Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

F1 Tagebuch GP Abu Dhabi 2014

Ferrari lenkt vom WM-Duell ab

Formel 1-Tagebuch GP Abu Dhabi 2014 Foto: Wilhelm 51 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2014. In Teil 19 blickt Tobias Grüner hinter die Kulissen vom GP Abu Dhabi.


22.12.2014 Tobias Grüner

Das Finale von Abu Dhabi beginnt für mich schon am Flughafen in Frankfurt. Kurz vor dem Boarding treffe ich zufällig Manfred Zimmermann, den Manager von Adrian Sutil. Da ich die Rennen in Austin und Sao Paulo an die Kollegin Leppert abgetreten hatte, lasse ich mich erst einmal über den aktuellen Stand im Streit mit Sauber informieren. Gerne würde ich hier mehr über die interessanten Details der vertraglichen Auseinandersetzung erzählen, aber wegen der bevorstehenden gerichtlichen Verhandlung musste ich Stillschweigen versprechen.

Alles für Hamilton-Titel vorbereitet

Auf der kurzen Busfahrt zum Außenparkplatz rollt der Lufthansa-Siegerflieger-Jumbo an uns vorbei, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Sommer von Brasilien heimgeflogen wurde. Ist das etwa ein gutes Omen für Nico Rosberg? So ganz kann ich es nicht glauben. Zu gut ist die Ausgangssituation für Hamilton. Ich habe mich innerlich schon festgelegt: Nico hat keine Chance. Wie immer vor dem Finale habe ich schon die besten Bilder der Weltmeistersaison rausgesucht und ein Porträt geschrieben - natürlich von Hamilton. Am Abend nach dem Rennen bleibt keine Zeit für solche Fleißarbeiten.

Dumm ist es nur, wenn sich die Fahrer nicht an das Skript halten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie 2010 in Abu Dhabi alles für den Alonso-Titel vorbereitet war. Nach wenigen Runden wurde klar, dass etwas gewaltig schief läuft. Kurzerhand musste ich alles auf Vettel umdisponieren. Vom Rennen bekam ich damals nicht mehr viel mit. Ich weiß nur noch, dass ich Kollege Schmidt alle 5 Minuten fragte, ob Alonso immer noch hinter Petrov festhängt.

Dieses Jahr bekomme ich nach dem Qualifying leichtes Zittern. Rosberg fährt überlegen auf Pole Position. Kollege Schmidt versucht mir die ganze Zeit einzureden, dass Hamilton in den Pressekonferenzen angeschlagen wirkt, während sein Teamkollege einige Psychotricks auspackt. Ich finde dagegen, dass Hamilton die Sticheleien äußerst souverän ignoriert.

Ferrari macht Vettel-Verpflichtung offiziell

Der Titelkampf spielt am Abu Dhabi-Wochenende aber lange nur die zweite Geige. Am Donnerstag verkündet Ferrari erst einmal den Abschied von Fernando Alonso, wenig später dann auch die Ankunft von Sebastian Vettel. Wir hatten mit dem Heppenheimer schon in Sotschi ein Interview zu seinem neuen Arbeitgeber geführt. Leider durften wir die interessanten Aussagen erst veröffentlichen, nachdem die Italiener endlich Vollzug meldeten.

Eine halbe Stunde nach der Bekanntgabe von Ferrari sitzen die Protagonisten auch schon in der Pressekonferenz. Hamilton und Rosberg werden sich sicher auch gefragt haben, warum Alonso und Vettel plötzlich so viele Fragen beantworten müssen. Nico Hülkenberg, der als fünftes Rad am Wagen ebenfalls eingeladen war, kommt praktisch gar nicht zu Wort.

Für den großen Höhepunkt der Pressekonferenz sorgt unser Kollege Walter Koster von der Saarbrücker Zeitung. Der Saarländer liest den Fahrern in gebrochenem Englisch die längste Frage aller Zeiten von seinem Zettel vor. Schon die Frage selbst wird von lautem Gelächter der Piloten und Medienvertreter begleitet. Als Vettel den Reporter dann noch bittet, die Frage noch einmal zu wiederholen, liegen alle auf dem Boden.

