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F1-Stammtisch mit Berger & Weber (3)

Berger: "VW wäre ein toller Mitspieler"

Weber & Berger Foto: dpa 45 Bilder

auto-motor-und-sport.de traf sich am Jahreswechsel mit Gerhard Berger und Hülkenberg-Manager Willi Weber in Österreich zu einem Motorsport-Stammtisch. Die beiden Formel 1-Experten sprachen mit uns über alle Themen, die die Formel 1-Welt bewegen.

20.01.2011 Michael Schmidt

Geht die Formel 1 mit dem Vierzylinder-Turbo ab 2013 den richtigen Weg?
Berger: Ich habe grundsätzlich die Einstellung, dass ein Formel 1-Auto 1.000 PS haben sollte. Die Aerodynamik spielt im Vergleich zur Motorleistung eine viel zu große Rolle. Dadurch wird die fahrerische Leistung entwertet, weil die Autos wie auf Schienen durch die Kurven fahren. Die Formel 1 ist kein Ritt auf der Kanonenkugel mehr so wie die MotoGP. Trotzdem muss ich sagen: Das Konzept der FIA ist gut. Der Ansatz, dass der Energieverbrauch den Unterschied machen soll, ist in der heutigen Zeit absolut richtig. Umweltfreundliche Technologien sind einfach ein Muss. Ob das jetzt mit vier oder mehr Zylindern passiert, ist eigentlich egal. Am besten wäre es, den Energieverbrauch und die Distanz vorzuschreiben und den ganzen Rest freizugeben. Traurig ist in dieser Diskussion, dass es wie immer in der Formel 1 keine Einigkeit gibt. Wenn der Jean Todt links sagt, sagt der Ecclestone rechts.

Wenn die Aerodynamik eine so große Rolle spielt, ist Red Bull in den nächsten Jahren mit dem Newey-Faktor schwer zu schlagen?
Berger: Ich sehe keine Chance für die anderen. Außer das Reglement ändert sich dramatisch. Newey ist auf dem Gebiet der Aerodynamik einfach das Genie. Es wäre aber besser, wenn das Fahrgenie die entscheidende Rolle spielen würde.

Wenn es heute so viele Schumacher-Kopien gibt, warum gibt es keine Kopien von Adrian Newey?
Weber: Den Newey hat man auch schon oft in Frage gestellt. Als es mal keinen Erfolg gab, haben die Leute gefragt: Hat es der Newey verlernt? Ich glaube das Problem der Formel 1 ist die Inzucht. Die Leute, die in diesem Zirkel drin sind, sind drin. Von außen kommt da nichts rein. Die Teams haben es versäumt, sich die Talente unter den Ingenieuren schon von der Schule raus zu züchten. Bei den Fahrern haben sie es gemacht, bei den Ingenieuren nicht. Was machen sie stattdessen? Sie warten nur darauf, bis Neweys Vertrag ausläuft und bieten noch ein paar Millionen mehr, damit sie ihn wegkaufen können.

Berger: Der Schlüssel zum Erfolg ist heute der Newey. Im richtigen Umfeld, so wie jetzt bei Red Bull. Wenn er nicht die richtigen Leute um sich herum hat, dann ist auch nur halb so viel wert.

Würden Sie heute noch einmal ein Formel 1-Team haben wollen?
Berger: Unter den Voraussetzungen, wie sie die Formel 1 heute bietet nicht. Das kann ich mir nicht leisten. Der Sport ist zu teuer geworden. Du findest auf dem freien Markt nicht das Geld, das du brauchst, um einen guten Job zu machen.

Und wenn ein Hersteller käme?
Berger: Nichts lieber als das.

Müsste man Volkswagen raten in die Formel 1 zu gehen?
Berger: Ein Formel 1-Engagement ist für eine Autofirma immer ein ‚soft factor‘. Das lässt sich für einen Konzern nicht rechnen, weil da so viele Emotionen mitschwingen. Ferrari wird sagen, die Formel 1 ist der Schlüssel für das Geschäft mit unseren Straßenautos. Porsche wird sagen: Wir kommen auch ohne gut über die Runden. Bei Volkswagen finde ich das Thema Formel 1 aus einem Gesichtspunkt interessant. Die oberste Instanz, Herr Piech, ist vom Typ her ein Vollblutracer und ein Vollbluttechniker. Denken Sie nur an seine Le Mans-Vergangenheit. Die Formel 1 passt zu ihm. Wenn der dieses Thema angehen würde, dann würde richtig was vorwärtsgehen. Aus dieser Konstellation heraus wäre VW für die Formel 1 ein toller Mitspieler. Ein so breit gestreuter Automobilkonzern wie VW könnte die Formel 1 auch ganz gut nutzen. Es gibt ja nichts, was die nicht haben auf dem Autosektor. Die Formel 1 würde diese Palette gut abrunden.

Weber: Die Formel 1 ist nicht nur Motorsport. Sie ist die größte Marketingbühne der Welt. Bei der Produktpalette von VW kann man gar nichts Besseres machen als in die Formel 1 zu gehen. Das Risiko ist heute auch beschränkt. Jeder weiß, wie es geht. Der eine ein bisschen besser, der andere weniger. Keiner steigt doch mehr bei Null ein. VW hätte mit seinen Ressourcen und seinen Finanzen auch das Potenzial, die richtigen Leute für so ein Projekt einzukaufen.

Herr Berger, aus Ihrer Erfahrung mit BMW heraus, würden Sie VW dazu raten mit einem eigenen Team zu kommen oder nur den Motorenpartner zu spielen?
Berger: Ganz klar, ein komplettes Team. Alles andere ist weder Fisch noch Fleisch. Bei den Ressourcen, die dieser Konzern hat, bietet sich nur ein Gesamtkonzept an.

Haben BMW, Toyota und Honda mit ihrem Ausstieg einen Fehler gemacht?
Berger: Der Weg von BMW mit einem eigenen Team war schon richtig. Sie hätten vielleicht ein bisschen mehr Ausdauer zeigen sollen. Das Interessante an der Formel 1 ist ja, dass man sich den Titel nicht im Vorbeigehen holt. Es ist eben Knochenarbeit, bis man zum Erfolg kommt. Und da braucht man einen langen Atem. Die Voraussetzungen das zu erreichen, was jetzt Red Bull erreicht hat, hatten alle Hersteller in der Formel 1. Der Grund, warum sie es nicht geschafft haben, war immer, dass ihnen die Geduld gefehlt hat. Didi Mateschitz von Red Bull hat sie gehabt. Er hatte auch schwere Jahre, hat sich aber durchgebissen. Und jetzt wurde er belohnt. Jetzt bekommt er einen Return of Investment, wie er auf kaum einer anderen Bühne zu bekommen ist.

Weber: Es hat noch keinem Unternehmen geschadet, dass es mal nicht gewonnen hat. In der Formel 1 ist schon das Dabeisein alles. BMW ist absolut zu früh ausgestiegen.

Berger: BMW hatte ja noch gar nicht richtig angefangen. Da waren sie schon wieder weg.

Volkswagen müsste aber erst einmal an Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes vorbeikommen. Das kann dauern.
Weber: Das ist doch alles nur ein Rechenspiel. Wenn wir hier fünf Stunden lang pokern, hat irgendwann jeder Mal ein Spiel gewonnen und verloren. Genauso ist es im Sport, wenn man die Voraussetzungen dazu schafft.

Manche glauben, dass sie immer gewinnen müssten.
Berger: Das sind die, die diesen Sport nicht begriffen haben. Die Konkurrenz ist so stark, dass Gewinnen auf Dauer nicht möglich ist.

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