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F1-Stammtisch mit Berger & Weber

Berger: "Mission Impossible" für Schumacher

Gerhard Berger Foto: Red Bull 45 Bilder

auto-motor-und-sport.de traf sich am Jahreswechsel mit Gerhard Berger und Hülkenberg-Manager Willi Weber in Österreich zu einem Motorsport-Stammtisch. Die beiden Formel 1-Experten sprachen mit uns über alle Themen, die die Formel 1-Welt bewegen.

19.01.2011 Michael Schmidt

Wer ist aktuell der beste Formel 1-Fahrer im Feld?
Weber: Alonso. Weil er der konstanteste ist von allen, der am wenigsten Fehler macht, einfach der vollkommenste Formel 1-Fahrer. Sensationell, dass Vettel Weltmeister geworden ist. Er hat aber auch ein paar Fehler gemacht. Wenn er die mal abstellt, dann werde ich meine Meinung revidieren.

Berger: Für mich auch Alonso, das sehe ich so wie der Willi. Dazu kommt bei Fernando noch ein Killerinstinkt, wie ihn kein anderer hat. Hut ab, aber auch vor Vettel, vor allem in dem Alter. Ich sehe das mit den Fehlern nicht ganz so wie Willi. Es waren gar nicht soviele. Da hat sich Alonso im letzten Jahr mehr erlaubt. Der Sebastian hatte mehr technische Probleme, vor allem im Vergleich zu Webber.

Typen wie Alonso oder Hamilton gehen für den Erfolg über Leichen. Hat Vettel auch diese Härte?
Berger: Ja, würde ich schon sagen. Ich habe mit ihm gearbeitet. Der Sebastian macht immer ein freundliches Gesicht, aber hinter dieser Maske kann er ganz schön hart sein.

Weber: Rennfahrer dieser Kategorie müssen die geborenen Egomanen sein. Wenn du im Sport auf irgendetwas Rücksicht nimmst, wirst du nur Zweiter oder Dritter. Da gehört neben Alonso, Hamilton und Vettel auch Kubica dazu.

Und Rosberg?
Berger: Den zähle ich auch in diese Kategorie. Der wird leider unterschätzt.

Ist es das Problem von Michael Schumacher, dass es so viele Kopien von ihm gibt?
Weber: Das Problem von Michael ist, dass er der Formel 1 gezeigt hat, wie man es richtig machen muss. Mit seinem harten Training, mit seinem unwahrscheinlichen Ehrgeiz. Er war der Erste, der am Morgen ins Fahrerlager kam und der Letzte, der ging. Er war nie zufrieden mit sich selbst, er hat sich bis an die Grenzen gequält. Und er hat alles hinterfragt. Das hat alles Spuren hinterlassen. Bei den Fahrern und den Teams. Michael hat Zeichen gesetzt. Damals zum Positiven für ihn. Heute schlägt das zurück. Weil es viele Fahrer gibt, die die gleiche Arbeitsweise an den Tag legen und in der Gesamtheit genauso gut sind. Talent hat sowieso jeder, der in der Formel 1 fährt. Die Abrundung dieses Talents ist die Kunst. Das ist wie eine Kugel. Wenn du da ein Stück rausschlägst, läuft sie nicht mehr rund. Dieses Rundlaufen hat Michael in die Formel 1 gebracht.

Berger: Da muss ich dich korrigieren Willi. Reingebracht hat dieses System und die Härte Ayrton Senna. Er hat uns allen die Augen geöffnet. Wir alle waren Lehrbuben im Vergleich zu ihm. Wer hat zur damaligen Zeit im Training eine Boxeneinfahrt trainiert? Niemand, außer Senna. Wer hat sich im Winter bei 40 Grad Hitze auf die neue Saison vorbereitet? Nur der Senna. Der ist jeden Tag 30 Kilometer bei der Hitze gejoggt. Wir sind ein bisschen im Winter rumgeturnt, und als wir zum Saisonauftakt nach Brasilien gekommen sind, haben wir keine Luft mehr gekriegt, weil es uns zu heiß war.

Weber: Stimmt. Senna war vom Typ her der Erfinder. Deshalb waren sich er und Michael auch so spinnefeind. Die habe sich gesehen und sofort ineinander verliebt.

Berger: Senna hat nach zwei, drei Rennen genau gemerkt: Da kommt einer, der macht es genauso wie ich.

Ist es aus Schumachers Sicht eine unmögliche Mission zu glauben, dass er mit jetzt schon 42 Jahren gegen seine ganzen Kopien bestehen kann?
Berger: Ich würde ganz klar sagen: Das ist eine "Mission Impossible". Der Fahrer, der genauso trainiert, genauso hart arbeitet, auch seit seiner Kindheit Rennen fährt, aber 20 Jahre jünger ist, muss einfach überlegen sein. Schumachers Chance besteht nur darin, so nahe wie möglich dran zu sein und dann seine Erfahrung auszuspielen.

Was spielt das Alter heute noch für eine Rolle? Der Risikofaktor wird ja immer mehr zurückgedrängt.
Berger: Da spielt sich das gleiche ab wie bei jedem normalen Autofahrer, natürlich auf einer anderen Ebene. Man sieht nicht mehr so gut, die Reflexe sind anders, die Einstellung ändert sich. Du gehst bei Dingen vom Gas, da hast du früher gar nicht überlegt. Ich merke es beim Skifahren. Früher bin ich über eine Kante gesprungen, ohne zu wissen was dahinter kommt. Da habe ich mir in der Luft überlegt, was ich mache, wenn da etwas Unerwartetes auftaucht. Wenn du älter wirst, schaust du dir die Stelle erstmal an, bevor du mit Vollgas drüberspringst. Als Rennfahrer denkst du genauso. Ich habe beim GP Italien in Monza früher immer im Hotel Fossati ganz oben unter dem Dach gewohnt. Als ich noch jung war und am Morgen gehört habe, dass der Regen aufs Dach trommelt, da habe ich mich gefreut. Das ist meine Chance, habe ich gedacht. Am Ende meiner Karriere habe ich bei dem Regengeräusch auf dem Dach schon nicht mehr richtig schlafen können. Das letzte was ich wollte, war Regen in Monza.

Lesen Sie am Donnerstag (20.1.) im dritten und letzten Teil des F1-Stammtisches: Ist der Vierzylinder-Motor der richtige Weg in der Formel 1? Sollte VW in die Königsklasse einsteigen? Und warum gibt es nur einen Adrian Newey?

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