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Manor Top, Renault Flop

Ferrari holt zu wenig auf Mercedes auf

Lewis Hamilton - Mercedes - Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Russland 2016 Foto: sutton-images.com 11 Bilder

In Sochi war der erste Vergleich zwischen alten und neuen Autos möglich. Darin zeigt sich, dass der neue Ferrari um 1,8 Sekunden schneller als der alte ist. Das reicht nicht, weil sich Mercedes um 1,7 Sekunden gesteigert hat. Manor machte die größten Fortschritte, Renault gar keinen.

04.05.2016 Michael Schmidt

Gleiche Reifenmischungen, ähnliche hohe Luftdrücke, identisches Wetter. Sochi im April 2016 war fast wie Sochi im Oktober 2015. Selten bot sich eine so gute Vergleichsmöglichkeit zwischen den alten und den neuen Formel 1-Autos. Die Autos haben nach Aussage von Ingenieuren bis zu 10 Prozent Abtrieb zugelegt. Die Motoren zwischen 30 und 40 PS. Das zeigt sich in den Rundenzeiten. Die Pole Position 2016 war um 1,696 Sekunden schneller als im Vorjahr.

Ferrari machte guten Job, Mercedes auch

Wir haben die jeweils schnellsten Runden der einzelnen Teams in den drei Qualifikationsrunden miteinander verglichen. So ergibt sich ein guter Überblick darüber, wer sich über den Winter wie gesteigert hat. Ferrari hatte sich zum Ziel gesetzt, den Rückstand zu Mercedes zu verkürzen. Mit einer Verbesserung von 1,842 Sekunden haben die Ingenieure in Maranello auch einen guten Job gemacht.

Doch ihre Kollegen in Brackley und Brixworth standen ihnen kaum nach. Der Mercedes W07 ist um 1,776 Sekunden schneller als der AMG W06. Netto hat Ferrari also weniger als ein Zehntel auf den großen Rivalen gewonnen. Zu wenig, um Mercedes herauszufordern. Und hier sind die Vergleichsergebnisse im Überblick:

Manor-Mercedes: Das kleinste Team machte den größten Sprung nach vorne. Satte 4,294 Sekunden. Das schloss die Lücke zum Feld. Kein Hexenwerk. Im Heck des neu konstruierten Autos sitzt ein aktueller Mercedes-V6. Im letzten Jahr wohnte ein 2014er Ferrari-Motor in einem provisorisch auf 2015 adaptierten 2014er Chassis.

McLaren-Honda: McLarens Fortschritt von 2.062 Sekunden geht nicht nur auf den MP4-31, sondern auch auf das Konto der Antriebseinheit. Auch wenn das Team mit dem Finger immer noch auf Honda zeigt. Die Japaner wollen deshalb für 2017 einen zweiten Chassispartner. Sie zweifeln mittlerweile an, dass der schwache Topspeed ausschließlich am Motor liegt. Der Verdacht liegt nahe, dass McLaren sich mit dem MP4-31 Abtrieb auf Kosten von Luftwiderstand kauft. So wie Red Bull. Das würde nicht verwundern, denn McLaren-Konstrukteur Peter Prodromou kommt von Red Bull.

Red Bull-Renault: Die Differenz zu 2015 beträgt stolze 1,880 Sekunden. Und das auf einer Motorenstrecke, die Red Bull nicht entgegenkommt. Damit liegt es nahe, dass nicht nur das RB12-Chassis besser geworden ist. "Der Renault-Motor hat sich über den Winter mehr verbessert als wir dachten", gibt Daniel Ricciardo zu.

Ferrari: Der SF16-H hat sein Entwicklungsziel erfüllt. Auto besser, Motor besser. In Summe um 1,842 Sekunden. Doch auf der Motorseite wurden die zusätzlichen Pferdestärken mit hohen Risiken erkauft. Und dass Mercedes auch zugelegt hat, liegt in der Natur des Sports. Das muss Herr Marchionne erst noch lernen. Man hat nur Einfluss auf sich selbst. Nicht auf den Gegner. Der Rückstand 2015 betrug acht Zehntel. Jetzt ist es ein Zehntel weniger. Das passt ins Bild.

Mercedes: Für Mercedes ist es am schwierigsten, noch Rundenzeit wegzufeilen. Dort, wo sich die Titelverteidiger bewegen, ist die Luft schon ganz dünn. Deshalb sind die 1,776 Sekunden Zeitverbesserung das größte Kompliment an den Technikerstab um Paddy Lowe, Aldo Costa und Andy Cowell.

Force India-Mercedes: Das Mittelfeld hat sich neutralisiert. Force India steht in dem Vergleich um 0,033 Sekunden besser da als Toro Rosso, weil die Motorenstrecke Sochi den Mercedes-Kunden favorisiert. Mit mehr Kurven hätte Toro Rosso die Nase vorn. Doch Force India will schon in Barcelona zurückschlagen. Das Aero-Upgrade bringt auf dem Papier eine halbe Sekunde.

Toro Rosso-Ferrari: Der alte Ferrari-Motor hat auf den langen Geraden in Sochi keine Chance gegen die Mercedes-Power. Dass die Truppe aus Faenza mit einem Zeitgewinn von 1.414 Sekunden den Wert von Force India mit 1,447 Sekunden praktisch egalisiert, spricht für die exzellente Arbeit der Mannschaft von James Key. Toro Rosso machte es unter den schwierigsten Umständen möglich. Erst im Dezember fand das erste Briefing mit den Ferrari-Ingenieuren statt.

Williams-Mercedes: 2014 war Williams Dritter hinter Red Bull, aber vor Ferrari. 2015 bestätigte Williams Platz 3. Diesmal hinter Ferrari, aber vor Red Bull. In diesem Jahr liegt das Traditionsteam hinter beiden Gegnern. Man muss sich nur die Verbesserung seit Sochi 2015 anschauen, und weiß warum. 1,376 Sekunden sind im Vergleich zu Red Bull (1,880 s) und Ferrari (1.842 s) zu wenig.

Sauber-Ferrari: Der Fortschritt von nur 0,305 Sekunden ist die Quittung dafür, dass Sauber den C34 praktisch nur weiterentwickelt hat. Oder eines knappen Budgets, das größere Sprünge nicht erlaubt. Vermutlich sind die drei Zehntel alle im neuen Ferrari-Motor versteckt. Bitter für Sauber: Damit wird Manor zum ernsthaften Gegner. Und mit HaasF1 hat man ein Team vor der Nase, das es 2015 noch nicht gab.

Renault: Der R.S.16 ist das einzige Auto, das sich in den letzten 28 Wochen verschlechtert hat. Das muss nicht überraschen. Aus Lotus-Mercedes wurde in nur zwei Monaten ein Renault-Werksauto. Mit allen erdenklichen Kompromissen. Es reicht gerade noch so für Sauber und Manor.

TeamQuali-Zeit 2015Quali-Zeit 2016Differenz
Manor-Mercedes1.43,693 min.1.39,399- 4,294 s
McLaren-Honda1.39,7391.37,701- 2,038 s
Red Bull-Renault1.39,0051.37,125- 1,880 s
Ferrari1.37,9651.36,123- 1.842 s
Mercedes1.37,1131.35,337- 1,776 s
Force India-Mercedes1.38,6591.37,212- 1,447 s
Toro Rosso-Ferrari1.38,9241.37,510- 1,414 s
Williams-Mercedes1.37,9121.36,536- 1,376 s
Sauber-Ferrari1.39,3231.39,018- 0,305 s
Renault*1.38,7541.38,914+ 0,160 s
*Lotus-Mercedes in 2015
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