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F1-Statistik: Durststrecken

Das lange Warten auf Sieger-Pokale

Michael Schumacher Foto: dpa 153 Bilder

In der Formel 1-Saison 2011 gewinnt meistens Red Bull. Das Podest scheint für Red Bull, McLaren und Ferrari reserviert. Für alle anderen heißt das Warten. Warten, bis sich endlich wieder oder zum ersten Mal der Erfolg einstellt. Wir sagen Ihnen, wer am längsten wartet.

06.07.2011 Michael Schmidt

Manche Fahrer warten ewig. Andrea de Cesaris fuhr 208 Grand Prix, gewann aber keinen einzigen davon. 1983 in Spa hatte er seine Chance. Bis sein Alfa-Motor den Geist aufgab. Von den aktuellen Piloten hat Nick Heidfeld die meisten Rennteilnahmen ohne Sieg. Der GP England ist sein 181. Start. Nico Rosberg wird beim GP Ungarn 100 Rennen alt. Auch er wartet noch.

Michael Schumacher kennt das Gefühl des Siegens zur Genüge. Es war einmal Routine für ihn. Doch seit dem 1. Oktober 2006 stand der Rekordweltmeister nicht mehr auf dem Podest. Am kommenden Sonntag ist es 1.743 Tage her, dass Schumacher zum letzten Mal Champagner verspritzen durfte. Da werden Erinnerungen an bessere Zeiten wach. Den GP England gewann der 42-jährige Mercedes-Pilot drei Mal: 1998, 2002 und 2004.

Sein Kumpel Felipe Massa ist seit dem dramatischen WM-Finale 2008 in Brasilien sieglos. Man könnte sagen, dass die knappe WM-Niederlage Massas Moral gebrochen hat. Der Fairness halber sei gesagt: 2009 hatte Ferrari eigentlich kein Auto zum Gewinnen. Dann kam der Unfall von Budapest, und dann Fernando Alonso.

Mercedes-Werksteam wartet seit 1955 auf Sieg

Die Pause, die Schumacher einlegte, ist nichts gegen die Wartezeit seines Rennstalls. Der letzte Sieg eines Silberpfeils datiert vom 11. September 1955. Damals gewann Juan-Manuel Fangio in Monza. Danach zog sich Mercedes für 39 Jahre aus der Formel 1 zurück. Beim Comeback beschränkte sich Mercedes auf die Rolle des Motorenlieferanten. Ein eigenes Team gibt es erst wieder seit 2010.

Wenn man das Lotus-Team von Tony Fernandes als legitimen Nachfolger des Rennstalls von Colin Chapman ansieht, dann muss man bis ins Jahr 1987 zurückblicken, um nach Erfolgen fündig zu werden. Ayrton Senna gewann die Straßenschlacht von Detroit. Am kommenden Sonntag liegt der letzte Lotus-Sieg 8.785 Tage zurück.

Auch Williams hat sich ans Warten gewohnt. Der ehemalige Abonnements-Weltmeister siegte zuletzt beim GP Brasilien 2004 vor 2.450 Tagen, und es macht nicht den Anschein, dass die Durststrecke mit dem Heimspiel in Silverstone am kommenden Wochenende zu Ende geht.

Ferrari auf dem Weg zum Negativ-Rekord?

Bei Ferrari kann man nach zehn sieglosen Rennen am Stück noch nicht von einer Durststrecke sprechen, aber es könnte eine werden. 2009 erlöste Kimi Räikkönen die Scuderia in Spa nach elf Grand Prix ohne Sieg. Es gab aber schon schlimmere Dürreperioden für Maranello. Gerhard Berger beendete 1994 in Hockenheim die längste Negativserie des Traditionsrennstalls. 58 Rennen ohne einen Sieg.

Fünf der zwölf aktuellen Formel 1-Teams haben noch nie das Gefühl eines GP-Sieges ausgekostet. Die meisten sieglosen Rennen hat Sauber auf dem Konto. 242 seit dem Debüt beim GP Südafrika 1993. Die BMW-Jahre von 2006 bis 2009 sind nicht eingerechnet.

