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F1 Tagebuch Belgien 2013

Im A8 auf historischen Spuren

GP Belgien 2013 - Formel 1-Tagebuch Foto: xpb 25 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 11: GP Belgien - Im A8 auf historischen Spuren.

12.12.2013 Michael Schmidt

Die europäische Saison ist gnädig. Sie endet mit zwei Highlights. Erst Spa, dann Monza. Beides Lieblingsrennen von mir. Inmitten all der Retortenpisten fühlt man sich ins letzte Jahrhundert zurückversetzt. Wenn du die alte Rennstrecke abfährst, dann hast du immer das Gefühl auf den Spuren von Juan-Manuel Fangio oder Jim Clark zu wandeln.

Kollege Tobias Grüner und ich haben Glück. Wir "müssen" jeden Tag auf dem Weg vom Presseparkplatz zu unserem Hotel in Trois Ponts über einen Teil der alten Strecke fahren. In unserer Herberge mitten im Wald, bei der auch schon Navigationssysteme versagt haben, erwartet uns beste belgische Küche und das exzellente Leffe-Bier. Wir sind hier ganz gegen unsere Gewohnheit zu Halbpension verpflichtet. Fast wie im Urlaub.

Fahrt durch die Rennsportgeschichte

Zurück zum Dinosaurier unter den Rennstrecken. Vor der alten, 14,1 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke hatten alle Fahrer Fracksausen. 1969 wurde die Strecke boykottiert. Niki Lauda kennt sie nur vom 24 Stunden-Rennen im Tourenwagen. 1973 hätte er dort fahren sollen, hatte sich aber wegen einer Testfahrt in Watkins-Glen für B.R.M. krank gemeldet. "Mein Glück. Ich sollte das Auto von Hans-Peter Joisten fahren. Der ist bei dem Rennen tödlich verunglückt." Lauda gibt aber zu: "Wer hier mit einem Formel 1-Auto gefahren ist, hatte einen Nagel im Kopf."
 
Der Einstieg von der Landstraße am Rande der aktuellen Piste liegt im Scheitelpunkt der Les Combes-Kurve. Dann geht es in einem superschnellen Geschlängel den Berg hinunter Richtung Burnenville-Kurve. Vergessen Sie Eau Rouge. Dieser Rechtsbogen ist der Hammer. Führt bergab, ändert den Radius, hat im Scheitelpunkt eine Welle. Sturzraum? Eine rostige Leitplanke. Am Kurvenausgang ein Bauernhof, der aber zehn Meter tiefer liegt. Wer sich in der Kurve verspulte, drohte die Böschung runterzufallen. Es ist eines der berühmtesten Fotos der Rennsportgeschichte, wie der Cooper-Maserati von Joakim Bonnier beim GP Belgien 1966 halb über dem Abgrund hängt. Ein plötzlicher Regenguss hatte das halbe Feld von der Strecke gespült.

Wir fahren weiter durch den Rechtsbogen von Malmedy, wo Jackie Stewart seinen schwersten Unfall hatte. Links ist noch die provisorische Schikane erkennbar, die man für den letzten Grand Prix 1970 eingezogen hat. Nächstes Highlight ist die Schikane durch die Ortschaft Masta. Ortschaft ist übertrieben. Wir reden hier von vier Häusern. Nach dem Hollowell-Rechtsknick folgt die Steilkurve von Stavelot. Ich versuche mir vorzustellen, wie hier Pedro Rodriguez 1970 mit seinem B.R.M. durchgeheizt ist. Sein Siegerschnitt betrug stolze 241,919 km/h.

Spritztour über die alte Rennstrecke

Normalerweise biegen wir hier nach links Richtung Trois Ponts ab. Diesmal aber fahren wir am Tag der Ankunft weiter auf dem alten Straßenkurs. Es folgen zwei schnelle Linkskurven durch den Wald, dann zwei schnelle Rechtsbogen an einem Steinbruch vorbei. Alles Vollgas. Schon damals. Nach einer längeren Geraden stehen wir vor einem Tor. Hier mündet die alte in die neue Strecke.
 
