, dass Finanzinvestor CVC bereits ohne ihn plant?

Im Kosten-Streit droht Chaos

Der mit 35,1 Prozent größte Anteilseigner der Formel 1, der auch alle Stimmrechte besitzt, wäre schlecht beraten, sich ohne triftigen Grund von seinem Geschäftsführer zu trennen. Die Formel 1 steht gerade vor einer Zerreißprobe. Mehr als die Hälfte der Teams kämpft ums Überleben. Die elf Rennställe streiten gerade darum, wie man die Kosten reduzieren kann und sind dabei in zwei Lager zerfallen.

Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine Budgetdeckelung. Sie schlagen Maßnahmen vor, die die Kosten nur marginal senken. FIA-Präsident Jean Todt hat sie bereits als unzureichend abgelehnt. Der Plan der Großen ist leicht zu durchschauen. Sie wollen nicht sparen, weil der Erfolg Geld kostet. Stattdessen wollen sie die kleinen Teams aushungern und ihnen Kundenautos aufschwatzen.

In dieser existenziellen Frage fällt das Mitsprache-Recht der Teams der Formel 1 auf den Kopf. Weil sie wegen der unterschiedlichen Interessen auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Die Lösung kann nur ein schlechter Kompromiss sein.

Nur mit Ecclestone funktioniert Mitsprache-Recht

Früher hatte Ecclestone seine Schäfchen im Griff. Er hat sie immer auf Linie gebracht, entweder durch Überzeugungskraft, oder weil er sie gegeneinander ausspielte. Nur deshalb hat dieses System 30 Jahre lang funktioniert.

Doch die Prozesse in München, London und New York haben dem Formel 1-Chef viel Zeit geraubt. Die Formel 1 ist für ihn zu einem Nebenkriegsschauplatz geworden. Die Auswirkungen sind schon jetzt zu spüren. Es herrscht Chaos, weil die Teams über den eigenen Tellerrand nicht hinausblicken können. Man sieht es an teilweise absurden Sparvorschlägen.

Weder Briatore, Horner, die Montezemolo noch Lauda könnten in Ecclestones Rolle treten. Ihnen fehlt der uneingeschränkte Respekt im Lager der Teams. CVC spielt nicht nur deshalb mit dem Feuer. Die Veranstalter und TV-Anstalten würden sich nach einem Rückzug von Ecclestone sofort zusammentun und kräftig die Preise drücken. Dann bekämen auch die Teams weniger ab.

Die Teams würden im Umkehrschluss einen höheren Prozentsatz der Einkünfte von CVC fordern, wenn Ecclestone abdanken müsste. Einer im Fahrerlager sprach aus, was viele denken: "Es gab nie einen schlechteren Zeitpunkt, auf Bernie zu verzichten."

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