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F1 Tagebuch Brasilien 2013

Megastau auf der Senna-Autobahn

GP Brasilien 2013 - Formel 1-Tagebuch Foto: Wilhelm 28 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 19: GP Brasilien.

20.12.2013 Tobias Grüner

Als letzte Station des anstrengenden Formel 1-Jahres stand wieder einmal Brasilien auf dem Plan. Nach dem Stress im Vorjahr mit Vettels Titel-Krimi sollte es dieses Mal deutlich entspannter zugehen. Die Frage lautete nur noch, ob der Weltmeister seine Siegesserie in der zweiten Saisonhälfte bis zum Ende durchziehen kann. Um es kurz zu machen: Er konnte.

Ich reiste nun schon das 5. Jahr in Folge nach Sao Paulo. Aber irgendwie war es dieses Jahr anders. Es begann schon auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel. Kollege Michael Schmidt, eigentlich ein echter Experte, was den Wahnsinn auf den Straßen der Millionen-Metropole angeht, verpasste eine Ausfahrt und schon waren wir verloren. Durch Verkehr kämpften wir uns wieder auf irgendeinen Weg, der annähernd in die richtige Richtung führte. Doch irgendwie waren wir komplett falsch.

Feiertag sorgt für leere Straßen

Irgendwann kamen wir an einem Schild mit der Aufschrift "Interlagos" vorbei. Eigentlich hätte ich nach dem 10-Stunden-Flug von Houston ja lieber im Hotel eine heiße Dusche und frische Klamotten abgeholt. Aber wenn man schon mal in der Nähe der Strecke ist, dann kann man ja auch einfach mal vorbeischauen. Immerhin bekamen die auto motor und sport-Leser dadurch die ersten Impressionen von der Ankunft der Teams ein paar Stunden früher als geplant.
 
Auch der Verkehr war irgendwie anders. Viel weniger los auf den Straßen. Kollege Schmidt, der sich jedes Jahr ein Spaß daraus macht, sich mit verrücktem Lückenspringen durch die Staukolonnen zu kämpfen, war geradezu enttäuscht. Er sollte aber noch zu seinem Glück kommen. Am Mittwoch sorgte allerdings irgendein brasilianischer Feiertag, von dem wir nichts wussten, für ungewohnt flottes Vorankommen. Am Donnerstag sah die Autodichte auf den urbanen Schlaglochpisten schon wieder ganz anders aus.

Vettel freut sich über Nowitzki-Finger

Für mich hatte die Brasilien-Woche vor allem 2 Highlights. Am Donnerstag durfte ich mit dem Kollegen der Bild-Zeitung unseren überdimensionalen Dallas Mavericks-Finger an Sebastian Vettel übergeben. Das skurrile Utensil aus dem Basketball-Fanshop hatten wir von Superstar Dirk Nowitzki per Widmung veredeln lassen. Vettel strahlten die Augen beim Anblick des Präsents. Er stellte sich natürlich sofort mit dem Finger in der bekannten Pose für die Fotografen auf.
 
Wie sich herausstellte war der Heppenheimer in der Woche vor Austin ebenfalls in der Arena von Dallas zu Gast, um Nowitzki aus der Nähe spielen zu sehen. Allerdings hatte er sich als ganz normaler Fan auf die Tribüne gesetzt und keine Anstrengungen unternommen, seinen Sportler-Kollegen persönlich zu treffen. "Darf ich den jetzt behalten", fragte Vettel ungläubig, während er sich die Widmung auf dem blauen Schaumstoff-Objekt durchlas. Ich bin mir sicher, dass er an unserem Geschenk mehr Freude hatte, als an den vielen "Rennfahrer-des-Jahres-Pokalen", von denen er schon in Sao Paulo einige entgegennehmen "durfte".
 
Mein zweites Highlight der Woche waren die Essensrunden in prominenter Begleitung. So verabredete ich mich am Samstag mit Kollege Roger Benoit vom Schweizer Blick beim  Red Bull-Pavillon, um vor dem Qualifying noch einen Happen zu verputzen. Zuerst leistete uns Helmut Marko Gesellschaft. Dann schaute Niki Lauda vorbei. Dann kam Christian Horner an den Tisch. Und zu guter Letzt stand plötzlich auch noch Bernie Ecclestone an meiner Seite. So etwas erlebt man auch als auto motor und sport-Reporter nich alle Tage.

Prominente Tischrunde geht weiter

Es entwickelte sich eine lustige Runde. An Essen war nicht mehr zu denken. Fast alle machten Witze über die von Ecclestone gestreuten Gerüchte, Horner könnte bald sein Nachfolger werden. Nur Marko konnte irgendwie bei dem Gedanken nicht lachen, dass er bald ohne seinen Teamchef dasteht. "Christian hat einen der längsten Verträge hier im Fahrerlager", grinste der Österreicher etwas gequält. Was sonst noch gewitzelt wurde, ist leider nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sonst lässt mich keiner der oben genannten Herren mehr in seine Nähe.

Auch am Abend saß die Formel 1-Prominenz mit auto motor und sport an einem Tisch. Weil Kollege Michael Schmidt schon vergangenes Jahr in Sao Paulo zu seinem 500. Grand Prix-Jubiläum eingeladen hatte, verdonnerte Karl-Heinz Zimmermann, der Caterer von Bernie Ecclestone, nun Niki Lauda zur Revanche. Obwohl Lauda meist im Privatjet um die Welt reist, gilt der dreifache Champion unter seinen Freunden als wenig spendierfreudig.
 
"Das müssen wir ausnutzen, dass der Mal bezahlen will", grinste Zimmermann und orderte ebenso gute wie teure Flaschen Wein aus dem Keller des Restaurants. Auch Toto Wollf nebst Gattin saßen mit am Tisch um auf Rechnnung des dreifachen Weltmeisters zu speisen. Ross Brawn kam ebenfalls kurz vorbei. Er feierte zwei Tische weiter mit einigen Ingenieurskollegen seinen 59. Geburtstag.

Obwohl das halbe Wochenende verregnet war, kam wie immer in Brasilien nie schlechte Stimmung auf. Kiloweise Rindfleisch vom Drehspieß und einige Caipirinha waren daran nicht ganz unschuldig. Etwas Wehmut kam auf, als Bild-Kollege Frank Schneider nach 10 Jahren in der Formel 1 seinen Abschied feierte. Im Mercedes-Pavillon wurde der Reporter nach der offiziellen Presserunde mit einem unterhaltsamen Abschiedsvideo überrascht, zu dem viele Weggefährten beigetragen hatten.

Sao Paulo verabschiedet sich mit Mega-Stau

Nach der langen Saison war ich am Montag dann aber ehrlich gesagt nicht unglücklich darüber, dass es endlich wieder in Richtung Heimat geht und der Koffer erst einmal für ein paar Wochen ausgepackt bleiben darf. Allerdings hatte Sao Paulo noch eine letzte unangenehme Überraschung für uns parat. Auf dem Weg zum Flughafen kamen wir auf der sechsspurigen Ayrton Senna-Autobahn in einen Mega-Stau. Es pisste in Strömen. Und nichts ging voran.
 
Nachdem wir in anderthalb Stunden sagenhafte 2 Kilometer geschafft hatten, entschied sich Kollege Schmidt für die Notlösung. Über die Standspur ging es an allen Wartenden vorbei. Zum Glück war die Rennleitung nicht in der Nähe. Weil die zusätzliche Spur zwischendurch immer mal wieder verschwand - zum Beispiel an Brücken - mussten wir uns immer wieder hart rein- und rausdrängeln. Doch nach kurzer Zeit waren wir ganz vorne an der Schlange angekommen und sahen, was Schuld an dem riesigen Parkplatz war: Ein Kieslaster hatte seine Ladung über 4 der 6 Spuren gekippt. Mit Baggern wurde der Weg nun mühsam wieder freigeräumt.
 
Ich war echt erstaunt, dass die Disziplin im brasilianischen Verkehrschaos so hoch war. Außer den deutschen auto motor und sport-Rowdys benutzte kaum ein anderes Auto die freie Standspur. Dafür möchte ich mich hiermit noch einmal bei allen Paulistas entschuldigen. Hätten wir uns einfach hinten angestellt, würden wir aber wohl heute noch im Regen von Sao Paulo stehen.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Shanghai gesammelt.

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