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F1 Tagebuch Abu Dhabi 2013

Montezumas Rache

Formel 1-Tagebuch - GP Abu Dhabi 2013 Foto: Reinhard 24 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 17: GP Abu Dhabi.

18.12.2013 Bianca Leppert

Der Grand Prix von Abu Dhabi sollte mein persönliches Saisonfinale werden. Ich hatte bei meiner Ankunft am Flughafen in Dubai aber eher das Gefühl, mein gesundheitliches Finale stehe vor der Tür. Denn die Bauchkrämpfe, die sich schon vor dem Abflug in Indien bemerkbar gemacht hatten, wollten einfach nicht vorbei gehen - trotz zwei Tabletten Immodium akut. Völlig erschöpft schleppte ich mich zum Ausgang und suchte den Shuttle-Bus meiner Fluggesellschaft Emirates nach Abu Dhabi. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass uns das Thema Shuttle-Bus noch einmal Nerven kosten würde.

Plattfuß am Shuttle-Bus

Die Fahrt ins benachbarte Emirat dauerte rund eine Stunde und 45 Minuten. Nur wenige Kilometer vor dem Erreichen des Stadtzentrums machte der Bus plötzlich komische Wankbewegungen und Schleifgeräusche. Wir hatten einen Plattfuß vorne rechts. Wieder einmal. Dieses Phänomen kannte ich ja schon aus Indien. Nur fühlte sich das in einem Bus irgendwie unangenehmer an. Mir kam spontan der auf der Seite liegende LKW auf der indischen Autobahn wieder in den Sinn. Den Fahrer interessierte das herzlich wenig, er schien schon diverse Elch-Tests gemeistert zu haben.

Auf einem verlassenen Parkplatz an der Strandpromenade spuckte uns der Bus wieder aus. Weit und breit war nur ein Taxi zu sehen. Der Fahrer diskutierte wild mit zwei Einheimischen. Ich wollte nur noch ins Hotel, denn in meinem Bauch schien weiter ein Parasit sein Unwesen zu treiben und die Hitze bekam mir auch nicht gerade gut. Irgendwann beendete das Trio seine Diskussion und der Taxifahrer bot mir an, mich mitzunehmen. Allerdings nicht nur mir. Auch einer der Einheimischen setzte sich ins Auto. Wir drehten zuerst eine Ehrenrunde zum Ziel des anderen Fahrgasts, dann brachte mich mein Chauffeur endlich zum Hotel.

Mit 39 Grad Fieber im Bett

Ich dachte mir: Jetzt habe ich es geschafft. Nach gefühlten 12 Stunden würde ich mich hinlegen können. Falsch gedacht. Weil ich schon um 10 Uhr im Hotel ankam, war mein Zimmer noch nicht fertig. Ich kauerte nochmal eine Stunde in einem Sessel in der Lobby, bis ich meine Zimmerkarte bekam. Den restlichen Tag verbrachte ich nur im Bett. An Aufstehen war nicht zu denken.

Mit Mühe und Not würgte ich am späten Abend ein bisschen weißen Reis herunter, den ich mir vom Zimmerservice bringen ließ. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Das Wasser und die paar Dosen Cola aus der Minibar waren aufgebraucht. Ich musste mich nicht wundern, warum es mir so schlecht ging. Das Fieberthermometer lieferte die Erklärung: 39 Grad.

Der nächste Tag verlief ähnlich. Ich ging am Nachmittag nur kurz zum Supermarkt nebenan, um mir ein bisschen Wasser zu kaufen. Den Rest des Tages stierte ich die Decke an und vegetierte vor mich hin. Da war es auch kein großer Trost, via Skype von Kollege Schmidt zu hören: "Tja, das kommt davon, wenn man länger als nötig in Indien bleibt." Er wusste noch nicht, wie dreckig mir es wirklich ging.

Eigentlich waren wir am Abend zum Essen verabredet, doch ich war noch komplett neben der Spur. Am nächsten Tag stand der erste Besuch der Strecke an. Weil ich immer noch Fieber, starke Bauchschmerzen und Durchfall hatte und am Morgen mit klitschnassen Haaren aufgewacht war, beschloss ich morgens um 6 Uhr zum Arzt zu gehen. Nach den zwei Malaria-Fällen aus dem vergangenen Jahr wollte ich auf Nummer sicher gehen. Die Hotelangestellten schickten mich mit dem Taxi ins nur fünf Minuten entfernte Krankenhaus.

