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F1 Reglement 2010

Ferrari-Vertrag zwingt zur Zweiklassengesellschaft

FIA-Logo Foto: dpa 32 Bilder

Die FIA teilt die Formel 1-WM 2010 in eine Zweiklassengesellschaft. Die zweigleisige Lösung mit und ohne Budget-Deckel und unterschiedlichen technischen Freiheiten hat einen juristischen Hintergrund.

04.05.2009 Michael Schmidt

Die Meinungen über die von der FIA geplante Budgetobergrenze von 45 Millionen Euro pro Jahr sind geteilt. Ferrari und McLaren sind strikt dagegen. BMW, Renault und Red Bull können mit einem Budgetlimit leben, halten aber die Grenze für zu niedrig. Williams, Force India und Toro Rosso sind dafür.

Zweigleisiges Reglement

Massive Kritik gibt es jedoch von allen Seiten für die von der FIA angebotene Zweiklassenlösung. Demnach müssen sich die Teams nicht unbedingt an die Budgetgrenze halten. Wer weiter ungehemmt Geld ausgeben will, fährt 2010 nach dem technischen Reglement von 2009. Teams, die sich der Budgetgrenze unterwerfen, bekommen Geschenke: Verstellbare Flügel vorne und hinten, freie Motordrehzahl, unbegrenzte Testfahrten außerhalb der Saison, keine Beschränkungen bei Windkanalversuchen.
 
Die zweigeteilte Formel 1 ist keine Laune oder ein Schnellschuss des Verbandes. Die unglückliche Lösung wurde der FIA juristisch aufgezwungen. Grund ist ein Abkommen zwischen der FIA, Bernie Ecclestone und Ferrari vom 17. Januar 2005. Damals wurden dem italienischen Rennstall Sonderrechte eingeräumt, weil Maranello von der geplanten Herstellerserie absprang und in das Lager der FIA überlief.

Ferrari genießt Sonderrolle

Die Rechteinhaber garantierten Ferrari daraufhin eine Sonderzahlung aus den Einkünften der TV-Gebühren und Startgelder. Ferrari erhält fünf Prozent der Einnahmen, bevor diese an alle Teams verteilt werden. Die Summe, die aus dieser Kasse jährlich nach Maranello fließt, wird auf über 100 Millionen Dollar geschätzt. Kein Wunder, dass Ferrari sich um ein Budgetlimit nicht kümmern muss.
 
Aber auch die FIA beging für den Seitenwechsel von Ferrari einen Kniefall. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo zitiert in seinem Protestbrief an FIA-Chef Max Mosley die entscheidende Passage: "Für unsere Zusage, bis Ende 2012 an der FIA Formel 1-Weltmeisterschaft teilzunehmen, forderte und erhielt Ferrari von der FIA die vertraglich verbriefte Zusage, dass alle Ferrari-Rechte und Verpflichtungen unter dem 1998 geschlossenen Concorde Abkommen bis zum 31. Dezember 2012 genauso gelten, auch dann, wenn dieses Abkommen seine Gültigkeit verliert. Alle zusätzlich aufgenommenen Rechte zugunsten von Ferrari dürfen in keiner Weise abgeändert werden."

Mosley verhindert Ferrari-Veto

Bei den von Montezemolo eingeforderten Verpflichtungen der FIA gegenüber Ferrari handelt es sich um ein Mitspracherecht in allen Reglementfragen. Ferrari konnte jederzeit ein Veto einlegen. Mit Mosleys Einführung der Budgetobergrenze sieht Ferrari diese Rechte verletzt. Montezemolo erklärte unmissverständlich: "Ich glaube nicht, dass Ihr Entscheidungsfindungsprozess mit den Rechten von Ferrari in Einklang zu bringen ist. Mit diesem Brief möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Ferrari auf den vereinbarten Reglementsfindungsprozess und die garantierten Rechte besteht."
 
Max Mosley ist juristisch jedoch mit allen Wassern gewaschen. Nach Ferraris Warnung änderte er kurzfristig seinen Plan, diejenigen Teams zu bestrafen, die sich keinem Budgetlimit unterziehen wollen. Er beließ das Reglement so wie es ist, um Ferrari juristisch keine Angriffsfläche zu bieten. Für Ferrari ändert sich nichts am Reglement. Die Budgetgrenze mit ihren technischen Anreizen ist nach Auffassung der FIA lediglich ein Weg, neue Teams in die Formel 1 zu locken. Da dies im augenblicklichen Umfeld mit Jahresetats jenseits von 200 Millionen Euro nicht möglich sei, musste zur Rettung des Sports eine Sonderregelung für die weniger gut betuchten Teams sowie potenziellen Neueinsteigern geschaffen werden. "Ferrari", so der Präsident, "steht es jederzeit frei, sich dieser Gruppe anzuschließen."

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