Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

F1 Tagebuch GP Australien 2015

Saisonauftakt mit Eva und Charlize

F1 Tagebuch - GP Australien 2015 Foto: ams 34 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. In Teil 1 blickt Tobias Grüner hinter die Kulissen vom GP Australien.

07.12.2015 Tobias Grüner

Kaum hatte sich Lewis Hamilton 2014 zum Weltmeister krönen lassen, begannen für uns auch schon die Vorbereitungen auf die Formel 1-Saison 2015. Anfang Dezember war Akkreditierungsdeadline bei der FIA. Zum ersten Mal mussten sich alle Journalisten über ein neues Internet-System für den begehrten Jahrespass bewerben. Da Kollege Schmidt äußerst allergisch auf IT-Vorgänge aller Art reagiert, hatte ich ihm versprochen mich um den lästigen Prozess zu kümmern. Doch auch 15 Jahre Erfahrung als Online-Journalist halfen nicht weiter. In der neuen FIA-Webseite für Journalisten steckte der Wurm drin.

Ohne die Hilfe freundlicher Damen im FIA-Büro im Paris würde ich wohl heute noch auf den roten Umhänger warten. Zum Glück gibt sich der Weltverband deutlich weniger bürokratisch, wenn man sich einfach per Telefon meldet. Gerne hätte ich auch für das australische Journalisten-Visum eine Abkürzung genommen. Doch das 10-seitige Formular samt Scans von Ausweis und Passbildern ließ sich leider nicht so einfach umgehen. Genauso wenig wie die happige Bearbeitungsgebühr von 110 Euro. Und das, obwohl der ganze Prozess elektronisch abläuft.

Bei den Teams kümmern sich ganze Abteilungen um den Organisationskram. Als Journalist muss man natürlich alles selbst machen. Mittlerweile haben wir so viel Erfahrung beim Suchen und Buchen von Flügen, Mietwagen und Hotels, dass wir ohne Probleme auch im Reisebüro anfangen könnten. 2015 entschied ich mich erstmals für einen Emirates-Flug nach Down Under. Die deutsche Konkurrenz konnte preislich leider nicht mithalten.

Zwischenstopp verlängert sich

Beim Zwischenstopp in Dubai bereute ich diese Entscheidung fast. Es ging erst einmal nix mehr weiter. "Weil das Computer-System der Einwanderungsbehörde abgestürzt ist, können Ihre Visa nicht überprüft werden. Und ohne die Überprüfung können wir leider nicht starten", entschuldigte sich der Kapitän über Kabinenfunk und schob die Verantwortung von sich. Die Info, dass wir das Schicksal mit tausenden Menschen teilten, die rund um den Globus ebenfalls in startbereiten Australien-Fliegern festsaßen, war kein großer Trost. Mit anderthalb Stunden Verspätung ging es dann doch noch irgendwann los.

Ich weiß, es klingt alles nach Jammern auf hohem Niveau. In welchem anderen Beruf kann man dem Büro schon mal einfach so für ein paar Spätsommertage nach Australien entfliehen. Doch wenn man sich nach 26 Stunden Anreise aus dem Economy-Class-Sitz schält und statt in der Dusche erst einmal eine Stunde in der Einreise-Schlange steht, hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Schlechte Stimmung und Müdigkeit halten in Melbourne aber nicht lange an. Eine Nacht im Hotelbett und schon sah die Welt ganz anders aus. Nach Jahren im Downtown-Bezirk hatte ich mich erstmals in eine Herberge im Stadtteil St. Kilda einquartiert - günstig gelegen zwischen Strand und Rennstrecke. Vom Meer habe ich zwar nicht viel gesehen, aber die Atmosphäre vor der Tür ist gleich deutlich entspannter als im Großstadttrubel zwischen den Hochhäusern.

Wenn man mit der Straßenbahn - im zweiten Anlauf - in die richtige Richtung fährt, sind es nur 10 Minuten bis zum Fahrerlager. Am Mittwochvormittag stand wie jedes Jahr aber erst einmal der Zwischenstopp bei der FIA-Zentrale an, um den mühsam erkämpften Pass abzuholen. Früher waren die Ausweise mal deutlich schöner, wie mir Kollege Schmidt jede Saison aufs Neue vorjammert. In der Sommerpause habe ich ihn dann schließlich mal verdonnert, seine ganzen Schätze aus den letzten 35 Jahren ins Büro zu schleppen - hier geht's zur Story.

Erster Blick auf die neuen Autos

Am Mittwoch ist in Melbourne immer Ruhe vor dem Sturm angesagt. Nach dem Versteckspiel bei den Wintertests öffnen sich langsam die Garagen in der Boxengasse. Nur die Top-Teams bauen ihre Autos hinter Stellwänden zusammen. Erst am Donnerstag werden dann auf Anweisung der FIA auch die letzten Barrieren entfernt. Die erste technische Abnahme des Jahres ist das Startsignal für alle Technik-Fans. Weil sich professionelle Fotografen kaum für Technik interessieren oder Angst haben, es sich mit potenziellen Kunden zu verscherzen, kümmern wir uns schon seit Jahren selbst um Detail-Fotos.

