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F1-Tagebuch 2012 (Teil 11): Ungarn

Was war da mit Schumi los?

GP Tagebuch 2012 Ungarn Foto: Grüner 21 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 11: GP von Ungarn.

13.12.2012 Tobias Grüner

Ungarn ist eine meiner Lieblingsstationen im Kalender. Vom Ostblock-Mief ist in Budapest nicht mehr viel zu sehen. Vor allem das malerische Zentrum der Donau-Metropole ist auch ohne Formel 1-Programm eine Reise wert. Aber selbst am Grand Prix-Wochenende, wo in anderen Städten gerne mal üppige Aufschläge verlangt werden, sind Hotels, Restaurants und Biergärten Preis-Leistungs-mäßig immer noch im grünen Bereich.

Leider kommt der touristische Aspekt immer viel zu kurz. Schon kurz nach der Landung am Mittwoch ging es für einen Abstecher raus an die Rennstrecke. Das Rennen in Hockenheim war gerade vier Tage her. Die Teams waren immer noch mit dem Aufbau ihrer Motorhomes beschäftigt. In den Garagen herrschte rege Betriebsamkeit. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell und reibungslos der XXL-Umzug von Rennstrecke zu Rennstrecke von Statten geht.

Ist Ungarn der bessere Deutschland-Grand Prix?

Zwischen den vielen Kränen und Gabelstaplern fand sich am Hungaroring dann doch noch ein Relikt aus alten Ostblock-Zeiten. Ein Trabbi Kombi mit Dachreling parkte genau vor unserem Golf VI. Allerdings hatte der sicher ein paar Kilometer mehr runter als unser Miet-VW. Der war nämlich fabrikfrisch an uns übergeben worden. 18 Kilometer standen bei Abfahrt auf der Uhr. Statt Ostblockmief gab es Neuwagengeruch inklusive.

Am Donnerstag kamen alle Fahrer gut gelaunt zur Rennstrecke. Wie Kinder am letzten Schultag freuten sich einige wohl schon auf die anschließende Sommerpause. Zuerst mussten aber noch die Fans beglückt werden. Vor der Boxengasse versammelten sich die Formel 1-Schlachtenbummler zu Tausenden, um ein paar Autogramme der Stars abzugreifen. Besonders die finnische Fraktion machte lautstark auf sich aufmerksam, als sich Kimi blicken ließ.

Beim Rennen in Hockenheim zuvor waren die Ränge dagegen relativ leer geblieben. Unter den Journalisten diskutierte man, wieso sich die Begeisterung trotz fünf schneller Fahrer, trotz Schumi und Vettel und trotz Mercedes in Grenzen hält. Das Problem war aber schnell ergründet. Wenn ein Besuch in Budapest inklusive Flug, Hotel und Ticket günstiger als der Eintritt in Hockenheim ist, muss sich niemand wundern.

Auch für die Journalisten wird einiges getan. Auf der Autobahn gibt es eine eigene gesperrte Spur nur für Teammitglieder und Medienvertreter. So muss man sich um den großen Fanandrang am Samstag und Sonntag keine Sorgen machen. Einzig das Wetter gab Grund zum Ärger. Der Trainingsfreitag viel ins Wasser. Ausgerechnet "Regengott" Michael Schumacher rutschte von der Strecke. Schon sieben Tage zuvor hatte er seinen Mercedes bei ähnlichen Bedingungen im Motodrom in die Bande gestopft.

Schumacher sorgt für allgemeine Verwirrung

Am Samstag kam dann aber wieder die Sonne raus. Gedrückte Stimmung herrschte nur kurz, als Bernie Ecclestone alle Teamchefs und Fahrer vor dem Boxengebäude versammeln ließ, um eine Erinnerungstafel für den kurz zuvor verstorbenen Ex-Promoter Tamas Frank zu enthüllen. Ohne Frank wäre die Formel 1 vielleicht schon längst nicht mehr in Budapest zu Gast.

Sportlich war das Geschehen des Wochenendes kurz erzählt. Lewis Hamilton sicherte sich mit vier Zehnteln Vorsprung die Pole Position. Am Sonntag kam der McLaren-Pilot zwar stark unter Druck der beiden Lotus-Piloten, konnte aber eine Sekunde Vorsprung ins Ziel retten.

Für die größte Aufregung sorgte aber mal wieder Michael Schumacher. Nach einem verkorksten Qualifying ging der Rekordmeister nur von Rang 17 ins Rennen. Doch am Start ging unerklärlicherweise der Motor am Silberpfeil aus. Das Rennen konnte erst nach einer zweiten Formationsrunde gestartet werden, nachdem Schumis Auto in die Boxengasse geschoben wurde. Doch niemand wusste genau, was passiert war. Erst langsam wurde das Geheimnis gelüftet.

Einparkfehler in der Startaufstellung

Kollege Michael Schmidt brachte irgendwie in Erfahrung, dass sich Schumi am Start falsch einsortiert hatte. Doch bestätigen konnte das zunächst niemand. Ich bin deshalb schnell zu Heikki Kovalainen gerannt, der direkt in der Startaufstellung den Platz hinter Schumi einnahm. Etwas zögerlich erklärte mir der Finne schließlich, dass der Mercedes auf seinem Startplatz parkte.

Auch Pedro de la Rosa bestätigte, dass er plötzlich eine Reihe weiter hinten warten musste. Allerdings wusste er erst, wer dafür verantwortlich war, nachdem ich ihn aufgeklärt hatte. Ein Grinsen konnte sich der Spanier nicht verkneifen. Nur Rennleiter Charlie Whiting hatte den Fehler beobachtet und den Start abgebrochen.

Blieb aber noch die Frage, warum Schumi den Motor abgestellt hatte. Mercedes wollte selbst nicht direkt mit der Wahrheit rausrücken. In der offiziellen Pressemitteilung schob man den abgestellten Motor auf zu hohe Temperaturen. Nach und nach kam aber heraus, dass Schumi selbst den Motor abgestellt hatte. Das war bei Startabbrüchen früher so üblich. Aber heute nicht mehr.

FIA kennt die eigenen Regeln nicht

Als wäre das Wochenende für den Altmeister noch nicht schlimm genug gelaufen, fing er sich auch noch einen Plattfuß ein, als sein Auto über einen Durchgang in die Boxengasse geschoben wurde. Das bedeutete einen Extra-Stopp in der zweiten Runde. Kurz darauf bog Schumi noch einmal unplanmäßig ab. Er war in der Boxengasse auch noch geblitzt worden, nachdem man seinen Motor wieder gestartet hatte, was zu einer Durchfahrtsstrafe führte.

Sauber Teammanager Beat Zehnder kam nach dem Rennen mit der interessanten Information, dass es dafür eigentlich keine Durchfahrtsstrafe hätte geben dürfen. Der Schweizer, der das Reglement so gut wie kaum ein anderer im Fahrerlager kennt, erklärte mir, dass das Rennen zum Zeitpunkt des Regelverstoßes noch gar nicht gestartet war. Für diesen Fall sieht das Regelbuch eigentlich eine Geldbuße vor. Nach der Sommerpause in Spa bestätigte die FIA den Fehler.

Schumi war es allerdings egal. Er hatte das Rennen aufgegeben und war vorzeitig in die Sommerferien gestartet. Im Fahrerlager sorgte er für einen Spruch des Jahres, als er Kollege Schmidt fragte: "Du, was war da eigentlich los mit mir am Start?"

Für mich nahm das Ungarn-Wochenende auch kein gutes Ende. Bei den letzten Zeilen der Rennanalyse merkte ich plötzlich, dass meine Akkreditierungskarte nicht mehr am Halsband hängt. Die Befestigung hatte sich gelöst. Große Sorgen machte ich mir aber nicht. In den fünf Wochen Pause bis Spa wird die FIA wohl einen neuen Pass herstellen, dachte ich. Da lag ich allerdings falsch, wie Sie in der nächste Ausgabe unseres Grand Prix-Tagebuchs lesen können.

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