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F1-Tagebuch 2012 (Teil 9): England: Im Samba-Bus auf Schleichwegen

Im Formel 1-Tagebuch geben die auto motor und sport F1-Reporter einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Grand Prix-Sports und lassen die Saison 2012 noch einmal Revue passieren. Teil 9: GP von England.

Nachdem ich das Rennen in Valencia zu einer kleinen Formel 1-Pause genutzt habe, ging die Saison für mich in Silverstone weiter. Bei der Landung in London am Mittwoch vor dem Grand Prix kam spontanes Olympia-Fieber auf. Überdimensional schwebten die fünf Ringe unter der Decke des Terminals. Ein Blick auf den kleinen Monitor im Mietwagen-Shuttle verhieß aber nichts Gutes für das Wochenende. Die Wettervorhersage versprach jeden Tag Regen.

Mit dem Kia Richtung Gummizelle

Die Mietwagen-Abholung erfolgt bei Hertz am Flughafen Heathrow besonders einfach. Auf einem großen Bildschirm standen die Namen der Reservierungen und die Parkplatznummer. Dann muss man sich nur noch reinsetzen und losfahren. Auf unserem Platz (Nummer 2 - ganz vorne) stand ein kleiner grauer Kia parat. Ich hatte schon schlimmere Autos - aber nicht viele.

Auf dem Weg nach Silverstone traf uns schon der erste Schauer. Es sollte nicht der letzte bleiben. Der Donnerstag lief allerdings noch relativ trocken ab. Die umgebaute Boxenanlage auf der modernisierten Strecke ist immer wieder beeindruckend. Das Pressezentrum mit seiner komplett weißen Einrichtung und seinen fensterlosen Wänden leider auch. Bleibt man zu lange sitzen, wird man hier wahnsinnig.

Also schnell in die Boxengasse, die mit ihrer Rasenfläche einzigartig ist. Überall waren die Teams noch mit dem Aufbau der Rennwagen beschäftigt. Bei Red Bull konnte man aber schon erkennen, dass die Autos in England im neuen Look unterwegs waren. Als Gegenleistung für eine Charity-Spende konnte man sich auf dem Chassis verewigen. Es war schwer, die Augen von dem riesigen Mosaik zu nehmen. An allen Ecken und Enden gab es lustige Bilder zu entdecken.

Schon am Donnerstag gab es viel zu entdecken. Über dem alten Militärflugplatz drehten Doppeldecker im Kunstflug ihre Runden. Der TV-Sender RTL hatte eine Queen-Doppelgängerin organisiert, die im Golf-Kart durchs Fahrerlager kutschiert wurde und freundlich winkte. Zu sehen gab es erstmals auch ein neues Podium. Seit dem GP England sind links und rechts neben den drei Erstplatzierten alle Weltmeister per Name und Unterschrift verewigt.

Dauerregen führt zu Verkehrschaos

Das Wochenende schien gemütlich seinen Gang zu nehmen. Doch am Freitag brach plötzlich Chaos aus. Da wir uns den Mietwagen teilen, streiten Kollege Michael Schmidt und ich immer über die Abfahrtszeit. Er will tendenziell immer früher los als ich. Vor dem Freien Training gab ich mich geschlagen. Zum Glück. Denn auf der Autobahn in Richtung Rennstrecke ging plötzlich gar nichts mehr. Absoluter Stillstand.

Kollege Schmidt, der schon seit 30 Jahren in Silverstone Formel 1-Rennen besucht, verzweifelte hinter dem Lenkrad. Er hätte einen Kreisel vor der Autobahn-Ausfahrt irgendwie anders abbiegen und über einen Schleichweg fahren können. Nun standen wir aber mitten drin im Schlamassel. Aus dem Stau gab es scheinbar kein Entrinnen. Nach einer halben Stunde hatten wir uns zwei Kilometer vorwärts bewegt. In der Ferne war eine Ausfahrt zu erspähen. Wir wussten zwar nicht, wo die hinführt, es war aber unsere einzige Alternative.

Und so ging es über Felder, durch Wälder und kleine englische Käffer irgendwie in Richtung Strecke. Ich erinnere mich noch gut, dass ich um 9.46 Uhr den Computer angemacht habe. Um 9.50 Uhr startet traditionell unser Live-Ticker. Das war eng. Zu diesem Zeitpunkt war es allerdings recht einsam im Pressezentrum. Viele Kollegen hatten es nicht geschafft. Die Truppe von der Bild-Zeitung kam zum Beispiel erst am Nachmittag.