Einen Tag später lädt Shell in ein Kino nach Malmedy ein. Die Mineralöl-Fritzen öffnen ihr Filmarchiv. Zum Vorschein kommen 25 Minuten des GP Belgien von 1955. Wir haben den Termin leider verpennt, uns aber die Filmaufnahmen besorgt. Man kann nur sagen: Sensationell. Wenn man sieht wie Fangio, Moss, Farina und Co durch die Highspeed-Kurven der alten Achterbahn driften, der muss den Hut ziehen vor den Helden der 50er Jahre. Wenn Sie, liebe Leser, den Film sehen wollen, folgen sie einfach dem >> YouTube-Link. Viel Spaß beim Anschauen.

Fahrerkarrussel beginnt sich zu drehen

Nach vier Wochen Sommerpause erwartet man eigentlich jede Menge News. Doch im Fahrerlager herrschte zunächst tote Hose. Red Bull weigerte sich Daniel Ricciardo als Teamkollege von Sebastian Vettel bekanntzugeben. Vettel verrät uns im Vertrauen, dass die Sache geritzt ist. Mark Webber plaudert es sogar öffentlich aus. Ein bisschen kindisch das Ganze. Wahrscheinlich waren sie bei Red Bull sauer, dass einige Zeitungen und Webseiten davon schon vor der offiziellen Bekanntgabe berichtet hatten.

Kimi Räikkönen fehlte am Donnerstag. Offiziell wegen Krankheit. Inoffiziell, weil er zu tief ins Glas geschaut hatte. Und tatsächlich, weil er keine Fragen beantworten wollte mit dem Tenor: Warum gehst du nicht zu Red Bull? Das musste er am Freitag dann nachholen. Wir glauben: Kimi ist für Red Bull einfach zu unseriös. Nur noch Lotus ist bereit, sich die Eskapaden des Finnen zu leisten. Das zeigt, wie verblendet dieser Zirkus ist. Räikkönen hat wahrscheinlich die größte Fan-Gemeinde im Zirkus. Weil er keine Rolle spielt, sondern sich so gibt wie er ist.
 
Die beste Geschichte am Donnerstag liefert der Asphalt. Kollege Grüner kommt mit Fotos an, die zeigen, dass von Startplatz 1 bis 11 Rillen in den Belag gefräst sind. Ich suche Vettel und Charlie Whiting, um Stimmen dazu einzufangen. Eine Stunde später ist die Story im Netz. Das Thema wird das Fahrerlager noch einen Tag lang beschäftigen. Beim Start verläuft alles glatt. Entgegen der Befürchtungen ist es doch nicht so, dass die Fahrer ab Startplatz 13 profitierten.

Greenpeace sorgt für Abwechslung

Alonso versucht das Reizklima bei Ferrari zu entschärfen. Er rudert zurück. Der Streit mit Montezemolo? Alles ein Missverständnis. Das Auto? Ein Schritt nach vorne. Der Teamollege? "Ich akzeptiere jeden." Die italienische Presse vermeldet Räikkönen als neuen Kollegen von Alonso bei Ferrari. Die Brasilianer beten für Massa. Ein paar Deutsche sehen Chancen für Hülkenberg. Wir gehören auch dazu. Typisch Sommertheater in der Formel 1.
 
Ganz real ist das Abschlusstraining. Spa packt seine stärkste Waffe aus. Das unberechenbare Ardennenwetter. Die Quali ist ein Krimi. Jedes Mal ist es am Anfang nass und am Ende fast trocken. In den letzten Sekunden kippt die Reihenfolge von einem Extrem ins andere. Gutierrez ist zwei Minuten vor Ende des Q1 Zweiter. Am Ende fällt er durch den Rost. Wir sind uns alle einig. Das war die beste Qualifikation seit Jahren. Schade, dass der Grand Prix da nicht mithalten konnte. Nach einer Runde ist klar, dass Vettel gewinnen wird. Nach zehn Runden wissen wir, dass die nächsten zwei Plätze an Alonso und Hamilton gehen.
 
Wir sind fast froh, dass es da noch Greenpeace gibt. Die sorgen mit ihrer Anti-Shell Aktion wenigstens noch für ein paar Lacher. Sogar Bernie Ecclestone ist amüsiert, als sich vier Aktivisten mit Helmkameras vom Dach der Haupttribüne abseilen. Der Formel 1-Zampano sagt mir in der Startaufstellung: "Hoffentlich fallen sie nicht vom Dach. Dann kann ich sie nicht verklagen. Sie filmen hier ohne Drehgenehmigung." Was Bernie da noch nicht wusste. Greenpeace hatte zwei Paddock Club-Tickets für 6.200 Dollar gekauft. Bernie macht eben immer Kasse.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Spa gesammelt.

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