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Formel 1-Stammtisch mit Berger & Weber - Teil 1

Weber: Virgin-Angebot für Hülkenberg

Berger & Weber Foto: Benoit 45 Bilder

auto motor und sport.de traf sich am Jahreswechsel mit Gerhard Berger und Hülkenberg-Manager Willi Weber in Österreich zu einem Motorsport-Stammtisch. Die beiden Formel 1-Experten sprachen mit uns über alle Themen, die die Formel 1-Welt bewegen.

18.01.2011 Michael Schmidt

Wer ist der beste Fahrer im Feld?
Weber: Ich will drei Namen nennen. Wenn alles rund läuft, sind das Alonso, Hamilton und Vettel.

Würden Sie einen der drei managen wollen?
Webber: Natürlich Vettel. Jetzt braucht er einen Manager mehr denn je, denn jetzt muss er seinen Erfolg verkaufen. Es geht um das Geld, was er außerhalb des Cockpits verdienen kann.

Vettel wird sich sagen: Eine Manager kostet mich 20 Prozent. Ohne kommt unter dem Strich das Gleiche raus.
Weber: Das hat der Gerhard auch mal gedacht und am Ende gemerkt, dass es falsch ist.

Berger: Ich kann mich noch genau erinnern. Der Willi hat mich 1982 angerufen. Er hatte zu der Zeit ein Formel 3-Team und fragte mich, ob ich Interesse hätte, dass er mich managt. Ich habe dem Willi gesagt: Ich brauche keinen Manager. Das Problem mit Managern ist: Es gibt so wenig, die ihr Geschäft verstehen. Man gerät leicht an den falschen. 80 Prozent sind Schaumschläger, 10 Prozent rechnen sich vielleicht gerade so und zehn Prozent sind gut. Es ist die Kunst, einen der letzten zehn Prozent zu finden. Der Willi ist so einer. Das habe ich aber damals nicht gewusst.

Muss sich der Manager um das Image des Fahrers kümmern?
Weber: Man kann schon mit dem Fahrer darüber reden, aber im Endeffekt lässt sich nur Erfolg verkaufen. Ein Fahrer, der permanent hinterherfährt, wird keinen Sponsor finden. Der braucht einen Gönner. Wenn du einen erfolgreichen Fahrer unter Vertrag hast, musst du ein Netzwerk an Verbindungen zur Industrie haben und entscheiden, zu welchem Produkt dein Fahrer passt. Die meisten Firmen nehmen heute lieber ein Tier als einen Menschen als Werbepartner. Motorsport hat da sowieso viel verbrannte Erde hinterlassen. Ich habe 1992 mit Michael Schumacher etwas Neues aufgebaut. Merchandising kannten die meisten noch gar nicht. Die dachten, das sei etwas zum Essen. Es gab zum damaligen Zeitpunkt keinen Fahrer, der dauerhaft eine Kappe aufhatte. Das haben wir erfunden. Damals hätte ich auch zum Gerhard und zum Mansell gehen und ihnen ein Käppi verkaufen sollen. Da hätte ich ein Vermögen verdienen können. Ich nehme vom Fahrer nix. Ich muss erst mal Geld in die Hand nehmen, um ihn zu fördern. Wenn ich dann eine Million finde, und er nur 800.000 dafür kriegt, wo ist da das Problem? Er hat ja nichts dafür getan.

Ihr aktueller Fahrer ist Nico Hülkenberg: Wie geht es mit ihm weiter?
Weber: Wir haben uns Gedanken gemacht und gefragt: Wollen wir ein Jahr pausieren? Aber in der heutigen Zeit bist du schnell vergessen. Weil sich alles so schnell verändert. Deshalb bin ich der Meinung, dass es für Nico besser wäre, präsent zu sein, und zu einem Team zu gehen, wo er wenigstens im Freitagstraining fahren kann. Das wäre die Ideallösung für ihn. So bleibt er am Ball.

Gerüchte sprechen von Force India?
Weber: Bevor nichts offiziell ist, kann ich nichts sagen.

Ist der Job als Ersatzfahrer besser als ein Stammplatz bei Virgin oder Hispania?
Weber: Es muss schon ein Team vom Niveau von Williams sein, wo auch technische Weiterentwicklung stattfindet. Bei den kleinen Teams kann einer wie Nico, der schon eine Formel 1-Saison hinter sich hat, nicht mehr viel lernen. Das Angebot von Virgin war da, was uns sehr gefreut hat, aber zwei Deutsche im Team mit einem Timo Glock, der sich dort schon gut auskennt, da war das Risiko zu groß.

Berger: Der Glock ist ein guter Mann. Da kann man schon mal verlieren. Ich halte aber auch viel von Hülkenberg. Er ist schon in der Formel 3 wahnsinnig konsequent an seinen Job herangegangen. So Vettel- und Schumacher-ähnlich. In der abgelaufenen Saison war ich manchmal etwas enttäuscht, dass er den Barrichello nicht öfter geschlagen hat, aber zum Schluss der Saison hat Hülkenberg mit seiner Pole Position unter schwierigsten Bedingungen gezeigt, dass er das Potenzial hat. Er hat den Speed, er kann mit schwierigen Situationen umgehen, und er ist ein harter Arbeiter.

Weber: Den Barrichello darfst du nicht unterschätzen. Der ist verdammt schnell. Und er hat mehr Erfahrung als alle anderen zusammen. Die meisten haben immer noch den Barrichello aus seiner Ferrari-Zeit im Kopf. Aber wir alle wissen, dass er da nicht immer so durfte wie er wollte.

Aber ist in der Formel 1 nicht etwas faul, wenn ein Fahrer wie Hülkenberg trotz einer Pole Position keinen Stammplatz bekommt?
Berger: Das ist sehr bedenklich. Was immer die Gründe dafür sind. Das war keine Zufalls-Pole in Brasilien, sondern eine, die er herausgefahren hat. Da darf er nicht so zwischen die Stühle fallen. Wahrscheinlich liegt es am Manager, was meinst du Willi?

Weber: Zu dem Thema möchte ich auch etwas sagen. Die Formel 1 muss vorsichtig sein, dass sie keine Zweiklassengesellschaft wird mit 14 echten Fahrern und zehn Paydrivern im Feld. Wenn sich Teams nur noch mit Bezahlfahrern über Wasser halten können, ist etwas faul. Deshalb lehne ich es ab, für ein Cockpit für Nico Geld zu bezahlen. Wenn du das einmal machst, musst du immer Geld bringen. Und zwar immer mehr. So was spricht sich herum. Das hast du schnell ein Image weg. Ich will Leistung verkaufen. Der Junge ist zu gut, um fürs Fahren zu bezahlen.

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Lesen Sie am Mittwoch (19.1.) im zweiten Teil des Formel 1-Stammtischs: Der Vergleich Vettel gegen Alonso und warum Schumacher nicht mehr Weltmeister wird.

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