Auch Cosworth braucht einen langen Atem. Der letzte Sieg eines Kundenmotors geht auf das Konto von Michele Alboreto. Der Italiener gewann im Tyrrell-Cosworth 1983 den GP USA-Ost. Unter dem Banner von Ford durfte man zuletzt beim GP Brasilien 2003 jubeln. Giancarlo Fisichella landete im Jordan-Ford einen Überraschungssieg. Sein Ford V10 war ein Produkt aus dem Hause Cosworth.

Letzte nicht Red Bull-Pole: Nico Hülkenberg

Dauersieger Sebastian Vettel gibt einem das Gefühl, dass schon ewig kein anderer mehr gewonnen hat. Das ist natürlich falsch. Jenson Button gewann erst kürzlich den GP Kanada. Doch mit der letzten Pole Position, die kein Red Bull-Pilot okkupierte, muss man schon etwas länger zurückblättern. Nico Hülkenberg in einem Williams war es, der beim verregneten Abschlusstraining zum GP Brasilien 2010 Red Bull die Trainingsbestzeit abluchste. Sebastian Vettel hat sich an eine freie Sicht beim Start schon gewöhnt. Der WM-Spitzenreiter startet seit dem GP Singapur 2010 immer aus der ersten Reihe. Das sind nun bereits 13 Rennen. Die Serie wird in Silverstone kaum abreißen. Außer das Wetter spielt verrückt.

Seit 31 Grand Prix steht entweder ein Red Bull-, McLaren- oder Ferrari-Fahrer auf dem Treppchen in der Mitte des Siegerpodests. Der letzte Sieger, der nicht für eines der drei Top-Teams fuhr, war Rubens Barrichello im Brawn GP-Mercedes beim GP Italien 2009. Die drei großen Teams belegten 2011 auch 22 der 24 Podestplätze. Nur Renault schaffte in Australien und Malaysia mit zwei dritten Plätzen den Sprung aufs Siegerfoto.

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch ein Red Bull-Pilot steht auf der Warteliste. Mark Webber liegt zwar in der WM-Tabelle mit Jenson Button punktgleich auf Platz zwei, doch der Australier führte in dieser Saison noch keinen Kilometer. Zuletzt hatte er beim GP Brasilien 2010 für eine Runde die Nase vorn. Jarno Trulli und Heikki Kovalainen machen ebenfalls harte Zeiten durch. Seit die ehemaligen GP-Sieger bei Lotus ihr Brot verdienen, sind sie punktelos. Gleiches gilt für Timo Glock, der bei Virgin seine Ansprüche zurückschrauben musste. Allen drei wird die Saison 2009 wie ein Paradies vorkommen. Damals haben sie vermutlich geflucht, dass nicht mehr Punkte auf dem Konto waren.

Sicherheit in Serie

Andere lange zurückliegende Ereignisse geraten fast in Vergessenheit. Der letzte Reifenkrieg schlief 2006 ein. Michelin kämpfte gegen Bridgestone. Frankreich wartet seit 2008 auf einen Grand Prix. Österreich seit 2003, Argentinien seit 1998, Südafrika seit 1993 und Mexiko seit 1992. Dafür haben motorsportliche Niemandsländer wie die Türkei, Abu Dhabi, Bahrain, Korea und Indien ein Formel 1-Rennen. Immerhin kehrt die Formel 1 2012 nach sechs Jahren Warten in die USA zurück.

Die schönste Pause betrifft die Sicherheit. Noch nie gab es in der GP-Geschichte eine vergleichbar lange Zeit ohne tödlichen Unfall. Am 30. April 1994 starb Roland Ratzenberger, einen Tag später Ayrton Senna. Das schwarze Wochenende von Imola liegt am Sonntag 6.279 Tage zurück.

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