In der Schlange vor der FIA-Garage versuchten einzelne Mechaniker immer noch verzweifelt, sich als Sichtschutz zwischen die Autos und die Objektive zu stellen. Beim Boxenstopp-Training am Freitagmorgen war es dann komplett vorbei mit der Geheimniskrämerei. Beim Gang von einer Box zur nächsten ließ sich praktisch ungestört jedes Detail ablichten. Wenig später waren die Bilder auch schon auf der Webseite. Den Abrufzahlen zu urteilen hatten die Technikfreunde bereits sehnlichst darauf gewartet.

Die Boulevard-Zeitungen interessiert Technik dagegen wenig. Wichtiger war für die Kollegen von Bild & Co. dagegen die Frage nach dem Namen des neuen Vettel-Renners. Vor der ersten Saison mit Ferrari war die Spannung besonders groß. Wie immer traf sich der Heppenheimer mit seinen Mechanikern im winzigen Kult-Steakhouse "Vlados". Dass die auto motor und sport-Reporter ihr traditionelles Saisonauftaktsdinner stets im selben Restaurant abhalten, ist natürlich reiner Zufall. Es war vom Nachbartisch nicht zu überhören, dass die rote Göttin auf den Namen "Eva" getauft wurde.

Ein ungeschriebenes Journalisten-Gesetz lautet allerdings, dass man Infos von gemütlichen Abendessen für sich behält. Die Fahrer sollen ja nicht das Gefühl haben, dass wir ihnen paparazzimäßig ständig auflauern. Viel Zeit für einen exklusiven Scoop hätten wir aber nicht gehabt. Als wir das Restaurant verließen, saß die deutsch-italienische Fraktion noch beim Dessert am Nachbartisch. Bei der Rückkehr ins Hotel eine halbe Stunde später diskutierte meine Twitter-Timeline schon eifrig über den neuen Namen des Autos. Einer aus der Vettel-Riege muss also vorzeitig geplappert haben.

Sauber-Theater im Melbourne-Fahrerlager

Der Rest des Wochenendes war vor allem geprägt von der Sauber-Saga um Giedo van der Garde. Parallel zum Rennen hatte sich der Holländer versucht ins Cockpit zu klagen. Die Richter drohten mit Pfändung von Teameigentum. Es bestand sogar eine reelle Gefahr, dass Teamchefin Monisha Kaltenborn ins Gefängnis muss. Der Streit hatte sich in den Wochen zuvor zugespitzt, doch mit dieser dramatischen Entwicklung hatte niemand gerechnet.

Am Donnerstag stand Van der Garde dann plötzlich im Rennoverall im Fahrerlager und posierte für die Fotografen. In der Box wurde eilig alles für eine Sitzanpassung vorbereitet. Keiner wusste, wohin das noch führen würde. Doch nach einem Startverzicht im ersten Freien Training beruhigte sich die Lage schließlich langsam. Zur Überraschung aller konnte Sauber den Ex-Piloten in letzter Minute ausbezahlen. Bis heute weiß niemand genau, wo die Millionen herkamen.

Ähnlich dramatisch ging es auch bei Manor Marussia zu. Erst kurz vor dem Saisonstart aus der Insolvenz erwacht, wollte das Team eigentlich in Melbourne starten. Weiter als zur technischen Abnahme kamen die Ingenieure mit dem Auto aber nicht. Obwohl das Unterfangen mangels Teilen und fehlerhafter Motor-Software von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, versuchte die Teamführung die Spannung mit Durchhalteparolen aufrecht zu halten.

Australien-Ergebnis gleich WM-Endstand

Das spannendste am Rennsonntag war die Ankunft der Hollywood-Stars Charlize Theron und Arnold Schwarzenegger (siehe Galerie). Sportlich wurde nicht viel geboten. Hatte Nico Rosberg beim traditionellen Mercedes-Frühstück 4 Tage zuvor noch einen motivierten und angriffslustigen Eindruck gemacht, sah die Miene des Vize-Champions nach der Zieldurchfahrt schon deutlich finsterer aus. Mit Pole Position, Sieg und schnellster Runde stellte Lewis Hamilton die Weichen früh auf Titelverteidigung. Die WM-Führung sollte der Champion bis zum Finale in Abu Dhabi nicht mehr abgeben.

Vettel landete bei seinem ersten Start mit "Eva" auf dem Podium. Noch überraschender kamen allerdings die Plätze 5 und 8 für Sauber. Das reichte direkt hinter Ferrari für Platz 3 in der WM-Wertung. Wir hatten genug Geschichten, um die nächsten 14 Tagen bis Malaysia zu füllen. Per E-Mail schickte ich eine Story nach der anderen an die Kollegen in Stuttgart.

Mich selbst zog es aber noch nicht in die Heimat. Stattdessen setzte ich mich am Montagabend in den Flieger nach Cairns. Wenn man schon in der Nähe ist, kann man ja noch eine Woche Ferien in den australischen Tropen genießen. Großer Neid muss aber nicht aufkommen. Ein riesiger Taifun rollte direkt auf die Urlaubsregion zu. Bei all den Warnungen im Fernsehen wurde es einem ganz mulmig. Erst im letzten Moment drehte der Wirbelsturm einen Tick nach Norden ab und verfehlte mein Hotel um 30 Kilometer.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen private Eindrücke und Bilder vom Geschehen hinter den Kulissen des Grand Prix von Australien.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden