Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

F1-Tagebuch 2012 (Teil 1): Australien

Im Tropen-Jumbo nach Down Under

F1 GP Tagebuch Australien 2012 Foto: Grüner 23 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 1: GP Australien.

03.12.2012 Tobias Grüner

Und täglich grüßt das Murmeltier. Am 12. März fiel der Startschuss zur Formel 1-Saison. Ich muss zugeben, dass die Freude auf den 28-Stunden-Holzklasse-Trip bei meiner ersten Melbourne-Reise drei Jahre und 43 Rennen zuvor einen Tick größer war. Nach elf anstrengenden Testtagen in Spanien hätte die Saison ruhig noch ein bisschen warten können.

Airbus A380 punktet gegen Boeing 747

Am Flughafen in Frankfurt kam dann aber doch so etwas wie gespannte Vorfreude auf, was vor allem am Transportmittel lag. Neben der Technik von Formel 1-Autos habe ich immer schon eine Begeisterung für Flugzeuge aller Art gehegt. Besonders gespannt war ich deshalb auf die erste Reise im Airbus A380. Doch auf meinem Fensterplatz im Unterdeck, genau über dem riesigen Flügel konnten weder Platz- noch Sichtverhältnisse besonders beeindrucken.

Die Vorzüge des modernen Riesenvogels wurden mir erst nach dem Zwischenstopp in Singapur bewusst. Vom Lufthansa A380 ging es mit einer betagten Singapore Airlines Boeing 747 weiter, die ihre besten Zeiten wahrlich schon hinter sich hatte. Die Passagiere warteten bei schweißtreibenden Saunatemperaturen in der Kabine auf den Start. Der Kapitän versprach mit zittriger Stimme, dass die defekte Klimaanlage mit Anlassen der Turbinen wieder normal arbeiten sollte. Tat sie aber nicht.

Auf Reiseflughöhe wurde das Kabinenklima dann innerhalb weniger Minuten von Tropen auf Arktis umgestellt. Das passte zum kargen Entertainmentprogramm. Statt eines Bildschirms hatten Economy-Passagiere in dem alten Jumbo nur die Rückseite der Stuhllehne vor der Nase. Einzige Möglichkeit zur Unterhaltung bot das zerfledderte Bordmagazin. Darin war zu lesen, dass die Fluglinie wenige Wochen später feierlich alle 747-Maschinen aus dem Dienst nehmen und durch A380 ersetzen wollte. Schlechtes Timing.

Es blieb also nichts anderes übrig, als den Flug durchzupennen. Bei der Landung um kurz vor acht in der Früh war meine innere Uhr aber trotzdem irgendwo anders als in Melbourne. Mit dem Shuttle-Bus ging es nach Downtown zum Hauptbahnhof, dann zu Fuß ins Hotel und direkt unter die Dusche. Zum Glück war mein Zimmer schon vor der offiziellen Eincheck-Zeit bezugsbereit. Das habe ich in Melbourne auch schon anders erlebt.

Durch die Militärzone ins Fahrerlager

Nur wenige Minuten später saß ich auch schon wieder im Taxi. Der erste Weg zu Saisonbeginn führt traditionell ins Parkview Hotel im Stadteil St. Kilda. Hier hatte die FIA wie immer ihre Akkreditierungsstelle eingerichtet, wo es die begehrten roten Plastikkärtchen gibt. Die garantieren freien Fahrerlager-Eintritt das ganze Jahr und mussten natürlich direkt ausprobiert werden. So machte ich mich zusammen mit auto motor und sport-Kollege Michael Schmidt auf den kurzen Fußweg durch den Albert Park in Richtung Rennstrecke.

Auf den großen Grünanlagen wollte zunächst aber keine Rennstimmung aufkommen. Statt von schnellen Autos wurden wir von Armeefahrzeugen aller Art begrüßt. Das australische Militär warb mit Panzern, bewaffneten Geländewagen und Truppentransportern um neue Rekruten. Dafür wurde nur wenige Meter vom Fahrerlager entfernt ein perfekt getarntes Biwak aufgeschlagen, von dem man ohne Probleme eine Invasion auf Neuseeland hätte planen können.

Nachdem wir die Kampfzone durchquert hatten, wartete auch schon das Fahrerlager auf uns. Im Pressezentrum bezogen wir die üblichen Plätze in der letzten Reihe nahe am Fenster. Der erste Dienstweg des Tages führte anschließend in die Boxengasse. Die große Frage lautete, wer nach den Tests noch wichtige Updates dabei hat. Doch am Mittwoch gaben sich die Teams verschwiegen. Mit großen Stellwänden wurde der Blick in die Garagen versperrt. Wenn man doch jetzt nur einen Panzer hätte, um den Sichtschutz plattzuwalzen. Eine kleine Haubitze hätte es auch getan.

Mit Vettel und Webber beim Cricket am Strand

Im Fahrerlager fanden sich schon einige Gesprächspartner in den Teampavillons. So tröpfelten die ersten Geschichten und Bilder aus Melbourne noch vor dem deutschen Sonnenaufgang ins Netz. Am Nachmittag wartete dann auch der erste offizielle Termin: Red Bull hatte in eine Beachbar am Strand von Melbourne zum Presse-Happening geladen. Nachdem Webber und Vettel die Fragen der Journalisten beantwortet hatten, gab es eine Cricket-Einheit mit einem australischen Profi. Schnell bildete sich eine riesige Traube aus Fans, TV-Teams und Fotografen. Einige landeten dabei auch unfreiwillig im Wasser. Ich wollte mittlerweile nur noch in meinem Bett landen. Oder am Strand schlafen.

Der nächste Morgen begann früh. Pirelli veranstaltete um 7.30 Uhr ein kleines Frühstück, bei dem Sportchef Paul Hembery letzte Ergebnisse der Wintertest-Analysen und Infos zu den Reifen für die neue Saison parat hatte. Neben den interessanten Einschätzungen des Briten lohnte sich der Besuch vor allem wegen der Location. Der beeindruckende Ausblick aus dem 55. Stock eines Bürogebäudes auf Downtown Melbourne entschädigte für das frühe Aufstehen.

Erster Saisonsieg beim Mercedes-Quiz

Aus der Innenstadt ging es anschließend direkt wieder zum Strand von Melbourne. Hier feierte Mercedes sein offizielles Season-Kick-Off, bei dem die Fahrer und die Verantwortlichen Rede und Antwort standen. Traditionell gehört auch ein kleines Formel 1-Quiz zum Unterhaltungsprogramm, bei dem sich unser Tisch gegen die englischen Kollegen durchsetzen und den Sieg abstauben konnte. Als Gewinn gab es von Mercedes eine Mini-Nachbildung eines F1-Lenkrads.

Nach dem Media-Lunch ging es direkt weiter ins Fahrerlager, wo weitere Presserunden angesetzt waren. Vor dem ersten Trainingstag gab es bereits jede Menge spannender Geschichten. Schaffen HRT und Marussia die 107 Prozent-Hürde? Wer ist schneller: Red Bull oder McLaren? Wie schlecht ist Ferrari nach den ernüchternden Wintertests wirklich? Und was für einen Trick versteckt Mercedes im Heckflügel?

Mercedes frisst im Rennen die Reifen

Der Freitag gab bereits die ersten Hinweise. Nach dem Qualfying am Samstag hatten wir dann alle Antworten. Marussia war schnell genug für einen Rennstart, HRT jedoch nicht. McLaren startete geballt aus Reihe eins, Red Bull nur aus Reihe drei. Und Ferrari verpasste die Top Ten deutlich.

Nur der Mercedes-Trick wollte sich lange nicht entschlüsseln lassen. Erst ein Bild von Russel Batchelor, unserem xpb-Fotografen sorgte für die Auflösung. Er erwischte den Silberpfeil mit hochgeklapptem Heckflügelflap, hinter dem ein Lufteinlass in der Endplatte zum Vorschein kam. Wer clever kombinierte, erkannte schnell, dass die Ingenieure die eingeleitete Strömung einmal quer durch das Auto zum Frontflügel leiten und damit den Luftwiderstand auf der Geraden senken.
 
Das System schien gut zu funktionieren. Schumacher startete von Platz vier, Rosberg von der Sieben. Doch die Hoffnungen der Silberpfeil-Fans wurden im Rennen enttäuscht. Das Auto fraß die Reifen und beide Piloten blieben ohne Punkte. Den Sieg sicherte sich Jenson Button. Sebastian Vettel konnte das McLaren-Duo an der Spitze durch etwas Safety-Car-Glück sprengen und den zweiten Platz feiern.

Zwischenstopp zum Sightseeing in Sydney

Für uns begann nach dem Zieleinlauf ein Rennen gegen die Zeit. Wegen des späten Rennstarts sind die Nächte am Sonntag in Melbourne traditionell kurz. Neben den Bildergalerien, Nachberichten und Analysen musste auch schon das Programm für Montag vorbereitet werden. Erst um halb drei morgens ging es endlich wieder zurück in Richtung Hotel, wo noch einmal weitergearbeitet wurde.
 
In diesem Jahr machten wir uns freiwillig noch etwas mehr Stress. Statt direkt nach Malaysia weiterzufliegen, entschieden sich Kollege Schmidt und ich noch einen Tag in Sydney einzubauen. Der kleine Umweg mit dem Billigflieger lohnte sich. Neben der bekannten Oper und dem Hafen hat Sydney jede Menge schöne Seiten zu bieten.

Ich entschied mich für eine Fahrt mit der Fähre zur Halbinsel Manly. Bei meiner Tour über Strände und durch Natur-Parks hatte ich leider den Sonnenschutz vergessen. Und so stieg ich am Tag darauf mit leicht geröteter Birne in den Flieger nach Kuala Lumpur. Zum Glück schickte Singapore Airlines dieses Mal eine A380 und keinen Tropen-Jumbo.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden