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F1-Piloten kritisieren neues Reglement

Kritik am beweglichen Heckflügel

Foto: xpb 19 Bilder

Der verstellbare Heckflügel soll 2011 mehr Überholaction ermöglichen. Bei den Fahrern kommt das künstliche Spannungselement allerdings nicht so gut an. Zu kompliziert und zu gefährlich kritisieren Barrichello, Kubica & Kollegen. Außerdem werde das Überholen zu einfach.

24.06.2010 Michael Schmidt, Tobias Grüner

Der justierbare Heckflügel bewegt die Gemüter. Ab 2011 soll der Fahrer, der einem anderen mit weniger als einer Sekunde hinterher fährt, vom Cockpit aus den Heckflügelflap flacher stellen können. Geplant ist das maximale Anheben der vorderen Kante um 50 Millimeter. Die Ingenieure glauben, dass damit der Top-Speed über den Daumen gepeilt um 15 km/h ansteigt. Robert Kubica hatte schon bei Bekanntgabe der FIA-Pläne in Montreal gewarnt: "Dann wird das Überholen kinderleicht. Das Überholmanöver ist schon lange vor Ende der Geraden abgeschlossen, weil sich der Vordermann nicht wehren kann."

FIA will schnell reagieren

FIA-Rennleiter Charlie Whiting hält diese Prognose für zu pessimistisch: "Nach unseren Berechnungen werden die Fahrer, die das obere Heckflügelelement flach stellen, nur um zehn km/h schneller sein, und das auch nur am Ende der Geraden. Der Effekt ist nicht wie bei einem KERS-Schub, wo die volle Extraleistung sofort verfügbar ist, wenn der Fahrer den Knopf drückt." Whiting deutet an, dass man bei Bedarf den Topspeedgewinn begrenzen kann, in dem man die maximale Verstellung reduziert.

Robert Kubica bleibt trotzdem skeptisch: "Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einfach wird, andere Autos zu überholen. Wenn ich mit 15 km/h Überschuss vorbeifahre, gibt mir das keine Befriedigung. Das wäre wie ein Videospiel, wo einer mit einem Turbo- gegen einen Saugmotor antritt. Es bestraft den schnelleren Fahrer, der vorne fährt." Force India-Kollege Adrian Sutil schlägt in die gleiche Kerbe: "Man hat einfach keine Chance, selbst wenn man seinen Platz gut verteidigt. Das Auto dahinter hat schon den Vorteil des Windschattens und wenn der Fahrer dann noch den Flügel flacher stellt, wird er noch einmal zehn km/h schneller. Das ist  mir einfach ein bisschen zu viel."

Sutil kritisiert kompliziertes System

Sutil glaubt, dass das System zu kompliziert ist. Für Fans und Teams: "Es gibt ein Licht im Cockpit. Wenn das leuchtet, darf man den Verstellknopf drücken. Da ist es schwer für die Zuschauer zu kapieren, was da eigentlich abgeht und wie die Regeln sind. Die Fans sehen nur die Autos und dass einer schneller als der andere ist. Man erkennt nicht, ob einer seine Position gut verteidigt oder nicht."

Robert Kubica ist ebenfalls nicht davon überzeugt, dass alles so funktionieren wird, wie es sich die Erfinder des Systems vorstellen. "Der verstellbare Frontflügel hat nicht sein Ziel erreicht. Vielleicht ist es mit dem Heckflügel einfacher. Auf die Ingenieure kommt viel Arbeit zu. Sie müssen bei der Getriebeübersetzung den höheren Top-Speed mit einkalkulieren und den siebten Gang länger übersetzen."

Kubica erwartet Diskussionen

Außerdem warnt der Renault-Pilot vor Missbrauch: "Es muss für den Fahrer schon klar ersichtlich sein, wann er das System benutzen darf und wann nicht. Sonst kommt es hinterher zu Diskussionen, dass einer den Flügel verstellt hat zu einem Zeitpunkt, an dem es vielleicht verboten war."

Auch GP-Oldie Rubens Barrichello weiß noch nicht, ob er der Erfindung trauen soll oder nicht. "Es wird ein Vorteil sein, so wie KERS oder der F-Schacht. Die Frage ist aber, ob es für den Sport gut ist, wenn der Vordermann keine Chance hat, sich zu verteidigen. Wir müssen aufpassen, dass wir dem Hintermann nicht zu viele Vorteile in die Hand spielen." Die Verwirrung der Fans sieht der Brasilianer dagegen nicht so schlimm. "Es interessieren sich doch sowieso nur noch fünf Prozent der Fans für die Details. Der große Rest will einfach nur Überholmanöver sehen. Und die werden sich freuen."

Ist das neue Reglement gefährlich?

Mehr Bedenken hat Barrichello wegen dem Gefahrenpotenzial. "Ein großer Geschwindigkeitsüberschuss kann Unfälle provozieren, wenn der Vordermann nicht aufpasst. Ich bin in Montreal aus der Haarnadel zehn km/h schneller rausgekommen als Alguersuari vor mir. Als ich auf gleicher Höhe war, zog er plötzlich auf meine Seite. Er hat mich da offenbar nicht erwartet."

Adrian Sutil sieht noch einen anderen Gefahrenaspekt: "Es kam bei mir schon öfter vor, dass der Frontflügel sich nicht mehr auf Knopfdruck bewegt hat. Wenn man auf eine Kurve zufährt und keinen Grip hat, ist das nicht lustig. Mit dem Heckflügel kann das Problem noch größer werden, wenn einem auf der Hinterachse plötzlich 150 Kilogramm Abtrieb fehlen."

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