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F1-Saisonstart

Großer Stau bei den Zulieferern

Pyrosic Auspuff Formel 1 Foto: ams 21 Bilder

In der Testphase vor dem Saisonstart der Formel 1 herrscht Hochbetrieb bei den Teams. Doch nicht nur in den Fabriken gehen die Lichter kaum noch aus. Auch Zulieferer arbeiten am Limit. Die reichen Teams bringen sich mit einer Extrazahlung in der Warteschlange nach vorne.

17.03.2011 Michael Schmidt

Das Wettrüsten der Formel 1 kennt trotz Kostenbremse praktisch keine Grenzen. Zum letzten Test in Barcelona hatten alle Teams mehr oder weniger große Neuentwicklungen im Gepäck. Das bedeutet Nachtschichten in den Fabriken und Engpässe bei Zulieferern.

Kostenbremse zeigt Wirkung

Die freiwillige Kostenbremse der Formel 1 zeigt Wirkung. Und trotzdem lässt sie noch genügend Hinterürchen offenstehen, die von den reichen Teams genutzt werden. Zum Schaden der Kleinen. Die müssen auf den Teilenachschub manchmal länger warten als gedacht.

Bis zum 31. Dezember 2010 durften die Teams praktisch noch ohne Limits entwickeln. Die Personalstärke war festgeschrieben, und das Limit für Fremdleistungen lag bei 40 Millionen Euro pro Jahr. Seit dem 1. Januar gelten neue Bestimmungen. Für den Bau und Einsatz der Autos sind maximal 350 Angestellte gestattet. Die Grenze für Fremdleistungen sank auf 30 Millionen Euro. 

Ferrari, McLaren und Red Bull ziemlich einsilbig

Für die großen Teams bedeutete das Zurückfahren der Ressourcen eine Umstellung. Wer bislang ungehemmt entwickelt hat, muss sich nun ganz genau überlegen, was er zuhause mit limitierter Mannschaft erstellt, und was er auswärts einkauft. Interessanterweise werden die drei großen Teams Ferrari, McLaren und Red Bull ziemlich einsilbig, wenn man ihnen die Frage stellt, um wie viel sie die Belegschaft zurückgefahren haben.

Das nährt den Verdacht, dass man es mit der Beschränkung auf 350 Leute vielleicht doch nicht ganz so genau nimmt und mancher Arbeiter zum Sekretär befördert wird, der offiziell nicht direkt etwas mit den Autos zu tun hat.

Zulieferer rücken in den Fokus

Schwieriger wird es bei den Fremdleistungen. Wer vorher viel außer Haus fertigen ließ, muss nun vermehrt auf Eigenproduktion umstellen oder auf kostspielige Komponenten verzichten. Ferrari gab aus diesem Grund schon im letzten Jahr den Einsatz von Rotationsdämpfern auf. Sie sind um den Faktor vier teurer als konventionelle Dämpfer. Teams, die traditionell viele Teile selbst produziert haben, müssen wegen der 350-Mitarbeiter-Regel jetzt vermehrt auf Zulieferer ausweichen. Zu dieser Gruppe zählt nach Informationen von anderen Teams McLaren.

In Stoßzeiten kommt es bei den Lieferanten zu langen Warteschlangen. So erklärt sich, warum einige Teams trotz der Absage des GP Bahrain und dem damit verbundenen Zeitgewinn nicht pünktlich beim ersten Testtag in Barcelona alle neuen Komponenten ans Auto brachten.

Virgin musste bis zum letzten Testtag warten, bis der neue Heckflügel eintraf. Gleiches gilt für Force India und Lotus. McLaren legte das Testprogramm in weiser Voraussicht so, dass man sich am Donnerstag einen Tag Pause genehmigte, um eine Teilelieferung aus England abzuwarten.

Es fehlt an Kapazitäten

Lotus-Technikchef Mike Gascoyne erklärt, warum die Schlangen bei den Zulieferbetrieben in diesem Jahr besonders lang waren: "In der Finanzkrise sind viele Lieferanten pleite gegangen. Jetzt stehen wir alle bei den übrig gebliebenen an. Die haben in den wirtschaftlich schlechten Jahren ihr Personal abgespeckt. Es fehlt in Zeiten hoher Nachfrage an extra Kapazität, auch weil es heute zwölf statt zehn Teams gibt."

"Ein gutes Beispiel waren unsere Probleme mit dem Wassersystem. Wir hatten acht Teile von einer bestimmten Komponente bestellt, bekamen aber im vereinbarten Zeitraum nur zwei geliefert. Die Firma war einfach überlastet. Uns hat das viel Testzeit gekostet, weil wir warten mussten, bis die neuen Teile eintrafen."

Not macht erfinderisch

Wenn die Not am größten ist, sind die Teams erfinderisch. Die natürliche Reihenfolge der Auslieferung wird nicht immer vom Eingangsdatum der Bestellung bestimmt. "Die großen Teams legen da schnell mal Extraprämien von 100.000 Pfund hin, und da rutschst du als kleines Team in der Warteliste wieder ein paar Plätze zurück", plaudert Gascoyne aus dem Nähkästchen.

Am größten ist das Gedränge derzeit bei einer Firma im französischen Barbery. Sie stellt den Wunderstoff Pyrosic her, eine hitzeresistente Mixtur aus Glas, Keramik, Silicon und Kohlefaser. Sie schützt umliegendes Material bis zu Temperaturen von 1.000 Grad. Seit die Ingenieure die Auspuffgase auf den Diffusor blasen oder sie unter den Boden einleiten, ist Pyrosic gefragt wie nie.

Pyrosic mit Monopolstellung

Der Spezialbetrieb nordöstlich von Paris weiß seine Monopolstellung zu nutzen. Er verkauft den Wunderstoff nicht einfach so, sondern besteht darauf, die Anwendungen selbst zu bauen. Die Teams müssen also Konstruktionszeichnungen einschicken und dann auf die Lieferung aus Frankreich warten.

Wer sich nicht rechtzeitig darum kümmert, muss sich gedulden. Was zur Folge hatte, dass viele Auspuffprojekte mit Verzug realisiert werden können. Die FIA hat mittlerweile klargestellt, dass Pyrosic einzig und allein als Schutz vor Hitzeschäden eingesetzt werden darf. Pläne von Teams, ganze Auspuffendrohre aus dem Stoff zu fertigen, sind damit vom Tisch.   

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