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F1-Strategie-Gruppe trifft sich

Macht eine Klage Sinn?

Christian Horner Bernie Ecclestone - Formel 1 - GP Indien - 27. Oktober 2012 Foto: xpb

Am kommenden Montag (21.10.2013) trifft sich die Strategie-Gruppe der Formel 1 in Biggin Hill. Die kleinen Teams sind ausgeschlossen. Sie fürchten, dass ihnen die großen Teams wie beim letzten Strategie-Teffen in Monte Carlo faule Eier ins Nest legen. Einige spielen bereits das Szenario einer Klage durch.

20.10.2013 Michael Schmidt

Ein Teil des neuen Concorde Abkommens ist die so genannte Strategie-Gruppe. Sie soll die Arbeitsgruppen der Teammanager und Technikchefs ablösen. Die Vorschläge für Regeländerungen kommen in Zukunft nicht mehr von den Experten, sondern einem 18-köpfigen Gremium, bestehend aus je sechs Mitgliedern der FIA, der Rechteinhebar (FOM) und den Teams. Wie man sich leicht ausrechnen kann, sind nicht mehr alle Teams vertreten.

Fünf der sechs Rennställe, die an den Regeldiskussionen teilnehmen dürfen, stehen fest: Red Bull, Ferrari, Mercedes, McLaren und Williams. Den sechsten Platz bekommt das jeweils bestplatzierte Teams außerhalb der gesetzten fünf. Im Augenblick ist das Lotus. Nach zwei Sitzungen in unvollständiger Besetzung findet am 21.10.2013 in Bernie Ecclestones Büros in Biggin Hill das erste echte Strategie-Meeting statt.

F1-Strategie-Gruppe verstößt gegen Wettbewerbsregel

Sauber, Force India, Toro Rosso, Caterham und Marussia schauen durch die Röhre. Das verstößt gegen jede Wettbewerbsregel, auch wenn die Strategie-Gruppe nur Vorschläge machen und nichts entscheiden darf. Diese Vorschläge gehen dann an die Formel 1-Kommission, wo wieder alle Teams zusammen mit Vertretern der FIA, der FOM und den Veranstaltern beteiligt sind. Die Aufteilung dort ist aber so, dass die kleinen Teams keine Chance haben, das abzulehnen, was die Strategie-Gruppe ausgeheckt hat. Wer in diesem Plenum sitzt, genießt einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil.

Was planen die großen Teams?

Bei der letzten Sitzung der Strategie-Gruppe in Monte Carlo haben die kleinen Teams die Auswirkungen der neuen Entscheidungswege bereits zu spüren bekommen. Über ihre Köpfe hinweg traten die großen Teams die Organisation der Testfahrten an Bernie Ecclestone ab. Außerdem wurden Testfahrten unter der Saison durchgedrückt. Sie haben auch verhindert, dass kleine Teams, die sich nicht alle acht Testtage leisten können, im Ausgleich Windkanaltage bekommen.

Deshalb blicken Sauber, Force India, Toro Rosso , Caterham und Marussia mit Spannung auf die nächste Sitzung am 21.Oktober in Biggin Hill im Süden Londons. Sie haben erst fünf vor Zwölf erfahren, was da auf der Agenda steht. Vermutlich eine Aufweichung der sogenannten "Listed Parts". Damit sind die Komponenten gemeint, die ein Formel 1-Teams selbst erstellen muss. Also Chassis, Verkleidung, Fahrwerk. Würde dieser Zwang wegfallen, wäre der Weg frei für Kundenteams.

Todt setzt auf Vernunft

FIA-Präsident Jean Todt hat mit dem neuen Entscheidungsprozedere keine Bedenken: "Wenn sich FIA und FOM mit ihren Stimmen gegenseitig blockieren, sind die Teams das Zünglein an der Waage. Ich kann sowohl in der Strategie-Gruppe als auch der Formel 1-Kommission genügend vernünftige Leute erkennen, die absurde Vorschläge ablehnen würden."

Experten glauben, dass sich Todt da gewaltig täuscht. "Das ist der Freibrief für Bernie, weil mehr Teams auf seiner Seite stehen", heißt es im Fahrerlager. Andere sagen: Red Bull, Ferrari und Mercedes werden dann machen, was sie wollen, weil sie Bernie Ecclestone längst in der Tasche haben. Was Todt vergisst, ist die Abhängigkeit der kleinen Teams von den großen. Alle sind durch Motorenverträge oder Getriebelieferungen vom Wohlwollen der Partner abhängig. Das nennt man Stimmenkauf durch die Hintertür.

Mosley glaubt, dass Bernie die Stimmenmehrheit hat

Auch der frühere FIA-Präsident Max Mosley glaubt, dass sein alter Kumpel Bernie spätestens bei der Abstimmung in der Formel 1-Kommission die Schlacht gewonnen hat: "Die Teams und Bernie und die Veranstalter werden die FIA überstimmen. In den früheren Tagen hatte Bernie immer die Veranstalter in der Tasche. Er hielt sie geschickt voneinander entfernt, so dass es zu keiner Herdenbildung kommen konnte. So haben sie ihm aus der Hand gefressen. Bei Abstimmungen haben sie im Block abgestimmt. Das gleiche wird er jetzt mit den Teams machen."

Kleine Formel 1-Teams könnten ja Recht haben

Bei den kleinen Teams geht die Angst um, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden ohne sich dagegen wehren zu können. Noch könnten sie sich auflehnen, denn im Gegensatz zu allen Verlautbarungen ist das Concorde Abkommen noch nicht komplett und rechtskräftig. Es gibt zwar Verträge zwischen den Teams und Ecclestone, sowie Ecclestone und der FIA, aber noch nicht zwischen den Teams und dem Weltverband.

Hier regt sich jetzt Widerstand. Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer erinnert an ein Phänomen bei Entscheidungsprozessen und wandelt es auf die augenblickliche Situation im GP-Sport ab: "Die Formel 1 agiert nach dem Motto: Höre nicht auf die kleinen Teams, sie könnten ja Recht haben."

Klagen Teams gegen Teams?

Wäre gegen das derzeitige Konstrukt nach EU-Recht überhaupt zu klagen? Noch einmal Max Mosley: "Möglicherweise ja. Meines Wissens nach hatte sich Mercedes deshalb juristischen Rat eingeholt. Und die Antwort lautete, dass dieses Konstrukt anfechtbar wäre. Aber es wäre schwierig. Die EU-Kommission hat sich zuletzt 2000 unter Karel van Miert mit der Formel 1 beschäftigt. Die ganze Sache entwickelte sich für sie zu einer Horrorshow. Deshalb war Nachfolger Mario Monti froh, die Formel 1-Angelegenheit vom Tisch zu haben."

Deshalb gibt es in den Reihen der Ausgeschlossenen einen anderen Plan. Warum nicht gegen die großen Teams klagen, die in der Strategie-Gruppe vertreten sind. Das geht natürlich nur gegen Teams, von denen man nicht abhängig ist. Also Force India gegen Red Bull, Sauber gegen Mercedes, Toro Rosso gegen Williams, Caterham gegen Ferrari oder Marussia gegen Lotus.

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