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F1-Tagebuch 2012 (Teil 12): Belgien

Neuer Pass partout nicht zu finden

GP Tagebuch 2012 Belgien Foto: dpa 24 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 12: GP von Belgien.

14.12.2012 Tobias Grüner

Mit der Fahrt nach Belgien war es mit der Sommerpause vorbei. Sie hätte meiner Meinung nach gerne noch etwas länger gehen können. Seit Bernie Ecclestones Expansionspolitik bleibt in der zweiten Saisonhälfte kaum noch Zeit zum Durchschnaufen. Mit durchschnittlich drei Rennen pro Monat geht es ab September im D-Zug-Tempo dem großen Finale entgegen.

Zwischen Schafen und Kühen im Niemandsland

Im Vergleich zu den stressigen Übersee-Trips gehört Spa für uns eher zu den entspannteren Reisen. Von Stuttgart fahren wir immer schon am Mittwoch in die Ardennen. Aus dem Testwagen-Fuhrpark gab es in diesem Jahr ein schickes Mercedes-C-Coupé. Da konnte man nicht meckern.

Unser Hotel, in dem wir jedes Jahr untergebracht sind, liegt weit abgelegen von der nächsten Ortschaft versteckt zwischen Wäldern und Feldern. Auf diesem abgeschiedenen Fleckchen Erde leben mehr Schafe und Kühe als Menschen. Genau richtig also, um Kraft zu tanken für das stressige Saisonfinale.

Doch in diesem Jahr begann der Stress früher als erwartet. Beim letzten Rennen vor der Sommerpause war mein FIA-Pass auseinandergefallen. Der Konstruktionsfehler an den Befestigungen der roten Kärtchen hat schon vielen Journalisten im Fahrerlager Ärger gemacht. Normalerweise reagiert die FIA relativ schnell bei der Beschaffung von Ersatz. Dieses Mal aber nicht.

Aus Minuten werden schnell mal vier Stunden

Ich hatte natürlich direkt nach dem Verlust noch in Budapest Bescheid gesagt. Per E-Mail und SMS machte ich bei den Zuständigen der FIA Druck, dass nach der fünfwöchigen Sommerpause ein neuer Pass in Spa auf mich wartete. Doch als ich am Donnerstagfrüh im Akkerditierungszentrum vorsprach, wusste man natürlich von nichts. Kein Pass da. Keiner wusste Bescheid.

Anscheinend gab es leichte Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der FIA-Presseabteilung und dem Hersteller der Akkreditierungen. Obwohl der ganze August Zeit war, wurde mein neuer Ausweis erst einen Tag zuvor gedruckt. Nun war er irgendwo auf dem Weg von der Strecke zum Akkreditierungsbüro verloren gegangen. Es könne sich aber nur noch um Minuten handeln, wurde ich vertröstet. Am Ende wartete ich vier Stunden im Auto.

Zum Glück bekam Kollege Michael Schmidt eine Mitfahrgelegenheit zur Strecke und machte dort vom Pressezentrum aus Druck. Sonst würde ich wahrscheinlich heute noch in Spa vor dem provisorisch eingerichteten FIA-Büro sitzen. Ich hatte schon fast aufgegeben, als der Pass dann doch noch ankam. Erst um zwei Uhr erreichte ich schließlich das Fahrerlager.

Schumi feiert sein Jubiläum zu früh

So wurde schon der Donnerstag zu einer stressigen Angelegenheit. Ich wusste, dass viele Fans schon auf die ersten Bilder aus der Boxengasse warteten. Nach der Sommerpause kommen bekanntlich immer fast alle Teams mit neuen Technik-Updates. Also schnell Fotos machen und die erste Galerie ins Netz stellen.

Neben dem spannenden WM-Kampf und der spektakulären Strecke gab es noch ein drittes wichtiges Thema. Schumi feierte seinen 300. Grand Prix. Nach unserer Rechnung war er damit allerdings ein Rennen zu früh dran. Trotzdem konnten wir das Thema natürlich nicht einfach ignorieren. Am Freitag gab es eine große Zeremonie mit Bernie Ecclestone und vielen Geschenken vor dem Mercedes-Motorhome.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Transfermarkt. Felipe Massa stand nach schwachen Leistungen in der ersten Saisonhälfte bei Ferrari extrem unter Druck. Unsere Quellen sahen kaum noch eine Chance für den Brasilianer, seinen Vertrag zu verlängern. Kandidaten für die Nachfolge gab es genug. Unserer Meinung nach hatte Nico Hülkenberg die besten Karten.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich am Samstag zusammen mit Adrian Sutil und seinem Manager bei Red Bull über den Massa-Ersatz diskutierte. Der ehemalige Force India-Pilot machte sich selbst Hoffnungen auf den Sitz. Beide erklärten mir, dass Journalisten eigentlich keine Ahnung von dem Geschäft hätten. Force India würde für Hülkenberg eine zweistellige Millionen Ablöse fordern, die nicht einmal Ferrari bezahlen kann.

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