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Formel 1-Rennleitung: Weniger Strafen 2010

Politik der ruhigen Hand

Hamilton & Petrov Foto: xpb 63 Bilder

In den letzten Jahren hagelte es in beinahe jedem zweiten Rennen Strafen. Bei den ersten drei Rennen wurde nur eine Verwarnung ausgesprochen. Ohne Einfluss auf das Rennergebnis. Die FIA hat ihre Taktik offenbar geändert. Die Politik der ruhigen Hand findet bei Teilnehmern und Zuschauern Gefallen.

09.04.2010 Michael Schmidt

Der routinierte Formel 1-Zuschauer reibt sich verwundert die Augen. Drei Rennen sind bereits ins Land gegangen, und es gab noch keine einzige Durchfahrts- oder Stop-and-Go-Strafe, noch keine einzige Strafversetzung in der Startaufstellung aufgrund von regelwidrigem Verhalten auf der Rennstrecke. Da stellt sich die Frage: Sind die Fahrer disziplinierter oder die Schiedsrichter milder geworden? Die Antwort darauf: Wahrscheinlich trifft beides zu.

Fall Vettel: Rennleitung beweist Augenmaß

Beim GP Malaysia hätte es gleich zwei Mal Gelegenheit gegeben, nach alter Masche hart durchzugreifen. Der eine Streitfall betraf Sebastian Vettel: Hätten die Sportkommissare die Unnachgiebigkeit und mangelnde Flexibilität früherer Jahre gezeigt, dann hätte der Sieger des GP Malaysia ein ernsthaftes Problem bekommen. Vettel überholte in der letzten Runde (!) den langsam dahinrollenden Lotus von Jarno Trulli vor Kurve 4. Dort signalisierten die Ampeln Gelblicht wegen des am Streckenrand parkenden Ferrari von Fernando Alonso. Vettel musste bei der Rennleitung vorsprechen.

Seine Einlassung, Trulli habe ihn vorbeigewunken, ist zunächst einmal keine ausreichende Ausrede. Doch diesmal machten sich die Sportkommissare die Mühe, die Fakten mit Augenmaß zu bewerten. Trulli fuhr wegen eines Hydraulikproblems Rundenzeiten von 2.11 Minuten und war damit 35 Sekunden langsamer als die Spitze. Er war zum Zeitpunkt des Überholmanövers im ersten Gang. Es wäre unrealistisch gewesen, von Vettel zu verlangen, auf die gleiche Geschwindigkeit abzubremsen und zu warten, bis nach Kurve 4 wieder Grünlicht gezeigt wurde. Er musste davon ausgehen, dass Trulli ein ernsthaftes Problem mit seinem Lotus hatte. Die Telemetrieauswertung des siegreichen Red Bull ergab, dass Vettel den gelben Flaggen sehr wohl Respekt zollte.

Normalerweise war er an besagter Stelle mit Tempo 280 unterwegs. In der letzten Runde ging er aufgrund der unübersichtlichen Situation deutlich vom Gas. Die Telemetrie spuckte 189 km/h aus. Ihn nach alter Strickart zu bestrafen, wäre einer Verfälschung des Rennverlaufes gleichgekommen.

Fall Hamilton: Letzte Warnung der Rennleitung

Der andere Patient der Rennleitung war Lewis Hamilton. Sie erinnern sich bestimmt, wie der McLaren-Pilot kurz nach seinem Überholmanöver an Vitaly Petrov versuchte, den Konter des Russen zu blocken. Hamilton fuhr auf der Zielgeraden Schlangenlinien, um den Renault-Fahrer aus dem Windschatten zu schütteln. Der aber folgte ihm wie ein Schatten. Das Manöver war auch aus Sicht der Sportkommissare grenzwertig. Sie einigten sich schließlich auf den Vorschlag von FIA-Rennleiter Charlie Whiting, dem Engländer nur eine Verwarnung und nicht eine Durchfahrtsstrafe zu verpassen.

Was Hamilton entlastet hat, war die Tatsache, dass er den Spurwechsel nicht deshalb einleitete, um einen Angriff von Petrov abzuwehren. Er agierte, und Petrov reagierte, in dem er ihm im Windschatten folgte. Als der Renault-Pilot am Ende der Zielgeraden seinen Angriff startete, blieb Hamilton auf seiner Spur und gab dem Angreifer die Chance zum Überholmanöver. Die Frage blieb offen, ob das Zickzackfahren vorher Petrovs Chancen eines Angriffs nicht gemindert hat.

Fahrer mit mehr Freiheiten für Mannöver

Offenbar aber hat sich in den Kreisen der Regelhüter die Meinung verfestigt, dass man weniger in das Renngeschehen eingreifen sollte als früher. Um die Fahrer nicht zu demotivieren, sich gegenseitig anzugreifen und zu überholen. Der Zweikampf Hamilton gegen Petrov war, so wie er sich abgespielt hatte, spektakulär. Fast ein bisschen so wie in den alten Tagen, als es gang und gäbe war, den Verfolger aus dem Windschatten abzuschütteln. Die Verwarnung für Hamilton war genau das richtige Maß. Nach dem Motto: Einmal kommst du davon damit, aber kein zweites Mal.

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