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F1-Tagebuch 2012 (Teil 5): Spanien

Williams-Party mit Knalleffekt

GP Tagebuch 2012 Spanien Foto: dpa 20 Bilder

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 5: GP Spanien.

07.12.2012 Tobias Grüner

In diesem Jahr haben wir in Barcelona leider mit einer schönen alten Tradition gebrochen. Früher sind wir regelmäßig mit dem Auto ans Mittelmeer gefahren. Die unterhaltsame Tour durch die Schweiz und Frankreich mit den Kollegen Michael Schmidt und Roger Benoit vom Schweizer Blick wurde immer zu einem unterhaltsamen Abenteuer, bei dem genug Zeit für jede Menge Grand Prix-Anekdoten blieb. Nachdem der Abstand zum folgenden Rennen in Monte Carlo aber auf zwei Wochen vergrößert wurde, lohnte sich die Anreise auf vier Rädern nicht mehr.

Mit dem Mini unterwegs im Seat-Land

Ein Germanwings-Ticket war schnell gebucht. Kollege Schmidt, ein bekennender Billigflieger-Verächter, kam mit der Swiss-Maschine parallel nach Katalonien. Leider dockten beide Flugzeuge an unterschiedlichen Terminals an, weshalb er mich mit dem Mietwagen abholen musste. Der Anblick unseres Barcelona-Mobils erwies sich als freudige Überraschung. Ich wusste gar nicht, dass Mietwagenstationen den Mini Countryman überhaupt im Angebot hatten. Und dann noch nagelneu mit 25 Kilometern auf der Uhr. Besser als die üblichen Ibizas oder Toledos.

An der Strecke wurde wie jedes Jahr beim Europa-Auftakt zunächst nach den Motorhomes geschaut. Die Tempel der Teams kommen in Barcelona traditionell zum ersten Mal in der Saison zum Einsatz. Große Veränderungen gab es aber nicht. Nur HRT hatte einen neuen zweistöckigen Bau errichten lassen. Bei Lotus hatte man nun Solarzellen auf dem Dach. Das war es auch schon. Etwas enttäuschend.

F1-Technik ist das vorherrschende Thema

Der zweite Gang führte in die Boxengasse. Nach dem Übersee-Auftakt hatten fast alle Teams große Technik-Updates angekündigt. Vor allem das Thema Auspuff war in dieser frühen Phase der Saison sehr interessant. Force India zeigte sich hier mal wieder besonders schnell im Kopieren. Auch Ferrari war mit einer neuen Aerodynamik im Heck unterwegs.

Sonst gab es zunächst nicht viel Erwähnenswertes. Zusammen mit einigen Wintertests war es bereits mein siebter Besuch auf dem Circuit de Catalunya. Weder die Strecke selbst noch die Umgebung in den kargen Vororten Barcelonas sorgen für eine besondere Stimmung. Nur das spanische Essen in den kleinen Bars ist etwas, worauf man sich freuen kann.

Das Qualifying endet mit Überstunden

Am Samstag gab es dann aber sportlich etwas Aufregendes zu berichten. Pastor Maldonado fuhr im Qualifying überraschend auf die Pole Position. Der Williams hatte bei den Testfahrten immer mal wieder sein Potenzial angedeutet, aber damit hatte nun wirklich niemand gerechnet.

Für uns wurde es leider ein längerer Tag. Lewis Hamilton war nach seiner schnellen Q3-Runde mit leeren Tanks stehengeblieben. Genauer gesagt befanden sich noch 1,3 Liter im Tank. Das hätte aber nicht für die Fahrt zurück an die Box gereicht. Dass den Briten eine Strafe treffen würde war klar. Aber wie die aussehen würde, darüber diskutierten die FIA-Stewards ewig. Am Ende wurden Hamilton alle Zeiten gestrichen. Er durfte aber wenigstens am Ende des Feldes starten.

Die Meldung von der Rückversetzung Hamiltons und der Pole Position Maldonados fiel mitten in die Feier von Frank Williams. Der Rollstuhlgeneral hatte zu seinem 70. Geburtstag eine kleine Party im Williams-Motorhome vorbereitet. Sein Pilot machte ihm das schönste Geschenk.

Erst Williams-Sieg dann Feueralarm

Die Williams-Party ging auch am Sonntag weiter. Entgegen aller Experten-Prognosen konnte Pastor Maldonado tatsächlich dem Druck von Fernando Alonso standhalten, dessen Ferrari mit dem neuen Auspuff immerhin deutlich konkurrenzfähiger war als noch in den ersten vier Rennen. Die Freude im Camp des Venezolaners war nach seinem ersten Grand Prix-Sieg entsprechend groß. Für Williams war es der erste Erfolg seit 2004.

Das böse Ende folgte aber nur wenig später. Ich befragte gerade Lotus-Mitbesitzer Gerard Lopez, warum es trotz des ultraschnellen Autos wieder nur zu den Plätzen drei und vier reichte, da kam plötzlich Panik im Fahrerlager auf. Irgendjemand schrie Feuer. Und dann sah ich auch schon die Rauchwolke über dem Boxengebäude.

Wie die meisten anderen auch, versuchte ich mich in die entgegengesetzte Richtung in Sicherheit zu bringen. Doch der beißende Rauch, der einem die Tränen in die Augen trieb und Hustenanfälle auslöste, war so heftig, dass ich durch die erste Tür in das McLaren-Motorhome flüchtete. Auf den Bildschirmen lief dort gerade die Live-Berichterstattung von Sky. Auf den Bildern aus der Boxengasse konnte man erkennen, dass das Feuer ausgerechnet aus der Williams-Box kam.

Williams-Team entgeht nur knapp einer Katastrophe

Als sich der Rauch verzogen hatte, galt es natürlich herauszufinden, was passiert war und ob es Verletzte gab. Die ganze Situation war unübersichtlich. Überall rannten Teammitglieder mit Feuerlöschern und Schläuchen herum. Bei aller Recherche musste man natürlich aufpassen, dass man die Helfer nicht behinderte. Schnell wurde der Bereich rund um den Hintereingang der Williams-Garage abgesperrt. Journalisten wurden weiträumig vom Unfallort ferngehalten.
 
Ich einigte mich mit dem Kollegen Schmidt darauf, dass ich aus dem Pressezentrum direkt eine Meldung auf unserer Webseite absetze und er im Fahrerlager weitere Infos zusammensammelt. Schnell kamen die ersten Bilder über die Agenturen. Im Minutentakt mussten wir unsere Story mit neuen Fotos und Details updaten.
 
Am Ende stellte sich heraus, dass eine Tankanlage explodiert war - nur wenige Minuten nach dem großen Teamfoto mit dem Siegerpokal vor der Garage. Ein Williams-Mechaniker wurde etwas schlimmer verletzt. Die meisten Helfer kamen mit Reizungen der Atemwege davon und konnten zum Glück nach einigen Untersuchungen das Medical Center schnell wieder verlassen.
 
Eigentlich hatte die Formel 1 zu diesem Zeitpunkt genügend Storys zu bieten. Auf den Knalleffekt zum Abschluss hätten wir alle verzichten können. Die Uhr zeigte schon wieder nach Mitternacht, bis alle Geschichten rund um das Rennen im Netz waren. Um neun Uhr am Montag ging auch schon wieder mein Billigflieger in die Heimat.

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