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F1-Tagebuch 2012 (Teil 20): Brasilien: Samba-Finale mit Schumi-Abschied

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 20: GP von Brasilien.

In Sao Paulo begann das große Finale mit einem Tag Verspätung. Nachdem mich United Airlines eine Nacht länger in Houston festgehalten hatte, kam ich erst am Donnerstagnachmittag an die Strecke. Zum Glück hatte Miran Alisic vom slowenischen Fernsehen noch einen Platz in seinem Fiat 500 frei und gabelte mich auf. Kollege Michael Schmidt, der normalerweise den Chauffeur spielt, war ja bereits einen Tag früher angereist.

Am brutalen Verkehr konnte aber auch Miran nichts ändern. Trotz automobiler Nahkampfausbildung auf den Straßen Ljubljanas und entsprechendem Durchsetzungsvermögen hinter dem Lenkrad kamen wir einfach nicht voran. Die 20 Millionen-Einwohner Metropole hielt uns gefangen. Als ich nach gefühlten Tagen doch noch das Fahrerlager erreichte, wurde ich von vielen Kollegen mitleidig empfangen. Meine Odyssee hatte sich bereits herumgesprochen.

Jubiläums-Feier mit Formel 1-Legenden

Erst das Abendessen konnte mich wieder aufheitern. Die legendären brasilianischen Churrascarias (Steakrestaurants) sind alleine schon die Reise nach Südamerika wert. Für einen überschaubaren Preis bekommt man so viel Fleisch wie man will. Beste Qualität. Immer frisch gegrillt. Per Spieß an den Tisch gebracht. Genau das richtige für mich. Nachschub nicht stoppen. Gemüse ist nicht so mein Ding.

Nach dem Aufwärmprogramm am Donnerstag ging es am Samstag gleich noch einmal zum Rinder-Wahnsinn am Spieß. Michael Schmidt und unser Fotograf Daniel Reinhard hatten ein kleine Runde eingeladen. Anlass für die Feier war das 500. Grand Prix-Jubiläum der beiden Fahrerlager-Legenden. Ich kam mir mit meinen 55 Rennen ziemlich armselig vor, als die vielen Größen des Sports neben mir an der Tafel Platz nahmen.

Bernie Ecclestone kam mit seiner Frau, Rennleiter Charlie Whiting hatte FIA-Assistent Herbie Blash im Schlepptau. Zur vollständigen Brabham-Wiedervereinigung von 1979 fehlten damit nur noch die Piloten Nelson Piquet und Niki Lauda - die kamen natürlich auch. Dazu noch alte Freunde der beiden Jubilare wie z.B. Peter Sauber, Mark Surer, Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer oder Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Später ließen sich auch noch Martin Brundle und Ross Brawn zu einem kleinen Bierchen blicken.

Natürlich wurde viel über die alten Zeiten erzählt. Schade dass dabei kein Aufnahmegerät mitlaufen durfte. Die Storys sind teilweise so verrückt, die würde kein Mensch glauben. Nur ein legendäres Beispiel: Weil Ecclestone die Verträge immer einkassierte ohne den Piloten eine Kopie zu geben unterschrieb Piquet seinen Brabham-Vertrag einfach mit dem Namen "Ayrton Senna", ohne dass der F1-Boss etwas davon mitbekommen hat. So oft lässt sich Bernie bekanntlich nicht übers Ohr hauen. Damals fand er es nicht so lustig. Heute kann er selbst drüber lachen.

71 spannende Runden beim Finale

Nach der kleinen Feier am Samstag stand am Sonntag dann auch noch ein kleines Formel 1-Rennen auf dem Programm. Es war Schumis Abschied. Zur Erinnerung habe ich mir vorher noch schnell den Fahrerlager-Pass unterschreiben lassen. Außerdem musste ja noch die WM entschieden werden. Die ganze Woche war Dauerregen für das große Finale angekündigt worden, doch auf der Anfahrt war am Sonntag davon noch nichts zu sehen.