Infusion im Krankenhaus

Der Bluttest fiel glücklicherweise negativ aus. Stattdessen hing ich für eineinhalb Stunden an einer Infusion, um meinen Flüssigkeitshaushalt wieder aufzupäppeln. Ich war nicht die einzige: Neben mir lag noch ein weiterer Europäer mit Fieber und Durchfall. Während ich in der Notaufnahme verweilte, hatte ich  genug Zeit, mir meine Umgebung mal näher anzuschauen.

Bis auf den Unterschied, dass meine behandelnde Ärztin ein Kopftuch trug und ich die Kosten für die Behandlung mit der Kreditkarte vorstrecken musste, konnte ich keine großen Überraschungen ausmachen. Okay, die Decke bröckelte ein wenig, aber alles in allem lief es wie bei uns. Die Magen-Darm-Spezialistin verschrieb mir noch Antiobiotika und Medikamente gegen die Bauchkrämpfe und schon war ich wieder entlassen. Ich hatte mir wohl einen Virus eingefangen.

Weil es mir am Mittag schon wieder etwas besser ging, und sich Kollege Grüner im fernen Deutschland ein paar freie Tage genehmigte, wollte ich Michael Schmidt nicht an der Strecke alleine arbeiten lassen und schnappte mir nach einem kurzen Besuch bei der Apotheke das nächste Taxi in Richtung Fahrerlager. Im Pressezentrum wurde ich von besorgten Kollegen empfangen. Es hatte sich bereits rumgesprochen, dass ich im Krankenhaus war. Und wie ich hörte, hatte es auch andere Journalisten und Teammitglieder erwischt.

Auf Weißbrot-Cola-Diät

Die Gesprächsthemen im Fahrerlager: Na, wie hoch war dein Fieber? Warst du auch im Krankenhaus? Welches Antibiotika nimmst du? Dabei stellte sich heraus, dass die Formel 1 keineswegs so egoistisch und anonym ist, wie man sich vielleicht denken mag. Jeden Tag erkundigten sich Kollegen nach meinem Befinden und boten ihre Hilfe an. Wenn es darauf ankommt, kann die Formel 1 eng zusammenrücken. Zwei Tage später konnte ich meine Weißbrot-Cola-Diät auch schon wieder absetzen und zum normalen Essen übergehen.

Sportlich tat sich nach dem Gewinn des vierten Titels von Sebastian Vettel eine Woche zuvor nicht mehr viel. Im Mittelpunkt des Interesses standen eher die nicht bezahlten Gehälter von Nico Hülkenberg und Kimi Räikkönen. Der Finne spielte am Donnerstag nach den kontroversen Funksprüchen in Indien beleidigte Leberwurst und erschien erst gar nicht. Am Freitag ließ sich der Iceman dann doch noch blicken, erzählte aber, dass er kurz davor war, das Rennen sausen zu lassen. Eine Rückversetzung ans Ende des Feldes nach einem nicht bestandenen Tests des Unterbodens und ein Rennen, das nur bis zur ersten Kurve dauerte, dürfte ihm den Rest gegeben haben.

Warten auf den Shuttle-Bus

Vettel gewann mit 30,8 Sekunden Vorsprung. Wir schufteten am Sonntagabend noch bis um 1 Uhr, dann waren alle Hintergründe des eher langweiligen Rennens erklärt. Wie an den anderen Abenden wollten wir mit dem "Schüttel-Bus" zurück zum Presseparkplatz. Das letzte Shuttle sollte um 2 Uhr fahren. 5 Minuten vergingen, 10 Minuten vergingen. Dann wurde Kollege Schmidt, der ohnehin schon von einem Bein aufs andere zappelte, ungehalten. Geduld ist nicht seine Stärke. Und außerdem wollten wir unbedingt noch einen Happen bei Pizza Hut ergattern.

Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg zurück. Auf halber Strecke kam uns der Kleinbus dann entgegen. Alle Erklärungsversuche gegenüber dem Fahrer, dass er auf dem Presseparkplatz doch auf niemanden mehr warten müsse, weil nun alle genau in die andere Richtung wollten, scheiterten kläglich. Immerhin entpuppte er sich als Fernando Alonso unter den Shuttle-Fahrern und fuhr uns in zackigem Tempo zum Parkplatz. So schafften wir es sogar noch rechtzeitig zum Nacht-Snack zu Pizza Hut. Diese Pizza hatten wir uns nach diesem Wochenende mehr als verdient.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Abu Dhabi gesammelt. 

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