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F1 Tagebuch Bahrain 2013

Beinahe-Absturz und fliegende Teppiche

Tagebuch - GP Bahrain 2013 Foto: Wilhelm 29 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 4: GP Bahrain.

05.12.2013 Bianca Leppert

Nach dem Grand Prix von China sollte es sofort weiter nach Bahrain gehen. Auf direktem Weg klappte das allerdings nicht. Noch vor dem Start der Maschine von Shanghai zu meinem Zwischenstopp in Abu Dhabi knackte ich weg. Als ich eine halbe Stunde später wieder aufwachte, kam mir alles verdächtig ruhig vor. Ich schob die Fensterläden nach oben und stellte fest: Wir stehen immer noch am selben Fleck am Gate. Irgendein defekter Computer im Cockpit musste ausgetauscht werden.

Flugzeug-Absturz im Traum

Mein Vordermann beschwerte sich lautstark in einer Sprache, die im weitesten Sinne arabisch klang, über die eineinhalbstündige Verzögerung. Der Steward machte dem Mann aber schnell klar, dass es keine gute Idee ist, mit einem zickenden Computer zu starten. So sehr ich auch genervt war, man musste ihm Recht geben.

Das Malheur verfolgte mich jedoch bis in den Schlaf. Ich träumte davon, wie ich in einem abstürzenden Flugzeug sitze. Und ich kann Ihnen sagen: Es ist definitiv kein erleichterndes Gefühl, aufzuwachen - und in einem Flugzeug zu sitzen! Es sollte jedoch alles gut gehen - naja, bis auf die Verspätung bei der Ankunft in Abu Dhabi.

Wie eine Furie hetzte ich aus dem Flieger und sprintete zum Ausgang. Dort schien ein Mitarbeiter des Bodenpersonals schon erkannt zu haben, wer die hektische Passagierin sein muss. "Sind Sie Bianca?", fragte er auf Englisch mit einem Grinsen. Mit hochrotem Kopf sagte ich: "Ja!" Er antwortete: "Sie müssen sich nicht beeilen, der Flieger ist eh schon weg. Sie wurden auf eine Maschine später gebucht." Ja, dann.

Regen in der Wüste

Eine halbe Stunde harrte ich am Transfer-Schalter aus, um mein neues Bordticket zu holen. Aber irgendwie hatte ich wohl die falsche Schlange erwischt. Man wies mir den Weg zum Schalter daneben an, wo keine Menschenseele wartete. Aber es war ohnehin keine Eile geboten. Der nächste Flieger nach Bahrain sollte erst vier Stunden später gehen, der Besuch an der Strecke und die dazugehörige Bildergalerie mit den ersten Impressionen fielen damit ins Wasser.

Im Wortsinn. Denn in Bahrain regnete es am Mittwoch und Donnerstag tatsächlich. Wenn auch nur kurz, aber Regen in der Wüste war dann doch etwas befremdlich. Ganz vertraut war uns am Donnerstag beim ersten Besuch auf der Strecke hingegen der so genannte "Gotthard-Tunnel". Jedes Mal wenn wir ins Fahrerlager gehen, müssen wir den kleinen Fußgänger-Tunnel passieren. Er hat seinen Spitznamen von Kollege Michael Schmidt schon vor ein paar Jahren bekommen.

Außergewöhnliche Teppiche

Bei der Pressekonferenz von Sebastian Vettel ging es weniger schweizerisch, als vielmehr orientalisch zu. Der Red Bull-Pilot beantwortete die Fragen der Journalisten vor der Red Bull-Hospitality auf einem orientalischen Teppich. Geflogen ist er darauf leider nicht, dafür fehlte vielleicht noch ein bisschen mehr Red Bull.

Apropos Teppich. Wie im vergangenen Jahr hatte der Teppichladen um die Ecke auch wieder das Afghanistan-Modell mit Kriegsmotiven im Angebot, für den man einen Waffenschein braucht. Bis auf den militanten Teppich schien es im Stadtzentrum aber ruhig zu sein - zumindest bekamen wir im Stadtkern nichts von den Unruhen mit, über die in den Tageszeitungen berichtet wurde. Lediglich ein paar Restaurants, die im Vorjahr noch geöffnet hatten, waren verriegelt - darunter der Lieblings-Chinese von Blick-Kollege Roger Benoit.

Eine Runde um die Strecke

Am Freitag musste mir Christian Horner im Interview Rede und Antwort stehen. Allerdings wurde ich von der Red Bull-Pressesprecherin vorher darauf hingewiesen, dass ich keine Fragen zu dem Vorfall zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber in Malaysia stellen dürfe. Das Thema sei ausgiebig behandelt und der Sachverhalt umfassend erklärt worden.

Ich dachte darüber nach, das Interview einfach abzusagen. Schließlich lässt man sich von Presseabteilungen nur ungern diktieren, was gefragt werden darf und was nicht. Ich entschied mich dann aber doch dafür, das Interview zu führen. Und Horner hatte auch nicht unbedingt Spaß, als er auf meine kritischen Fragen zu den Pirelli-Reifen eingehen und die jüngsten Missgeschicke an Mark Webbers Auto in China rechtfertigen musste.

Der Höhepunkt des Wochenendes wartete mit dem Streckenspaziergang am Samstagvormittag auf mich. Ein englischer Kollege lud mich ein, mit ihm eine Runde zu Fuß um den Kurs zu drehen und dabei die Autos zu beobachten. Ein außergewöhnliches Erlebnis, denn viel zu selten kommt man als Journalist aus dem Pressezentrum heraus und kann den Fahrern mit eigenen Augen bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Dabei ist es ja genau das, worüber wir eigentlich berichten.

Weil ich dieses Erlebnis voll und ganz genießen wollte, verzichtete ich sogar auf Ohrenstöpsel. Ich sah bei diesem Streckenspaziergang aber nicht nur, welchen Job die Fahrer erledigen, sondern auch wie hart die Fotografen schuften. Bei über 30 Grad Celsius mit der kompletten Ausrüstung um die Strecke zu laufen und dabei immer auf den Schuss des Wochenendes zu hoffen, ist echte Knochenarbeit.

Am Sonntag feierte Sebastian Vettel etwas überraschend seinen zweiten Saisonsieg. Denn am Freitag sah es noch nicht nach einer Vettel-Dominanz aus. Die war am Sonntag dafür umso größer. Weil die Arbeit nach dem Rennen meist noch bis in den späten Abend dauert, waren unsere Stammlokale alle schon geschlossen. Glücklicherweise, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn so entdeckten wir einen sensationellen Araber gleich um die Ecke. Den haben wir uns direkt für die kommende Saison wieder vorgemerkt.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Bahrain gesammelt.

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