Irgendwann erfuhren wir dann auch den Grund für das unvorhersehbare Verkehrschaos. Die Veranstalter hatten die Wiesen rund um die Strecke gesperrt. Aus Angst, dass sich die Autos auf den durchgeweichten Stellplätzen einbuddeln, durften nur die befestigten Parkmöglichkeiten genutzt werden. Die wenigen Zufahrten waren natürlich schnell komplett überlastet. Traditionell ist Silverstone an allen Tagen ausverkauft.

IOC-Präsident kommt zu Besuch

Die Zuschauer, die es trotz Chaos rechtzeig auf die Tribünen schafften wurden bitter enttäuscht. In Regen und Kälte warteten sie verzweifelt auf etwas Action. Aber aus Angst vor Ausrutschern verzichteten die Teams auf jeglichen Fahrbetrieb. Den Live-Ticker hätten wir uns also sparen können. Wenigstens die Journalisten wurden etwas unterhalten. Bernie Ecclestone kam zusammen mit dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, in den Pressesaal, um ein paar Wortspenden zu geben.

Am Nachmittag hatte ich noch ein kleines Interview mit Jenson Button. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir am Fenster des McLaren-Motorhomes saßen, als sich die Wolken plötzlich verzogen und die Sonne strahlte. Auch der Lokalmatador konnte nur noch den Kopf über das britische Sommerwetter schütteln.

Regen verhagelt das Quali-Ergebnis

Vor der Fahrt am Samstag zur Strecke brauchte ich mich gar nicht lange bemühen, den Abmarschtermin nach hinten zu diskutieren. Die Sonne war noch längst nicht aufgegangen, als wir uns auf den Weg machten. So früh war sicher niemand unterwegs, dachte ich mir. Schon gar nicht auf den Schleichwegen rund um Silverstone. Doch kurz vor der Rennstrecke trafen wir schon wieder auf einen kleinen Stau, der uns aber nur 15 Minuten kostete.

Mit Sonnenschein war es auch schon längst wieder vorbei, was sich auch im Quali-Ergebnis widerspiegelte. Im strömenden Regen fuhr Alonso auf die Pole Position. Schumacher kam ebenso überraschend auf Startplatz drei. Grosjean hatte seinen Lotus zwar in das Top Ten-Qualifying gebracht, bei der Rückkehr in die Boxen rutschte der Franzose jedoch ins Kiesbett. Button erwischte es noch schlimmer. Er verpasste auf Rang 18 erstmals den Einzug ins Q2. McLaren-Teamkollege Hamilton hatte auf Rang acht ebenfalls Grund zur Klage.

Am Samstagabend saßen wir noch mit dem erfahrenen TV-Produzenten Jamie Britto vom brasilianischen Sender Globo zusammen bei einem Bier im Hotel. Er versprach mir, dass er einen Schleichweg kennt, auf dem es garantiert keinen Stau gibt. Da Kollege Schmidt schon wieder mitten in der Nacht abrücken wollte, entschied ich mich am nächsten Tag fremdzugehen. So konnte ich endlich mal wieder gemütlich ausschlafen, bevor wir die Fahrt im Samba-Bus (Minivan mit fünf Brasilianern) über einen besseren Feldweg antraten.

Dusche aus der Klimaanlage

Es war wirklich unglaublich. Ich verlor komplett die Orientierung. Aber am Ende kamen wir irgendwo am anderen Ende der Strecke raus. Wir mussten nur noch kurz an einer Kreuzung warten und schon ging es auf das Streckengelände. Ohne größere Verzögerungen.

Das Rennen war trotz trockener Piste deutlich spektakulärer als die Anfahrt. Alonso und Webber duellierten sich um den Sieg - mit dem besseren Ende für den Australier. Für etwas Aufregung sorgte Kamui Kobayashi, der bei der Anfahrt zum Reifenwechsel die halbe Boxencrew über den Haufen fuhr. Der Krankenwagen musste ausrücken.

Während es auf der Strecke den ganzen Tag trocken blieb, wurde es am Abend im Pressesaal plötzlich feucht. Genau über meinem Platz war eine Leitung der Klimaanlage geplatzt. In einem Raum für 300 Menschen. Wie viel Pech muss man haben? Vielleicht sollte ich Lotto spielen, dachte ich, als ich die milchig klebrige Flüssigkeit von meinem Notebook und meiner Maus abwischte. Meine Unterlagen konnte ich wegwerfen. Ohne Dusche ging es anschließend direkt von der Strecke nach London. Eine kurze Nacht im Flughafenhotel und schon saß ich wieder im Flieger Richtung Heimat.

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Tobias Grüner
Von am 11. Dezember 2012
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