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GP Monaco

F1-Tagebuch 2012 (Teil 6): Monaco: Car-Spotting an der Cote d'Azur

GP Tagebuch 2012 Monaco

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 6: GP Monaco.

Monaco ist immer eine Reise wert. Wenn auch noch zufällig der Grand Prix im Fürstentum gastiert, dann lohnt sich der Ausflug an die Cote d'Azur besonders. Vor dem Formel 1-Rennen hätte ich allerdings gerne noch ein paar Tage Entspannung eingelegt. Nach den F1-Testfahrten in Mugello, dem Grand Prix in Barcelona und dem 24h-Rennen am Nürburgring an den Wochenenden zuvor, war mein Akku schon nicht mehr ganz auf voller Power.

Auf Schnappschuss-Jagd in der St. Devote-Kurve

Doch schon die Anreise änderte das. Mit dem gemütlichen Testwagen - Opel Astra Kombi - ging es von Stuttgart in Richtung Mittelmeer. In Zürich wurde noch Kollege Roger Benoit vom Schweizer Blick eingeladen, der als Ausgleich für den Chauffeur-Service die Tank- und Mautrechnungen übernehmen durfte. Kaum waren wir aus den Alpen raus, begann auch schon der Himmel aufzureißen. Es erwarteten uns fünf Sonnentage, was die Arbeit deutlich angenehmer machte.

Auch in meinem vierten Monaco-Jahr hatte ich mich immer noch nicht an den verrückten Zeitplan gewöhnt. Pressetag am Mittwoch. Freies Training am Donnerstag. Freitag frei - zumindest in der Theorie. In der Praxis nutze ich die Zeit immer zu meinem Lieblings-Hobby: "Car-Spotting". Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Dichte an Supersportwagen und Luxus-Karossen höher als in den Gassen von Monte Carlo. Zum Grand Prix lassen die Superreichen ihre Spielzeuge besonders gerne von der Leine.

Die beste Stelle für die Jagd ist traditionell die St. Devote-Kurve. Hier biegt die Straße hoch zum Casino ab. Und hier ist praktisch immer Stau. Auch die schnellsten Autos fahren hier nur mit Schritttempo vorbei und sind somit leichte Beute für meine Kamera. Schon auf der Zielgeraden fährt mir das erste Opfer vor die Flinte. Ich muss gestehen, dass ich den Koenigsegg Agera ohne den Schriftzug auf der Flanke wohl gar nicht erkannt hätte. So einen Exoten erlegt man auch in Monaco nur sehr selten.

Lotus-Team löst Foto-Rätsel

Als meine Car-Spotting-Story eine Woche später veröffentlicht wird, sorgt aber ein anderes Modell für die meiste Aufregung bei den Lesern. Ein VIP-Shuttle mit dem Genii-Logo auf der Tür entpuppt sich als schwer zu knackendes Auto-Rätsel. Auch eine spontane Facebook-Umfrage bringt keine Lösung. Erst eine Anfrage beim Lotus-Team, zu dem der Großraumkombi offenbar gehörte, bringt Aufklärung. Es war ein elektrisches Metro Cab vom britischen Kleinserienhersteller Frazer Nash, das mir vor der Nase herumgefahren ist. Darauf muss man erstmal kommen.

Nach den üblichen Presserunden im viel zu engen Fahrerlager von Monaco endet schon der Mittwoch verrückt. Pirelli hat zur Kochstunde in sein Motorhome eingeladen. Romain Grosjean und Jenson Button brutzelten beim Reifenhersteller effektreiche Gerichte unter professioneller Anleitung. Große Köche werden die beiden Piloten wohl nicht mehr. Für die Fotografen gab es aber immerhin ein paar ungewöhnliche Bilder. Mehr war von den Marketing-Managern auch gar nicht gewollt.

Schumacher überrascht mit Qualifying-Bestzeit

Am Donnerstag fuhren dann endlich ein paar Formel 1-Autos auf der Piste. Die ganz große Action wurde dabei aber noch nicht geboten. Das Training verlief ohne große Höhepunkte. Aber langweilig wird es in Monaco bekanntlich nie. Am Freitag wurde es plötzlich laut im Fürstentum. Renault schickte eine spektakuläre Alpine-Studie auf die Strecke, die der Formel 1 in Sachen Sound in nichts nachstand. Dagegen sah sogar der oben erwähnte Koenigsegg alt aus.

Am Freitagabend gab es dann noch die traditionelle Modenschau mit Formel 1-Stars, die wir aber immer den Kollegen der Boulevard-Medien überlassen. Mehr Interesse weckte bei uns die völlig unerwartete Bestzeit von Michael Schumacher im Qualifying am Samstag. Damit konnten wirklich nur die härtesten Schumi-Fans rechnen. Dummerweise hatte sich der Rekordchampion beim Rennen in Barcelona zwei Wochen zuvor eine Strafe von fünf Startplätzen eingehandelt. Und so war die Freude nur von kurzer Dauer. Romain Grosjean besiegelte das Schicksal des Rekordweltmeisters mit einer Kollision auf dem Weg in die erste Kurve.

Im Tiefschlaf zurück in die Heitmat

Bei Sebastian Vettel lief es genau andersherum. Der Heppenheimer landete in einem verkorksten Qualifying nur auf Rang zehn, konnte sich im Rennen aber mit einer guten Taktik noch auf Rang vier nach vorne arbeiten. Gegen Teamkollege Webber sowie Nico Rosberg und Fernando Alonso blieb Vettel allerdings machtlos. Eigentlich war der Silberpfeil das schnellste Auto im Rennen. Doch wieder einmal zeigte sich, dass man in Monaco nicht überholen kann. Auch ein kleiner Regenschauer in den Schlussrunden brachte das Klassement nicht mehr durcheinander.

Wie immer düsten wir noch Sonntagnacht zurück in die Heimat, um montagfrüh wieder im Büro am Schreibtisch zu sitzen. Von der Fahrt habe ich ehrlich gesagt nicht mehr viel mitbekommen. Auf der Rückbank habe ich nur noch geträumt. Zum Beispiel von den vielen Stars, die am Sonntag ins Fahrerlager strömten. Unter anderem ließen sich Will Smith, Antonio Banderas, George Lucas und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft blicken. Oder von der feucht-fröhlichen Red Bull-Party auf dem Sonnendeck des Motorhomes. Oder vom Verkehrschaos in den viel zu engen Gassen. Dabei freute ich mich schon wieder aufs nächste Jahr.

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