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F1-Tagebuch 2012 (Teil 2): Malaysia

Erst Feuer dann Regen

GP Tagebuch Malaysia 2012 Foto: Grüner 23 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 2: GP Malaysia.

04.12.2012 Michael Schmidt

Ich mache kein Geheimnis draus. Der Grand Prix von Malaysia zählt nicht zu meinen Lieblingsrennen. Eine Veranstaltung ohne Atmosphäre. In Australien saßen am Renntag 115.000 Zuschauer auf den Tribünen. In Malaysia bestenfalls 30.000. Der Veranstalter wollte uns weißmachen, dass an den drei Tagen 115.000 Besucher gekommen sind. Wo hat er die denn gesehen? Hat er bei der DTM das Zählen gelernt? Da wird jeder Zuschauer beim Rein- und beim Rausgehen registriert. Und das doppelt.

Pub mit Fremdenzimmern am Hafen von Sydney

Leider nimmt Bernie Ecclestone keine Rücksicht auf meine Wünsche. In diesem Jahr sind wir schon zum 14. Mal nach Sepang gefahren. Man kann nur immer sagen: Ein Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Rennen, die ich nicht mag, bestrafe ich durch eine verspätete Anreise. In diesem Fall gab es dank des Doppelschlags Australien-Malaysia gute Optionen für ein Kontrastprogramm.

Kollege Tobias Grüner und ich sind am Montagnachmittag von Melbourne nach Sydney geflogen. Die Stadt ist immer wieder ein Highlight, auch wenn ich vielleicht schon 30 Mal dort war. Ein Kumpel, der früher einmal für Nelson Piquet gearbeitet hat und im australischen Motorsport ein Faktotum ist, kommt aus Sydney. Sie nennen ihn alle nur "Peewee". Er hat mir vor vielen Jahren ein Hotel empfohlen, das für mich zum Pflichtprogramm gehört. Eigentlich ist es ein Pub mit Fremdenzimmern. Das älteste in Australien. Strategisch günstig "on the Rocks", zehn Minuten zu Fuß vom Hafen entfernt.

Auf Umwegen nach Kuala Lumpur

Leider reichte es diesmal nur zu zwei Tagen in Sydney. Am Mittwoch musste ich die Reise nach Kuala Lumpur antreten. Ziemlich umständlich via Brisbane und Singapur. Wie meistens, wenn man nichts Böses ahnt, geht schief, was schiefgehen kann. Der Flieger hat ein Problem mit dem Triebwerk. Nach 45 Minuten ist der Schaden repariert. Noch bin ich im Zeitplan für den Anschluss in Brisbane.

Leider haben zwei der Fluggäste einen Unfall im Flughafengebäude. Also muss ihr Gepäck raus. Also wieder 15 Minuten warten. Dann entscheidet sich einer an Bord, dass er doch nicht mitfliegen will. Auch dessen Gepäckstück muss erst gesucht werden. Mit insgesamt eineinhalb Stunden Verspätung geht es endlich nach Queensland. Ich schaffe den Anschluss nach Singapur gerade so.

Das Feierabend-Bier muss ausfallen

Bis ich im Hotel in Subang bin, ist es Mitternacht. Da liegt das nächste Ärgernis bei diesem Grand Prix. Das Hotel befindet sich im Niemandsland auf halbem Wege zwischen der Rennstrecke und Kuala Lumpur. Das Abendprogramm ist bescheiden. Zwei Mal Essen im Hotel, zwei Mal an einer Autobahnraststätte.

Dank Internet werden die Arbeitszeiten immer länger. Am Donnerstag und Freitag kommt man wenigstens noch zwischen 20 und 21 Uhr von der Rennstrecke weg. Samstag und Sonntag ist Land unter. Nach dem Rennen kehren Kollege Roger Benoit, Tobias Grüner und ich um drei Uhr morgens ins Hotel zurück. Da haben alle Restaurants schon zu. Leider auch die Hotelbar mit dem unverschämt teuren Bier. Nur unsere heiß geliebte Autobahnraststätte Nummer 13 kann uns retten. Da gibt es Reis und Chicken Wings. Oder Chicken Wings und Reis. Leider kein Bier.

Feuer beim Iceman

Am Samstag beherrschte Lotus die Schlagzeilen. In der Nacht zuvor hatte ein Kurzschluss in einem Kühlschrank im Lotus-Pavillon dazu geführt, dass die obere Etage ausbrannte. Die Flammen schlugen auch zum Nachbar Mercedes über. Lotus musste mit dem ganzen Material ans Ende des Fahrerlagers ziehen. Bei Mercedes wurden nur die Pressekonferenzen verlegt. Es sollte nicht der letzte schwere Brand in dieser Saison bleiben.

Immerhin konnten die Verantwortlichen die Ausrüstung noch vor dem Feuer retten. Erste Gerüchte, dass Helme und Overalls der Piloten zerstört wurden, bestätigten sich nicht. Nur einige Daten der Ingenieure gingen verloren. Am Ende mussten auch zwei Kartons mit Autogrammkarten von Kimi Räikkönen abgeschrieben werden. Sie konnten zwar noch rechtzeitig ins Freie gebracht werden, doch draußen erledigte der Regen den Rest.

Überschwemmung auf der Zielgeraden

Am Sonntag war das Wetter das große Thema. Eigentlich regnet es in Kuala Lumpur und Umgebung jeden Tag. Nur nicht überall. Es kann an der Strecke staubtrocken sein, fünf Kilometer entfernt am Flughafen Katzen hageln. Diesmal bleibt die Rennstrecke weitgehend verschont. Bis auf einen kleinen Wolkenbruch am Donnerstag und einen großen am Sonntag. Aber der bringt Stimmung ins Rennen.

Nach acht Runden wird abgebrochen. 51 Minuten stehen die Autos still auf der Zielgeraden. Als ich durch das überschwemmte Fahrerlager laufe, sehe ich Jenson Button in Zivil. Ich frage: "Hast du schon Feierabend?" Er antwortet: "Ich wollte nur raus aus meinem klatschnassen Overall." Für Part zwei im Rennen gab es einen neuen Fahreranzug.

Wer nass geworden ist, muss sich nicht groß Sorgen machen. In der Hitze trocknet alles innerhalb von einer Viertelstunde. Nur die Rennstrecke braucht diesmal länger. Das liefert uns einen tollen Grand Prix. Wir rechnen im Pressezentrum schon nach, wie viele Rennen Sauber seit Kyalami 1993 gefahren ist bis zum ersten GP-Sieg, als Sergio Perez Ferrari den Gefallen tut, und in Kurve 14 einen Umweg einlegt.

Sauber hat Angst vor den jungen Wilden

Natürlich vermuten viele sofort böses Spiel. Da hat der brave Peter Sauber doch bestimmt Ferrari den Sieg geschenkt. Der brave Peter Sauber hatte nur vor einem Angst. Dass sein Kandidat den gleichen Mist baut wie Maldonado eine Woche zuvor in Melbourne. "Ich mag gar nicht daran denken, dass mir einmal so etwas passiert", hat er mir vor dem Rennen gesagt.

Ich kann mich noch an ein Le Mans-Rennen vor 20 Jahren erinnern, als Peter Sauber Karl Wendlinger gesagt hat: "Fahren Sie bitte nicht zu schnell. Das Rennen dauert 24 Stunden." Er hatte Angst, dass ihm die jungen Wilden gleich in der Anfangsphase das Auto kaputtfahren.

Bei Sauber wird auch ein zweiter Platz gefeiert. Hinter dem Teampavillon türmte sich ein gewaltiger Berg geleerter Bierflaschen auf. Stichwort Bier. Das gab‘s für mich erst wieder auf dem Heimflug von Singapur nach Frankfurt. Auf die zwei Victoria Bitter in der Qantas-Maschine habe ich mich schon den ganzen langen Sonntagabend gefreut.

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