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F1-Tagebuch 2012 (Teil 14): Singapur

Alles eine Frage des Timings

GP Tagebuch 2012 - Singapur Foto: xpb 23 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 14: GP von Singapur.

16.12.2012 Tobias Grüner

Mit dem Grand Prix in Singapur begann der stressige Schlussspurt der Formel 1-Saison 2012. Sieben Rennen in acht Wochen - und alle in Übersee. Das ganze Fahrerlager läuft auf dem Zahnfleisch, während Bernie Ecclestone in seinem Motorhome die Antrittsgelder zählt.

Obwohl das Nachtrennen eher zu den stressigeren Angelegenheiten im Kalender zählt, reise ich immer wieder gerne in die Hafenmetropole in Südostasien. Es ist deutlich wärmer als in Deutschland. Alles ist sauber. Das Essen ist gut und günstig. Und der verrückte Zeitplan des Flutlichtspektakels kommt meinem Schlafrhythmus entgegen.

Arbeitstag beginnt erst nachmittags

Wie die meisten Teams und Fahrer bleibe ich einfach auf europäischer Zeit. Nachts lang wach zu bleiben macht mir kein Problem. Bis mittags schlafen mache ich auch an Sonntagen, wenn kein Grand Prix ansteht. Kollege Schmidt ist da ganz anders gestrickt. Sobald draußen sie Sonne aufgeht, steht die Formel 1-Reporter-Legende senkrecht im Bett.

Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue, was man am Vormittag im Fahrerlager machen kann, wenn niemand da ist. Das Pressezentrum ist noch zugesperrt. Und die Teams dürfen wegen der ungewöhnlichen Sperrstunden erst um 15 Uhr zu ihren Autos. Vorher lasse ich mich auch nicht blicken.

Dieses Jahr habe ich meine Fahrt an die Strecke allerdings gleich zwei Mal schlecht getimt. Die Kunst ist es, kurz vor der riesigen Schlange an Teammitgliedern an der Sicherheitsschleuse vorbeizukommen. Wenn man statt um 14:58 Uhr um 15:02 Uhr dort ankommt, verliert man eine Viertelstunde und darf in der Saunahitze warten.

U-Bahn zur Strecke - die bessere Alternative

Apropos Fahrt zu Strecke: Nachdem ich mir in den letzten Jahren endlose Diskussionen mit Taxifahrern aus Singapur und Umgebung geliefert hatte, entschied ich mich 2012 für einen neuen Weg. Statt auf vier Rädern in Staus und Umleitungen - wegen der gesperrten Straßen rund um den Stadtkurs - zu stehen, setzte ich dieses Jahr voll auf die U-Bahn.

Das Netz des SMRT (Singapore Mass Rapid Transit) ist gut ausgebaut, klimatisiert und günstig. 1,40 Dollar - umgerechnet 0,90 Euro - für die fünf Stationen inklusive einmal Umsteigen sind genau der richtige Tarif für ein schwäbisches Auto-Magazin. Zu kaufen sind die Tickets nur am Automaten, was für Anfänger nicht ganz einfach ist. Bis man die richtige Route gefunden hat, dauert es einen Moment. Statt eines Papp-Tickets gibt es eine aufladbare Karte, die mit einem Dollar Pfand extra zu Buche schlägt. Den gibt es nach Fahrtende wieder zurück - ebenfalls am Automaten.

Die Atmosphäre am Grand Prix-Wochenende ist in Singapur jedes Jahr einzigartig. Auf der Orchard Road, der Haupt-Einkaufsstraße, sind immer schon vor dem Rennwochenende einige Formel 1-Modelle im Originalformat ausgestellt. Sobald die Sonne untergeht beginnt es überall zu glitzern und zu funkeln. Das gleißende Flutlicht verwandelt die Rennstrecke in ein strahlendes Asphaltband, das sich wie eine Schlange zwischen die Wolkenkratzer legt.

Formel 1 bleibt vom Regen verschont

Immer wieder lustig sind die Lauen des tropischen Wetters. Am Donnerstag ging einfach nur die Welt unter. Auf den TV-Schirmen, die einen Überblick über die Strecke gaben, war die dicke schwarze Wolkenwand schon in der Annäherungsphase zu sehen. Der asiatische Ferrari-Cup absolvierte gerade sein Training, als der Monsun herabging. Obwohl die Sitzung sofort gestoppt und alle Renner in die Boxengasse beordert wurden, krachten einige überraschte Piloten in die Bande.

Doch wie schon in den vergangenen Jahren ließ der Regen die Formel 1 in Ruhe. So werden die Journalisten wohl auch 2013 fragen, wie sich Singapur bei Nässe anfühlen könnte. Für das Highlight im dritten Training sorgte Sebastian Vettel mit seinem leuchtenden Sternenhelm. Ich hatte vorher schon Wind von der Aktion bekommen und versuchte aus Arai-Helmtechniker Peter Bürger Informationen über den Kopfschutz zu bekommen. Doch der gab die Details zum blinkenden LED-Deckel nur zögerlich heraus.

Sebastian Vettel setzt zur Aufholjagd an

Der Helm war auch eine gute Ablenkung von weiteren technischen Neuerungen bei Red Bull. Zum ersten Mal waren die RB8 mit einem Doppel-DRS ausgestattet. Es fiel das ganze Wochenende niemandem auf. In der Startaufstellung machte ich ein Foto von dem sensiblen Bereich im Heckflügel. Doch im Schattenspiel des Flutlichts waren die entscheidenden Löcher nicht zu erkennen.

Trotz der Technik-Neuheit musste sich Vettel im Qualifying hinter Hamilton anstellen. Im Rennen sorgte das anfällige Getriebe am McLaren für die Entscheidung im Duell um den Sieg. Hamilton rollte aus. Vettel übernahm die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Es sollte eine unnachahmliche Siegesserie folgen. Doch davon ahnten wir noch nichts.

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