Am Samstag steht Ferrari vor dem Qualifying erneut im Mittelpunkt des Interesses. Schon in Austin hatte Kollege Schmidt Gerüchte gehört, dass die Teamführung ausgetauscht werden soll. Mattiaccis Nachfolger Maurizio Arrivabene war in Texas sogar vor Ort im Fahrerlager. Wir wussten auch, dass der Ex-Marlboro-Manager gerne Ross Brawn verpflichten wollte. Doch leider fehlte uns noch die Antwort des Superhirns.

Am Samstag in Abu Dhabi bekommt die Geschichte plötzlich Schwung. Immer mehr Leute im Fahrerlager reden darüber. Wir warten mit der Veröffentlichung unserer Geschichte etwas zu lange. Die Kollegen der Sport Bild waren schneller. Man kann eben nicht immer der erste Sieger sein. Kurze Zeit später bekommen wir schließlich auch die Info, dass Brawn Ferrari abgesagt hat. Zumindest vorerst. Ferrari will offenbar nicht alle Bedingungen des ehemaligen Mercedes-Chefs erfüllen.

Kleine Teams bitten zur Audienz

Kaum war die Ferrari-Geschichte draußen, kommt plötzlich die Information, dass Gerard Lopez (Lotus), Monisha Kaltenborn (Sauber) und Vijay Mallya (Force India) eine kleine Pressekonferenz geben wollen. Der kleine Raum im ersten Stock des Force India-Motorhomes ist mit rund 20 Pressevertretern komplett überfüllt. Fast eine Dreiviertelstunde erklären die Bosse der Privatteams, warum die Kosten gesenkt werden müssen. Schnell dreht man sich im Kreis. Viel Neues erfährt man nicht. Die Zeit hätte ich sinnvoller nutzen können.

Nach dem Qualifying kommt erneut eine Geschichte dazwischen, die mit dem WM-Kampf nichts zu tun hat. Die FIA hat herausgefunden, dass sich die Frontflügel von Red Bull zu stark verbiegen. Die Innenseite des oberen Flaps lässt sich mit dem kleinen Finger nach unten drücken. Das Geheimnis steckt in einer kleinen Feder im Verstellmechanismus. Die Ingenieure haben ein Stück Metall durch Gummi ersetzt, das aber genau wie Metall aussieht. Offensichtlicher kann man nicht bescheißen. Obwohl sich die FIA mit der Rückstufung auf die hinteren Plätze noch gnädig zeigt, fühlt man sich bei Red Bull unfair behandelt.

Bevor ich mich am Rennsonntag endlich dem WM-Duell widme, steht noch ein angenehmer Abu Dhabi-Pflichttermin auf dem Programm. 2 Stunden verlasse ich die Rennstrecke, um auf den öffentlichen Straßen und vor den angrenzenden Luxus-Hotels nach exklusiven Autos zu suchen. Mit der Kamera bewaffnet gehe ich wie jedes Jahr auf die Jagd nach Rolls Royces, Lambos, Bentleys und Bugattis. Es ist immer wieder der Wahnsinn, in welcher Masse die Exoten bei den Ölscheichs herumrollen. Das Ergebnis der kurzen Carspotting-Einlage finden Sie Carspotting F1 Abu Dhabi 2014: Bitte sabbern Sie jetzt! (24.11.2014)hier in der Galerie Carspotting F1 Abu Dhabi 2014: Bitte sabbern Sie jetzt! (24.11.2014).

WM-Drama in Abu Dhabi fällt aus

Die Geschichte des anschließenden Rennens ist schnell erzählt. Meine Befürchtung, dass Rosberg für einen stressigen Abend sorgen könnte, erfüllt sich zum Glück nicht. Schon der schlechte Start des Herausforderers nimmt dem WM-Duell die Spannung. Mit Technik-Problemen rutscht der Deutsche immer weiter zurück. In diesem Moment tut er mir wirklich leid. So ein Ende hat er nach dem bravourösen Kampf über 19 Rennen nicht verdient.