Der Vormittag verlief hektisch. Ich hatte schon in der Vorwoche in Austin alles für einen Vettel-Triumph vorbereitet. Das Weltmeisterporträt mit den besten Bilder seiner Karriere und die Fotos der aufregenden dritten Titelsaison mussten nun allerdings für das Finale umgeschrieben werden. Die Startplätze sahen nach einer klaren Sache aus. Ich verzichtete deshalb, das gleiche Programm auch für Alonso zu präparieren. Das wäre allerdings beinahe in die Hose gegangen.

Schon in der Startaufstellung spürte man die ersten leichten Tropfen auf der Haut. Es lag etwas in der Luft. Auf dem Wetterradar der Teams war aber noch nichts von Niederschlägen zu erkennen. "No rain expected in the next 30 minutes" stand da in großen Lettern. Meteo France sollte sich wieder mal irren. Einige Ingenieure nennen den F1 Wetterdienst deshalb auch "Meteo Chance", was so viel heißt wie Meteo Zufall.

Kurz bevor die Ampel erlosch sagte ich noch zu Kollege Schmidt: "Pass auf, gleich krachts bei Vettel." Und so kam es auch. Wie viele Millionen Zuschauer an den Fernsehern dachte ich bereits, dass alles vorbei sei. In Gedanken legte ich schon neue Galerien mit Alonso-Highlights an. Doch dann bewegte sich der Red Bull plötzlich wieder. Am Ende wurde es zu einem der besten Formel 1-Rennen, das ich je sah. Spannung, Dramatik, Crashs, Regen, Überraschungen - da war alles drin. Und das beim großen Finale. Der Wahnsinn.

Autonis 2014

Rennsieger Button wird zur Randnotiz

Um gute Geschichten musste man sich an diesem Tag nicht bemühen. Praktisch jeder Pilot hatte nach dem Rennen eine gute Story zu erzählen. Die Recherche im Fahrerlager fand im strömenden Regen statt. Natürlich mussten wir auch noch Schumi gebührend verabschieden. Nico Hülkenberg, der beinahe mit einem Husarenritt den ersten Sieg geerntet hätte, war ebenfalls einer der Hauptdarsteller.

Lewis Hamilton wurde zur tragischen Figur. Rennsieger Jenson Button war schon fast nur noch eine Randnotiz. Genau wie Timo Glock und sein Marussia-Team, das im Kampf um Rang zehn in der Teamwertung kurz vor Schluss noch von Caterham abgefangen wurde. Der große Strahlemann des Tages war natürlich Sebastian Vettel. In der offiziellen Pressekonferenz legte der 25-Jährige seitenlange Monologe hin.

Dass er dabei andeutete, Ferrari habe im WM-Kampf unfair gespielt, konnte ich nicht nachvollziehen. In der Stunde des großen Triumphes muss man nicht noch auf den Verlierer drauftreten. Aber das zeigt nur, wie stressig und emotional die letzten Monate für den Heppenheimer waren.

Wird die WM am grünen Tisch entschieden?

Schon kurz nach dem Rennen kamen erste Diskussionen zum Thema gelbe Flaggen auf. Im TV-Bild waren die Szenen nicht genau zu sehen. FIA-Pressesprecher Matteo Bonciani konnte oder wollte mir auch nicht weiterhelfen. "Die Sachlage war eindeutig", erklärte er mir auf die Frage, warum es denn nicht einmal eine Untersuchung der strittigen Szenen gegeben hatte. Wie sich später herausstellte, war es doch nicht so eindeutig. Die Story sollte uns noch einige Tage beschäftigen.

Um 0.30 Uhr war die Saison dann für uns vorbei. Nur drei tapfere Japaner saßen noch im Pressezentrum, als wir die Strecke verließen. Am Montag wartete der Flieger in die Heimat. Viel Zeit zur Entspannung blieb auch in diesem Winter nicht. 71 Tage nach der Zieldurchfahrt in Sao Paulo geht es in Jerez schon wieder mit den Wintertests los.

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