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F1-Stars hautnah

Die Hobbys des Robert Kubica

Robert Kubica Foto: Daniel Reinhard 12 Bilder

Mit dem ersten Sieg in Montreal gelang BMW-Pilot Robert Kubica 2008 der sportliche Durchbruch. Doch auch abseits der Rennstrecke gibt der Pole bei seinen ausgefallenen Hobbys immer 100 Prozent.

03.02.2009 Michael Schmidt

Was machen Formel 1-Fahrer in ihrer Freizeit? Fußballspielen, Mountainbiken, Motorradfahren, Bergsteigen, Playstation spielen. Standardprogramm also. Robert Kubica fällt aus dem Rahmen. Der Pole mit der Alain-Prost-Nase hält sich nicht an das Schema des angepassten GP-Piloten. Dazu ist er zu rebellisch, zu eigenbrötlerisch, zu schrullig.
 
Der Mann, der den Namen von Papst Johannes Paul II. auf dem Helm trägt, liebt Billard. Er spielt Bowling auf Halbprofi-Niveau. Er pokert, weil der Alles-oder-nichts-Charakter des Spiels seinem Naturell entspricht. Und er war 2005 polnischer Meister im virtuellen Rallyefahren. Das Programm hieß "Colin McRae".

Kontrastprogramm zum Rennalltag

Der Reihe nach. Billard verfolgt Kubica am liebsten von der Couch aus. "Schon als Kind habe ich mir auf Eurosport alle Turniere angeschaut. Ich war fasziniert, was die mit der Kugel anstellen. Das ist Kunst. Mir gefällt der Sport, weil er immer so dahinplätschert und schön ruhig ist." Bowling hat sich zu einer ernsthaften Nebentätigkeit entwickelt. Mit eigenen Bowlingkugeln, mit allen Finessen, die der vermeintliche Kneipensport bietet.

"Wie bei den Rennstrecken gibt es von Bahn zu Bahn feine Unterschiede. Auch das Öl, mit dem die Bahn behandelt wird, macht viel aus. Es bestimmt den Drall der Kugel. Die Ölqualität kann die Trefferquote um 50 Prozent erhöhen oder verringern." Aus Spaß wurde Ernst, als er Freunde kennenlernte, die Bowlingbahnen besitzen. "Ich spiele fast jeden freien Tag. Im August habe ich in Italien ein paar kleine Turniere gewonnen. Da treffe ich dann schon mal 300 von 300. Einen Monat davor hatte ich nur 150 geschafft. Um gut zu bowlen, muss man sehr präzise sein. Dazu bin ich zu ungeduldig."

Kubica entfacht Poker-Fieber

Poker dient eher der Ablenkung. Ein kleiner Nervenkitzel, um die ruhigen Momente im Vollgas-Leben zu überbrücken. "Du brauchst kein großes Talent dafür. Zu einem Großteil hängt alles davon ab, welche Karten du kriegst. Oft spiele ich online, um die Langeweile zu vertreiben." Der 24-Jährige aus Krakau hat es geschafft, das halbe Fahrerlager damit zu infizieren.
 
Pokerturniere sind ein fester Bestandteil des GP-Wochenendes geworden, wenn auch nicht vergleichbar mit dem, was in Las Vegas oder dunklen Hinterzimmern gespielt wird. "Bei uns wird kaum geblufft. Das gewinnt erst seinen Reiz, wenn es um große Summen geht. Die Profis schauen gar nicht groß in die Karten. Für die ist das ein Psychokrieg."
 
Kubicas exotischer Freizeit-Mix ist bewusst ein Kontrapunkt zu seinem Vollgas-Leben. "Meine Hobbys sollen mich ablenken. Die Formel 1 ist schnell und laut und ein Teamsport. Poker, Bowling und Billard sind leise, langsam, körperlich nicht anstrengend. Und du bist auf dich allein gestellt."

Chance auf den Titel verspielt

Auf der Rennstrecke ist Robert Kubica ganz und gar nicht leise. Keiner fährt so spektakulär wie der WM-Vierte, und keiner fliegt so selten ab wie er. Mit der geringsten Fehlerquote und einer Saison ohne einen Defekt durfte sich der BMW-Pilot bis zum 17. von 18 Rennen Hoffnungen auf den WM-Titel machen. Nach seinem Sieg in Montreal führte er für 14 Tage die WM-Wertung sogar an.
 
"Wir hatten die Chance. Also hätten wir sie greifen sollen. Wer weiß, ob sie je wieder kommt", bedauert Kubica und nimmt dabei seinen Arbeitgeber in die Pflicht. "Ich habe den 100- prozentigen Einsatz dafür vermisst." Der Montreal-Sieger hätte es lieber gesehen, wenn BMW danach das Entwicklungsprogramm für 2009 zugunsten des 2008er-Autos eine Spur zurückgefahren hätte.

"Bis jetzt hat BMW alle selbstgesteckten Ziele erfüllt. Das Programm ist darauf ausgerichtet, im nächsten Jahr um den Titel mitzufahren. Rennsport lässt sich aber nur schwer planen. Wenn sich die Gelegenheit vorher ergibt, sollte man sie beim Schopf packen." Vielleicht hätte es zu viele Ressourcen für 2009 abgezogen, grübelt Kubica, "aber wir konnten nicht mal das Entwicklungstempo von Ferrari und McLaren halten."

Einzige Schwäche: Emotionalität

Wenn der Pole mit der gerne tief ins Gesicht gezogenen Kappe eine Schwäche hat, dann diese. Er reagiert auf Schwierigkeiten zu emotional, denkt lieber negativ als positiv und baut sich durch allerlei Verschwörungstheorien unnötige Hindernisse auf. Mit der Kritik geht BMW locker um. "Dass er uns die Hölle heiß macht, ist prinzipiell gut. Spitzenfahrer müssen unzufrieden ein."
 
Obwohl Kubica ein Sonderangebot ist, glauben seine Landsleute, dass er wie Fernando Alonso 20 Millionen Dollar und mehr im Jahr verdient. Deshalb spricht er nicht gerne über seine Pokerleidenschaft, weil da schnell der Eindruck entsteht, er würde sein Geld leichtfertig verzocken. "Neider gibt es überall. Für die Polen ist die Formel 1 noch Neuland. Sie müssen erst lernen, den Sport zu verstehen."

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