Während Hamilton über den Sieg und den zweiten Titel jubelt, gibt sich Rosberg als guter Verlierer. Der Vizemeister gratuliert fair und bezeichnet Hamilton als würdigen und verdienten Champion. Rosberg beweist in der Niederlage echte Klasse. Auch wenn er zugibt, dass es ihm schwerfällt dem Team und Hamilton beim Jubeln zuzuschauen, lässt er das Siegerfoto mit der ganzen Mannschaft nicht ausfallen.

Es gibt wie immer am Abend der Titelentscheidung viele gute Geschichten. Dieses Mal müssen wir uns mit dem Schreiben und dem Zusammenstellen der Bildergalerie aber etwas beeilen. Unser Flieger in die Heimat soll noch in der Nacht abheben. Kollege Schmidt will mit British Airways um 2.40 Uhr Richtung London starten. Meine Lufthansa soll nur 20 Minuten später folgen. Also hetzen wir nach einem anstrengenden Arbeitstag ohne Dusche und Abendessen um 0.45 Uhr zum Flughafen.

Saisonende mit Verspätung

Schon auf der Autofahrt ziehen plötzlich Nebelschwaden über die Wüste. Am Airport wird dann schnell klar, dass die geplanten Abflugzeiten nicht eingehalten werden können. Statt Abflug um 3.00 Uhr geht es erst um 4.15 Uhr mit dem Bus durch die dichte Nebelsuppe zur Außenposition, wo meine A330 geparkt ist. Der Pilot verkündet zuversichtlich, dass es gleich losgehen soll. Wir sind Nummer 10 in der Startreihenfolge. Nur noch etwas Geduld sei gefragt.

Eine halbe Stunde lang tut sich nichts. Dann meldet sich der Pilot erneut. Leider sei das Flughafen-Equipment kaputt. Die Dichte des Nebels könne nicht mehr gemessen werden. Deshalb wird nun erst einmal weder gestartet noch gelandet. Wann es weitergeht, könne er auch nicht sagen. Komme ich jemals nach Hause? Oder endet diese Saison nie? Ich schlafe in meinem Sitz ein und werde erst wach, als sich der Pilot erneut meldet. Ich schaue auf die Uhr. Es ist mittlerweile 7.15 Uhr. Draußen ist es schon wieder hell. Und wir stehen immer noch.

Der Pilot erklärt, dass es nun endlich losgehen kann. Und tatsächlich - kurze Zeit später rollen wir auch schon. Mit nur 4 Stunden Verspätung landen wir kurz vor Mittag in Frankfurt. Am Flughafen-Bahnhof höre ich plötzlich die vertraute Stimme des Kollegen Schmidt. Halluziniere ich? Sollte der nicht eigentlich in London landen? "Die Piloten hatten ihre Arbeitszeit überschritten und mussten in Frankfurt runter. Nach etwas Diskussionen, haben sich mich aus dem Flieger gelassen", berichtet er. Sein Koffer wird nachgeschickt.

Die letzten Kilometer nach Stuttgart legen wir mit der Bahn zurück. Wenigstens die ist ausnahmsweise pünktlich. Über Twitter lese ich, dass es am Flughafen von Abu Dhabi immer noch chaotisch zugeht. RTL-Kommentator Heiko Wasser steckt mit 11 Stunden Verspätung immer noch fest. Da hatten wir wohl noch richtig Glück gehabt. Obwohl ich eine Dusche oder ein Bett vorgezogen hätte, geht es gleich wieder ins Büro. Ferrari hat Mattiacci nun auch offiziell rausgeschmissen. Die Formel 1 gönnt einem wirklich keine Ruhepause. Und in 69 Tagen geht der Wahnsinn mit dem ersten Test in Jerez schon wieder los.

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen des GP Abu Dhabi.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden